Nach Abschaltung der Osteuropa-Frequenzen - BBC beendet Hörfunksendungen für den Iran

BBC Persian: Hotbird, 11,3558 GHz
Hinweis auf den zusätzlich für das Iran-Programm der BBC geschalteten Transponder | © BBC

Sicheres Gespür für den richtigen Zeitpunkt zeigt die BBC mit der Bekanntgabe konkreter, mit dem Wegfall von 382 Arbeitsplätzen verbundener Sparmaßnahmen in ihrem World Service: Nachdem bereits die Kurzwellenfrequenzen für Osteuropa abgeschaltet wurden, sollen unter anderem auch die Hörfunksendungen für den Iran verschwinden.

Völlig deplaziert wirkt diese Ankündigung nicht nur wegen der Eingriffe in den Internetverkehr, die im Iran seit dem 21. September in ausgeklügelter Weise vorgenommen werden.

Jetzt greift Teheran darüber hinaus auch auf das Mittel der Störung von Satellitenübertragungen zurück. Seit Jahren gab es hier nur kurze Episoden, die insbesondere auch die BBC auf sich beruhen ließ. Nun scheinen die Aktivitäten jedoch ein zuletzt während der Präsidentschaft Ahmadineschad gesehenes Ausmaß zu erreichen.

Der Satellitenbetreiber Eutelsat meldete sich dazu am 7. Oktober mit einer Stellungnahme: Seit dem 26. September beobachte man die Störung von Ausstrahlungen auf zwei Satelliten.

Konkret genannt werden der Hotbird 13C und der Eutelsat 7B. Die Aufzählung dürfte mindestens noch um den Hotbird 13B zu erweitern sein, da auch das persische Fernsehprogramm der BBC betroffen ist. Als Abwehrmaßnahme wurde dafür die zusätzliche Frequenz 11,3558 GHz v in Betrieb genommen.

In der einschlägigen Kommunikation schon kaum noch oder überhaupt nicht mehr erwähnt werden die terrestrischen Hörfunksendungen. Hier war die BBC erst zum 22. September dem finalen Ende der Sommerzeit gefolgt, die eigentlich im Iran bereits in diesem Jahr nicht mehr angewendet werden sollte.

Bis zu den erneuten, mit dem Ende der Mitteleuropäischen Sommerzeit zum 30. Oktober zu erwartenden Änderungen kommen nun folgende Frequenzen zum Einsatz (in Klammern der jeweilige Senderstandort):

05.30-06.30 Uhr:
1251 kHz (Tadschikistan), 11870 kHz (Abu Dhabi),
12015 kHz (Bulgarien), 13825 kHz (Usbekistan)
05.30-07.00 Uhr:
1413 kHz (Oman)
06.30-07.30 Uhr:
9880 kHz (Abu Dhabi), 13825 kHz (Usbekistan),
15210 kHz (Bulgarien)
18.00-19.00 Uhr:
5875 kHz (Usbekistan), 6195 kHz (Oman)
20.30-21.30 Uhr:
6100 kHz (Bulgarien)

Damit geht die BBC sogar noch über das hinaus, was Iran International und auch Radio Free Europe / Radio Liberty praktizieren: Dort wird für den Iran nur noch auf Kurzwelle gesendet, die Ausstrahlungen auf Mittelwelle sind aus Kostengründen inzwischen entfallen.

Studio des BBC World Service
Ein Studio des vor der Einstellung stehenden arabischen Hörfunkprogramms der BBC | © Stuart Pinfold, CC

Einstellen will die BBC auch ihr Hörfunkprogramm in Arabisch und veröffentlichte dazu einen besonderen Beschwichtigungsversuch. Hier gibt es aus Ägypten auch schon eine – entweder nur für Arabisch oder für alle geplanten Abschaltungen geltende – Angabe zum letzten Sendetag: Der 31. Januar 2023.

Die Mitteilung der BBC zählt noch eine Reihe weiterer Sprachen auf, die künftig nicht mehr im Hörfunk bedient werden sollen. Bei einigen dieser Angaben ist nicht recht klar, worauf sie sich eigentlich beziehen. So sind die Sendungen in Hindi und Urdu bereits zum Jahresbeginn 2020 entfallen, jene in Chinesisch gar schon 2011.

Eigene terrestrische Ausstrahlungen durch die BBC gibt es jedenfalls nur noch in zwei dieser weiteren Fälle: Bengalisch sowie Usbekisch, letzteres seit 2018 nur noch auf der auch für das Iran-Programm genutzten Mittelwelle 1251 kHz aus Tadschikistan.

Zu Einsparungen kommt es offensichtlich auch im englischen Hörfunkprogramm des World Service. Dazu verwendet die BBC in ihrer Pressemitteilung verschleiernde Formulierungen, die zunächst nur indirekte Schlüsse ermöglichen.

Zwar soll dieses Programm weiterhin „24 Stunden am Tag weltweit verfügbar“ sein. Dazu werde es jedoch demnächst „neue Programmschemata, Sendungen und Podcasts“ geben, um „Investitionen in neue Initiativen, darunter Podcasts für ein weltweites jüngeres Publikum“ zu ermöglichen.

Fortgesetzt werden soll die seit Jahren laufende Auslagerung von Produktionen in außereuropäische Länder. Hier gibt es bereits Kritik insbesondere am geplanten Umzug der Vietnam-Redaktion nach Thailand, wo weder deren Sicherheit noch deren ungestörte Arbeit gewährleistet seien.

Das Volumen der mit diesen Maßnahmen zu erzielenden Einsparungen beziffert die BBC auf 28,5 Millionen Pfund. Nach derzeitigem Stand fallen damit 382 Arbeitsplätze weg, was einen Anhalt zu der Frage gibt, was im englischen Hörfunkkanal des World Service zu erwarten sein könnte.

Zu berücksichtigen ist bei diesen Angaben, welche Bereiche bei der BBC dem World Service zugeordnet sind. Nicht dazu gehört insbesondere das Fernsehprogramm BBC World News. Es soll mit seinem Inlands-Gegenstück zusammengelegt werden, verbunden mit dem Verlust weiterer 70 Arbeitsplätze.

Sender Schäferberg
Der Schäferberg in Berlin-Wannsee, Senderstandort der BBC-Frequenz 94,8 MHz | © dpa-Zentralbild

Mit dem englischen Hörfunkkanal des World Service will die BBC sich künftig „auf eigene Plattformen und Präsenzen in Märkten fokussieren“. In „einigen Regionen“ wolle man die Zusammenarbeit mit Partnern zurückfahren. Vorerst bleibt es Interpretationssache, was man daraus für die Zukunft der UKW-Ausstrahlung in Berlin ableiten möchte.

Unweigerlich verschwinden werden mit der Einstellung des arabischen Hörfunkprogramms hingegen die Großmittelwellen 639 und 720 kHz auf Zypern. Sie sind der letzte Rest der dort einst von der BBC betriebenen Sendeanlagen. Die Kurzwellensender auf Zypern wurden bereits 2013 stillgelegt.

Abzuwarten bleibt noch, was aus der Sendestation der BBC in Oman wird. Die dortige Mittelwelle 1413 kHz könnte für das Afghanistan-Programm, das von der anstehenden Kürzungswelle verschont zu bleiben scheint, noch weiter von Interesse sein. Das gilt auch für die drei Kurzwellensender, die außerdem in die Afrika-Versorgung mit eingebunden sind.

Unklar bleibt vorerst, ob die künftig sparsamere Gestaltung des englischen Programms mit einer weiteren Einschränkung von dessen Verbreitung auf Kurzwelle einhergeht. Sollte das der Fall sein, könnte auch die – schon jetzt nur noch schlecht ausgelastete – Sendestation in Singapur vor dem „Aus“ stehen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 11.10.2022