Erste Details

World Service im Fokus der BBC-Kürzungen

BBC-Generaldirektor Tim Davie nannte erste Details zu den Konsequenzen des – von ihm als „Einigung“ umschriebenen – Einfrierens der Finanzierung bei gleichzeitig massiven Preissteigerungen. Der World Service ist dabei nicht etwa sakrosankt.
 

BBC in London
Im Altbauteil der BBC-Zentrale | © Dan Taylor, CC

Zu diesem Aspekt sagte Davie:

„Der Rundfunk wird [für den World Service] weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Leider bedeutet die Einigung bei der Rundfunkgebühr aber, dass wir nicht mehr jeden Dienst auf allen heute genutzten Plattformen anbieten können.
Wir schlagen deshalb vor, die lineare Ausstrahlung von Hörfunk- und Fernsehangeboten dort einzustellen, wo die digitale Verbreitung künftig einen besseren Weg zu unserem Publikum bietet. Das folgt dem Modell, das wir bereits in Lateinamerika und Teilen von Europa praktizieren. [...]
Die Zusage der Regierung, ihre jährliche Kofinanzierung des World Service von 94 Mio. Pfund für weitere drei Jahre fortzusetzen, ist sehr willkommen.
Doch die Gebührenfinanzierung, die sich in den letzten Jahren auf 254 Mio. Pfund belief, liegt mit World News inzwischen bei über 290 Mio. Pfund. Das ist nach dieser Einigung bei der Rundfunkgebühr nicht mehr zu halten.
Wir werden deshalb in den kommenden Wochen darlegen, wie wir als ersten Schritt den Einsatz von Gebührenmitteln für den World Service ab 2023/2024 um etwa 30 Mio. Pfund reduzieren wollen. Dabei wird das gesamte Sprachangebot erhalten bleiben.
Zugleich werden wir [...] einen starken Case für in den kommenden Jahren erhöhte Investitionen der Regierung liefern. Dieser Case für einen gestärkten World Service ist überzeugend, aber wir können von den Gebührenzahlern nur bis zu einem bestimmten Punkt erwarten, das zu bezahlen.“

Davie gab auch schon einen ersten Hinweis, was beim englischen Hörfunkprogramm des World Service zu erwarten ist: Es soll künftig zum Teil aus dem Fernsehton bestehen.

Dort wiederum soll es, nachdem der frühere Sonderstatus von BBC World News inzwischen aufgehoben ist, zu einer vollen Integration mit dem bislang für das Inland bestimmten BBC News kommen. Das vereinigte BBC News soll nur noch einzelne Auseinanderschaltungen in eine Inlands- und Auslandsvariante praktizieren.

Noch vor der Abschaltung der Langwellenfrequenz, deren genauer Termin an der Mitnutzung durch die Energiewirtschaft hängt, sollen hier die gesonderten Sendungen entfallen. Damit dürften die Seewetterberichte bei der BBC bald der Vergangenheit angehören. Die bereits angekündigte Abschaltung auch der Mittelwellen präzisierte Davie auf „spätestens Ende 2027“.

Auch kleinere lineare Hörfunk- und Fernsehprogramme der BBC sollen in Zukunft entfallen. Mit diesen Abschaltungen will die BBC frühestens in drei Jahren beginnen.

Wegen der potentiellen internationalen Beispielwirkung bemerkenswert ist eine weitere Ankündigung: Die in Trägerschaft der BBC stehenden Klangkörper sollen künftig weniger Gebührengelder erhalten und verstärkt aus anderen Quellen finanziert werden.

Auch zu den Arbeitsplätzen, die durch die Sparmaßnahmen entfallen sollen, gibt es bereits eine Zahl: 1000.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.05.2022