Jedoch nicht fürs Radio

BBC bekommt mehr Geld für Russisch und Ukrainisch

Die BBC erhält eine zusätzliche „Notfinanzierung“ von 4,1 Millionen Pfund (4,9 Mio. Euro) für ihre russischen und ukrainischen Angebote. Von einer Wiederaufnahme der 2011 eingestellten Hörfunksendungen, für die es unmittelbar nach dem 24. Februar technische Planungen gab, ist dennoch keine Rede mehr.

BBC, Broadcasting House
Zentrale der BBC in London | © Stuart Pinfold, CC

Die einschlägige Mitteilung der BBC bezieht sich ausschließlich auf digitale Plattformen.

Eigentlich war für die Sommersaison neben einer russischen Sendung die großflächige Ausstrahlung des englischen World Service-Programms nach Osteuropa geplant. Der größte Teil dieser Sendeplätze wurde vor wenigen Tagen jedoch abgemeldet.

Was jetzt noch geplant ist, fällt selbst hinter das sofort am 24. Februar aufgeschaltete Sendevolumen zurück. Nur noch an Arbeitstagen gibt es dann das englische Programm vier Stunden pro Tag (15.00-17.00 Uhr auf 15740 kHz und 21.00-23.00 Uhr auf 11680 kHz). Am Wochenende verbleiben lediglich zwei Stunden (14.00-15.00 und 22.00-23.00 Uhr).

Damit fast schon wieder aufgegeben ist das Konzept eines „Krisenradios“. Entwickelt wurde es 2011 unter dem damaligen Direktor des World Service, Peter Horrocks, als es vor dem Hintergrund von Budgetkürzungen zu massiven Einschränkungen des Kurzwellen-Hörfunkangebots kam.

Die Idee war, in Krisenlagen die Sendungen jederzeit wieder aufnehmen zu können. Einige Beobachter hielten das schon damals für Augenwischerei, da fraglich ist, wer die alten Kurzwellenradios noch griffbereit hält, wenn damit keine interessierenden Programme mehr zu empfangen sind.

Diese Bedenken scheinen sich nun zu bestätigen. Das illustriert ein AP-Bericht aus Mariupol, nach dessen Darstellung dort „nur noch russische Sender“ zu empfangen seien.

Aus Russland wiederum gibt es neue Einschätzungen zur Wahrscheinlichkeit von Einschränkungen des Internet-Routings. Im Falle einer Umsetzung würden Technologien zur Umgehung von Sperrmaßnahmen nur noch eingeschränkt oder im extremsten Szenario in keinem Fall mehr funktionieren.

Stand vom 24.03.2022



Bericht vom 13. Februar 2022:

Nach der Entscheidung, die von den Haushalten in Großbritannien erhobene Rundfunkgebühr für zwei Jahre einzufrieren, fordert die BBC von der Regierung eine Zusatzfinanzierung für den Auslandsdienst:

„Wie wir bereits öffentlich gesagt haben, sind wir von dem Ergebnis [dem Einfrieren der Gebühr] sowohl für unser Publikum als auch für die Kreativwirtschaft enttäuscht.
Die realen Einnahmen der BBC für Inlandsdienste sind bereits 30 Prozent geringer als vor zehn Jahren. Mit dieser Entscheidung setzt sich der Rückgang fort. Das macht es schwerer, weiter die lebendige Kreativwirtschaft in Großbritannien zu unterstützen, die im harten Wettbewerb des heutigen weltweiten Marktes in Gefahr ist. [...]
Diese Entscheidung, die zunehmende Inflation und eine immer stärkere Hyperinflation in der Medienbranche werden, wie von uns angekündigt, unmittelbar zu Kürzungen unserer Angebote führen.
Es ist nun die Aufgabe des Rundfunkrates, darüber zu entscheiden, wie in der verbleibenden Laufzeit der Charter die Ressourcen der BBC am besten auf unsere Angebote für Großbritannien und das Ausland verteilt werden. [...]
Über die Auswirkungen auf den World Service müssen wir mit Ihnen und dem Außenministerium ins Gespräch kommen. Das betrifft insbesondere die Notwendigkeit weiterer Investitionen der Regierung, um Sprachdienste zu schützen, da die reale Kürzung der Rundfunkgebühr einige wirklich harte Entscheidungen erfordert.“

Unter dem World Service verstanden wird der klassische, einst vom Außenministerium finanzierte Auslandsdienst. Bis 2012 zeigte sich dessen Abgrenzung von den Inlandsprogrammen auch äußerlich mit einem separaten Funkhaus.

Zum World Service gehören auch fremdsprachige Fernsehsendungen, darunter großflächige Programme in arabischer und persischer Sprache. Das englischsprachige BBC World ews ist trotz seines sehr ähnlichen Namens hingegen kein Bestandteil dieses Dienstes; es wird auf kommerzieller Grundlage betrieben.

Bei einem früheren Übergriff auf ihre Finanzierung ließ die BBC sich 2010 darauf ein, von 2014 an auf die gesonderte Finanzierung des World Service durch das Außenministerium zu verzichten. Damit löste sich dessen Abgrenzung weitgehend auf.

Auch nach außen zeigte sich das beim englischen Hörfunkprogramm mit der Einführung von Werbung auf bestimmten Verbreitungswegen. Für die UKW-Ausstrahlung in Berlin hat die BBC ARD Media und rbb media mit dem Vertrieb beauftragt.

 

Autor: Kai Ludwig