Drama

Mittagsstunde

Mittagsstunde © Majestic Filmverleih
Mittagsstunde | © Majestic Filmverleih

„Ein schönes Kuddelmuddel“ nennt der heimgekehrte Sohn Ingwer, ein Mann um die 50, seine Familienverhältnisse in dem nordfriesischen Dorf, die sich ihm im Verlauf des Films enthüllen. Das ist eine freundliche Untertreibung, denn die Verwirrungen, die dunklen Geheimnisse, die verborgenen Geschichten ergeben ein kaum zu durchdringendes Geflecht aus Verdrängung und Verschweigen, das schon antike Ausmaße hat. Erzählt aber wird das von Regisseur Lars Jessen in seiner sehr gelungenen Verfilmung des erfolgreichen Romans von Dörte Hansens mit nordischer Lakonie und feinem Witz, ohne jede Nostalgie.

Es ist ein unsentimentaler, ehrlicher Blick auf die plötzliche Verantwortung für die anderen, vor der wir fast alle einmal stehen, und auf gelebtes Leben, immer den herrlich eigensinnigen Figuren zugewandt. Das ist eine wunderbare Ansammlung von Dickköpfen wie die pflegebedürftigen, alten Eltern, die Hildegard Schmahl und Peter Franke schonungslos und anrührend spielen, und natürlich der Sohn selbst, dem Charly Hübner großartig ein inneres Brodeln, Erstaunen und auch Erschauern schenkt – aber immer hinter dem Damm der zunehmend mühsamen Beherrschung.

Kritiker: Knut Elstermann

gelungen

Regie: Lars Jessen
Darsteller: Charly Hübner, Hildegard Schmahl, Gabriela Maria Schmeide, Peter Franke
Erscheinungsjahr: 2022
Herkunftsland: Deutschland