Im Trend - Mittelwelle in Südkorea auf dem Rückzug

CBS FM 103.1
Schon 2014 keine Nennung der Mittelwelle 1251 kHz mehr: CBS in Daegu | © Roadgo, CC

Bei einem Blick in Sendertabellen könnte man Südkorea für eine bis heute verbliebene Hochburg des Mittelwellenrundfunks halten. Doch das ist eine Fassade, die nur noch auf „Wunsch“ der Behörden aufrechterhalten wird und nun dennoch zu bröckeln beginnt.

Eine koreanische Seite schildert lebhaft, wie die Mittelwelle in der breiten Öffentlichkeit inzwischen auch in Südkorea weitgehend vergessen ist.

Von den Behörden werde zwar immer noch Wert darauf gelegt, den Mittelwellenrundfunk für Notfälle zu erhalten. Es seien sogar Strafen gegen Programmveranstalter verhängt worden, die kurzerhand Sendeleistungen reduziert hatten. Das nütze aber selbst theoretisch immer weniger, da die Mittelwelle auch zusehends aus den Empfangsgeräten verschwinde.

Das Korean Broadcasting System (KBS) habe sich bereits stillschweigend Teile seines Mittelwellennetzes vom Hals schaffen können, darunter auch einige der Sender, die nach offizieller Lesart immer noch als Hauptsender für bestimmte Regionen galten. Frequenzansagen lassen die Mittelwellen bereits außen vor, genannt werden nur noch die UKW-Frequenzen.

Den völligen Ausstieg plant nun das Christian Broadcasting System. Nachdem Ende 2021 bereits der Mittelwellensender in Daegu abgeschaltet wurde, sollen in diesen Tagen drei weitere Frequenzen außer Betrieb gehen. Damit verbleibt noch die Hauptmittelwelle 837 kHz in Seoul, deren Wegfall aber ebenfalls angestrebt wird.

Die kommerzielle Munhwa Broadcasting Corporation hat bereits 2020 und 2021 je zwei und im vergangenen September sieben Sender stillgesetzt. Dem folgen nun weitere sechs Standorte, in diesem Fall jetzt schon eingeschlossen Seoul. Vom einstigen MBC-Mittelwellennetz verbleiben damit vorerst noch zwei Standorte (Gwangju auf 819 kHz und Jeonju auf 855 kHz).

Ganz von der Mittelwelle verschwindet in diesen Tagen das Seoul Broadcasting System. Der 50 kW starke Sender auf 792 kHz wird stillgelegt, es verbleiben nur die UKW-Frequenzen.

Sportliche Empfangsversuche in Europa berührt das alles nicht, da die dafür in Betracht kommenden Sender in Betrieb bleiben. Zu nennen ist hier vor allem die Frequenz 1566 kHz der Far East Broadcasting Company. Sie ist auch für das Ausland bestimmt und überträgt in größerem Umfang Beiträge in chinesischer, japanischer und russischer Sprache.

Der FEBC-Sender auf der Insel Jeju (Cheju) ist seit 1973 in Betrieb. Mit seinen 250 kW war er für einige Jahre der stärkste Mittelwellensender von Südkorea, bis ihn neue Hochleistungsanlagen des KBS übertrafen.

An der Spitze steht damit nun ein Sender mit 1500 kW auf 972 kHz. Seit diese Frequenz nicht mehr aus Deutschland und der Ukraine belegt wird, ist er mitunter ebenfalls bis nach Mitteleuropa zu hören.

Die Hochleistungssender zielen auf Nordkorea, stehen also nicht zur Disposition. Wer sich fragt, wie es in bestimmten, womöglich katastrophalen Szenarien mit der Freizügigkeit gedacht ist, könnte in dieser Aussage einen Anhalt finden: Die Frequenz 972 kHz soll „auch nach der Wiedervereinigung zur Bildung der nordkoreanischen Bevölkerung in Betrieb bleiben“.

Kimjae transmitter site
Gebäude und Antennen der Station Kimjae

Auf der Station Kimjae/Gimje gibt es neben einer dieser Großmittelwellen (1170 kHz) einen Sender- und Antennenpark für die Kurzwelle. Ab 1975 schrittweise aufgebaut wurde er für einen Auslandsdienst des KBS, zu dessen Angebot seit 1981 Sendungen in deutscher Sprache gehören.

2003 startete das KBS auch ein Auslandsfernsehen. Das war indes schon nur noch eine Reaktion auf die Gründung des in Deutschland über Astra 19,2° Ost und zahlreiche Kabelnetze verbreiteten Arirang. Eine frühere Fassung der Selbstdarstellung von Arirang tönte, man sei „seit 1998 der Hauptbetreiber von Auslandsrundfunk der Republik Korea“.

Folglich wurden die direkten Kurzwellensendungen nach Europa, die im 8000 Kilometer entfernten Zielgebiet nur in sehr mäßiger Qualität zu empfangen waren, 2006 weitgehend eingestellt. Mit dem jüngsten Kürzungsschritt sind seit November 2021 weitere acht Stunden Sendezeit am Tag entfallen.

Damit laufen, bezogen auf MEZ, derzeit noch die folgenden Ausstrahlungen:

09.00-10.00 Uhr: 6155 kHz; Japanisch
09.00-11.00 Uhr: 7275 kHz; Japan., Korean.
09.00-11.00 Uhr: 9570 kHz; Koreanisch
09.00-12.00 Uhr: 9770 kHz; Englisch, Vietnames.
10.00-11.00 Uhr: 15160 kHz Koreanisch
12.00-13.00 Uhr: 7275 kHz; Koreanisch
12.00-13.00 Uhr: 11795 kHz; Spanisch
12.30-13.30 Uhr: 6095 und 9770 kHz; Chinesisch
13.00-16.00 Uhr: 9570 kHz; Indones., Englisch
14.00-15.00 Uhr: 9645 kHz; Russisch
14.00-16.00 Uhr: 15575 kHz; Englisch, Korean.
15.00-17.00 Uhr: 9630 kHz Englisch
16.00-19.00 Uhr: 9515 kHz; Englisch, Korean.
16.30-18.00 Uhr: 9740 kHz; Vietnames., Engl.
17.00-18.00 Uhr: 7275 kHz; Koreanisch
17.00-19.00 Uhr: 9740 kHz; Korean., Spanisch
23.00-24.00 Uhr: 11810 kHz; Spanisch
00.00-01.00 Uhr: 7215 kHz; Chinesisch
02.00-04.00 Uhr: 9580 kHz; Japan., Englisch
03.00-04.00 Uhr: 15575 kHz; Spanisch
03.00-05.00 Uhr: 11810 kHz; Japanisch, Korean.

Die Frequenzwahl war dabei noch nie sonderlich geschickt. Somit erinnern die am hiesigen Vormittag ausgestrahlten Programme für Japan an eine Anekdote aus den 90er Jahren. Es geht um eine Wiederholung der deutschen Sendung vom Vorabend, die auf 41 Meter ausgestrahlt wurde.

Das konnte auf dieser Frequenz und zu dieser Zeit, während der gesamte Weg von Korea bis Europa im Sonnenschein lag, von vornherein nicht funktionieren. Trotzdem hatte diese Übertragung zwei Stammhörer: In Japan ...

Radio Korea, BBC World Service
1993: Start der Ausstrahlungen über die seit 2013 stillgelegte Sendestation Skelton bei Penrith

Den Durchbruch für das damalige Radio Korea (seit 2005 erscheinen die Sendungen nun unter dem Namen des Fernseh-Schwesterprogramms, KBS World) brachte in Europa eine gegenseitige Überlassung von Sendezeit, die 1993 mit der BBC vereinbart wurde.

Mit einem drastischen Rückbau des Kurzwellenhörfunks bei der BBC endeten 2011 deren Ausstrahlungen aus Korea. Die KBS-Sendungen aus England werden seitdem vom Betreiber der Anlagen als bezahlte Dienstleistung abgewickelt.

2015 hieß es, die Sendungen, jetzt über die letzte in England noch aktive Kurzwellenstation bei Birmingham, würden „vorerst“ weitergeführt. Das gilt auch im Winter 2022/2023 weiter in uneingeschränktem Umfang. Insbesondere beim Sendeplatz für Deutsch gab es hier seit nunmehr drei Jahrzehnten keinerlei Änderungen.

08.00-09.00 Uhr: 9870 kHz; Koreanisch
19.00-20.00 Uhr: 6040 kHz; Russisch
21.00-22.00 Uhr: 3955 kHz; Deutsch
21.00-22.00 Uhr: 6090 kHz; Arabisch
22.00-23.00 Uhr: 3955 kHz; Französisch

Darüber hinaus wird die französische Sendung weiterhin für Afrika über die Kurzwellensender in Frankreich abgestrahlt, derzeit von 21.00 bis 22.00 Uhr auf 5950 kHz.

Weitergeführt wird schließlich noch die Übertragung der spanischen Sendung über die Kurzwellenstation von Radio Martí in den USA, jetzt von 2.00 bis 3.00 Uhr auf 9870 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 06.11.2022