England

Zwischenfall auf der alten Sendestation Rampisham

2011 fanden bei Rampisham, im äußersten Süden von England (etwa 50 km westlich von Bournemouth), zwei Kapitel der deutschen und britischen Rundfunkgeschichte auf recht denkwürdige Weise ein gemeinsames Ende. Nun brachte ein sogenannter Basejumper diese Kurzwellenstation zurück in die zumindest lokalen Schlagzeilen.

Sender Rampisham
Die Sendestation Rampisham zu „Lebzeiten“ | © Roo Reynolds, CC

Unter diesem weitgehend illegalen Hobby versteht man den Absprung von Bauwerken mit Fallschirmen oder sogenannten Wingsuits.

Am Abend des 8. September 2020 blieb ein solcher Basejumper nun in einem der in Rampisham verbliebenen Antennentürme stecken. Er wurde von der Feuerwehr gerettet und vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht.

Die Kurzwellenstation Rampisham ging 1941 in Betrieb, um die Sendungen der BBC insbesondere auch nach Deutschland zu verstärken. Um 1965 folgten der ursprünglichen, jeweils 100 kW starken Sendetechnik neue Geräte mit 250 kW.

Ab 1985 brachte eine nochmalige, mit einer weiteren Verstärkung auf jeweils 500 kW verbundene Modernisierung den Endzustand. Zum Einbau kamen neben sechs Sendern der englischen Firma Marconi auch vier Sender von Telefunken, wie sie in Deutschland auf der Station Wertachtal bei Buchloe installiert wurden.

2007 kehrte sich die ursprüngliche Bestimmung der Station Rampisham in ihr Gegenteil: Sie wurde zu einem Standort des deutschen Auslandsrundfunks. Dazu führte eine Entscheidung der Deutschen Welle, die Kurzwellenverbreitung ihrer Hörfunkprogramme auszuschreiben, nachdem der Vertrag über den Betrieb der Station Wertachtal zum Ende des Jahres 2006 auslief.

Darüber hinaus kündigte die DW auch vorzeitig den Vertrag über die erst 1997 völlig neu augebauten Kurzwellenanlagen bei Nauen. Diese konsequente Trennung von „der Post“ war der DW eine Abstandszahlung von 14 Millionen Euro wert.

Der Station Rampisham schenkte dieser Schritt des deutschen Auslandsrundfunks eine Verlängerung ihres Lebens, nachdem die BBC sich immer weiter aus dem Verbreitungsweg Kurzwelle zurückzog. Als dann auch die DW große Teile ihres Hörfunkangebots einstellte, gab es schließlich keine Rettung mehr.

Der Sendebetrieb endete am 29. Oktober 2011 um 23.59 Uhr MESZ, aber nicht etwa mit einem Programm der BBC. Die letzte Frequenz, die in diesem Augenblick abgeschaltet wurde, war keine andere als 6075 kHz, der Stammkanal des deutschen Hörfunkprogramms der DW, das damit selbst entfiel.

Die Sendetechnik wurde wenige Monate später demontiert. Einzelne Ersatzteile gingen in den Fundus der Sendestation Woofferton (50 km südwestlich von Birmingham) über. Für einige Komponenten der Anlagensteuerung fand sich eine Nachnutzung auf Sendestationen der BBC im Ausland.

Alle anderen Ausrüstungen wurden, soweit es sich lohnte, als Schrott verwertet. Die Technikräume mit den Gerippen der Sender blieben in verwüstetem Zustand zurück.

2013 folgte der Abbruch eines ersten Teils der Antennenanlage. Dabei ließ man die Türme gleich komplett mit den an ihnen angebrachten Antennenvorhängen umstürzen.

Ein weiterer umfangreicher Abbruch lief 2017 auf Kosten eines Solarparkbetreibers, der damit eine Bedingung erfüllte, unter der er ein Ersatzgrundstück erhielt. In der Zwischenzeit war das Antennengelände als ökologisch wertvolle Trockenwiese eingestuft und die geplante Bebauung mit Solarpanelen verboten worden.

Was damit von der Sendestation blieb, beschreibt ein lokaler Beobachter so: Ein paar Gebäude, die für kaum etwas zu gebrauchen sind, und ein großes Grundstück, mit dem man überhaupt nichts anfangen kann, außer Schafe weiden zu lassen.

Sender Skelton
Der erhalten gebliebene Kurzwellenkomplex in Skelton | © Tim Robinson, CC-BY-NC-ND

Der immer weitere Rückgang der Anforderungen führte 2013 auch zum Betriebsende für den Kurzwellenhörfunk beim kurz nach der Station Rampisham, nämlich 1943, auf Sendung gegangenen Standort Skelton, bei Penrith im Norden von England.

Seit 2001 betreibt diese Station auch das militärische Längstwellensignal GBR auf 16 kHz. Eigens dafür entstand eine neue, 365 Meter hohe Antenne; sie ist das höchste Bauwerk in Großbritannien.

Da somit eine völlige Schließung der Station ohnehin nicht möglich ist, blieb der modernere, erst 1991 fertiggestellte Kurzwellenkomplex erhalten. Dessen nochmalige Nutzung galt aber von vornherein als äußerst unwahrscheinliches Szenario.

Die alten Sender waren bereits 2011, wenige Monate nach dem Sendeende in Rampisham, aus dem Betrieb zurückgezogen worden. Bei der kurz danach erfolgten Verschrottung konnten noch einige Teile für ein Museum sichergestellt werden.

Sender Marconi BD 272
Gerettet: Eine der beim Wechsel des Frequenzbereichs zu tauschenden Baugruppen eines alten Skelton-Senders, hier für das 75-Meterband | © Charlotte Conelly, CC

Damit ist die Station Woofferton nun die letzte verbliebene Sendeanlage des Kurzwellenhörfunks in Großbritannien. Sie war zusammen mit dem Standort Skelton 1943 in Betrieb gegangen.

Von 1961 bis 1997 war die Station weitestgehend an die Voice of America vermietet. In dieser Zeit kam es auch hier zu zwei Modernisierungen, die zwar von der BBC mit Marconi-Technik realisiert, jedoch von der US-amerikanischen Seite finanziert wurden.

Nach 2005 erhielt die Station noch vier neue Sender von Radio Industry Zagreb. Der Bau einer zusätzlichen Antenne für das 75-Meterband ermöglichte schließlich 2013 die völlige Ablösung des Standorts Skelton.

Das jetzt noch aus Woofferton abgestrahlte Programmvolumen ist nur ein kleiner Bruchteil des Umfangs, den der englische Kurzwellenrundfunk einst hatte. In der noch bis zum 24. Oktober laufenden Sommersaison 2020 kommen aus Woofferton insgesamt die folgenden Sendungen (Zeitangaben in MESZ):

05.00-06.00 Uhr: 5875 kHz; BBC Arabisch
06.00-07.00 Uhr: 7375 kHz; VOA Englisch
07.00-08.00 Uhr: 3955 kHz; Digitalsignal der BBC
07.00-08.00 Uhr: 6005 und 9410 kHz; BBC Englisch
Mo-Fr 07.30-08.00 Uhr: 9885 kHz; VOA Französisch
07.30-08.30 Uhr: 9440 kHz; BBC Haussa/Französisch
08.00-09.00 Uhr: 12050 kHz; Radio Ndarason
08.00-09.00 Uhr: 13660 kHz; BBC Englisch
08.30-09.00 Uhr: 11660 kHz; BBC Haussa
09.00-10.00 Uhr: 9860 kHz; KBS Koreanisch
15.00-20.00 Uhr: 12005 kHz; RFE/RL Farsi (Radio Farda)
16.00-17.00 Uhr: 15310 kHz; RFE/RL Usbekisch
Mo-Fr 17.30-18.00 Uhr: 17700 kHz; VOA Haussa
Fr 18.30-19.00 Uhr: 17655 kHz; VOA Portugiesisch
Mo-Fr 19.00-20.00 Uhr: 11610 kHz; VOA Amharisch/Oromo
19.00-20.00 Uhr: 13590 kHz; VOA Englisch
19.00-20.00 Uhr: 15260 kHz; IBRA-Radio Arabisch
Sa 19.00-21.00 Uhr: 15685 kHz; BBC Haussa
19.30-20.30 Uhr: 15510 kHz; IBRA-Radio Tigre/Fur
20.00-20.30 Uhr: 12005 kHz; BBC Französisch
20.00-21.00 Uhr: 9775 kHz; Radio Ndarason
20.00-21.00 Uhr: 9820 kHz; KBS Russisch
20.00-21.00 Uhr: 11610 und 15660 kHz; VOA Amharisch
20.00-23.00 Uhr: 9800 kHz; World’s Last Chance
So 20.30-21.00 Uhr: 9470 kHz; Follow the Bible Ministries
20.30-21.00 Uhr: 15510 kHz; IBRA-Radio Arabisch
Mo-Fr 20.30-21.30 Uhr: 11660 kHz; BBC Äthiopien
Mo-Fr 21.00-21.30 Uhr: 11610 kHz; VOA Tigrinisch
21.00-22.00 Uhr: 6145 kHz; KBS Französisch
21.00-22.00 Uhr: 12095 kHz; BBC Englisch
21.00-23.00 Uhr: 12050 kHz; Radio Ndarason
21.30-22.00 Uhr: 9545 kHz; BBC Haussa; Fr bis 22.30
22.00-23.00 Uhr: 3955 kHz; KBS Deutsch
22.00-23.00 Uhr: 6090 kHz; KBS Arabisch
22.00-24.00 Uhr: 11810 kHz; BBC Englisch; Sa-So nur bis 23.00
23.00-23.15 Uhr: 7300 kHz; HCJB Arabisch
Mo-Fr 23.00-23.30 Uhr: 9740 kHz; VOA Französisch
23.00-02.00 Uhr: 6015 kHz; World’s Last Chance

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 10.09.2020