In altbekannt unbrauchbarer Weise - Kairo auf neuen Kurzwellen

ERTU in Kairo
Kairo mit der Zentrale von ERTU (links) | © Ahmed Hamed, CC-BY-SA

Mit dem Übergang zur Wintersaison 2022/2023 hat Radio Kairo fast alle seiner Kurzwellen geändert. Auch die neuen Frequenzen liegen jedoch durchweg im (oder beim) 31-Meterband, und die Ausstrahlungen sind weiter von der altbekannten, weitestgehend unbrauchbaren Qualität.

Wenn nicht gerade einer der ebenfalls häufigen Totalausfälle besteht, läuft der Sendebetrieb, bezogen auf Mitteleuropäische Zeit, jetzt nach diesem Schema:

16.00-17.00 Uhr: 9440 kHz; Albanisch
18.00-20.00 Uhr: 9390 kHz; Türkisch
19.00-20.00 Uhr: 9900 kHz; Italienisch
20.00-21.00 Uhr: 9410 kHz; Russisch
20.00-21.00 Uhr: 9830 kHz; Deutsch
21.00-22.15 Uhr: 9900 kHz; Französisch
22.15-23.45 Uhr: 9440 kHz; Englisch
23.15-00.30 Uhr: 9890 kHz; Portugiesisch
00.30-03.00 Uhr: 9900 kHz; Arab., Span.

Dabei weichen die Sender teils mehr als zwei Kilohertz von den Nennfrequenzen ab.

Zu hören sind außer Brummen oft nur sehr leise Spuren des Programmtons. Ist die Übertragung doch einmal lauter, dann findet man sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

Funkhaus Kairo
In den 80er Jahren vom ägyptischen Rundfunk ERTU verschicktes Foto des Funkhauses in Kairo.

Ein Teil dieser massiven Mängel entsteht bereits im Funkhaus. Davon konnte man sich im Falle der deutschen Sendung zeitweise in einem Livestream überzeugen, der allerdings wieder abgeschaltet zu sein scheint.

Eingerichtet wurde er, als die Übertragungen auf Kurzwelle von 2018 bis 2021 schon einmal eingestellt waren. Zu ihrer nochmaligen Aufnahme kam es möglicherweise nur, weil der ägyptische Rundfunk ERTU ohnehin eine Auflage hat, im 31-Meterband weiter sendebereit zu bleiben.

Dabei geht es um Sendungen zur Agentenführung des Auslandsgeheimdienstes. Näher beschrieben ist das (in ausgeprägtem Szenejargon) in einem Bulletin von 2016 ab Seite 9. Dort auch noch abgebildet ist die zweite, inzwischen abgerissene Kurzwellenanlage von ERTU, Abu Zabal.

Die Sprachnachrichten wurden in ungewöhnlicher Weise nicht synthetisiert, sondern von einer Person gesprochen. Es gab sie auch in einer Präsentationsvariante „für Fans von Jean-Michel Jarre“ sowie auf Arabisch.

Wenn bei Stichproben in den letzten Jahren diese Sendungen noch angetroffen werden konnten, enthielten sie allerdings keine Durchsagen mehr, sondern waren reine Musiktests.

Vorbei ist es hingegen mit Sawt al-Arab, der 1953 gegründeten „Stimme der Araber“. In der Ära Nasser hatte sie einen heute kaum noch vorstellbaren Erfolg. Seinerzeit war an solche Konkurrenz wie das bis 2019 aus Zypern ausgestrahlte Nahost-Programm von Radio Monte Carlo noch nicht zu denken.

In den letzten Jahrzehnten dümpelte das einstige Flaggschiff jedoch nur noch vor sich hin. Das mündete im Frühjahr 2021 schließlich in seine Einstellung. Die Mittelwellenfrequenz des Programms, 621 kHz, wurde stillgelegt.

Zugleich entfielen auch das spezielle Palästina-Programm sowie die Sendungen in hebräischer Sprache. Die dafür genutzte Frequenz 1008 kHz betreibt ERTU jetzt noch mit geringerer Leistung für Inlandsprogramme, wie sie unter anderem auch auf 711, 819, 864, 1071, 1161 und 1341 kHz laufen.

Von den ägyptischen Auslandsprogrammen auf Mittelwelle existiert damit nur noch Al-Sharq Al-Awsat, das „Nahost-Radio“. Gegründet wurde es 1964, um gleich selbst eine gefälligere Alternative zur steif-dogmatischen Sawt al-Arab anzubieten und damit auch Werbeeinnahmen abzugreifen.

Ausgestrahlt wird dieses Programm auf 774 kHz. Der Sender befindet sich in einem Komplex mit den noch verbliebenen Kurzwellenanlagen bei Alexandria. In Frequenztabellen erscheint der Standort unter der Bezeichnung Abis.

Über den Erhaltungszustand der Mittelwellentechnik von ERTU ist nichts bekannt. Damit ist es auch zwecklos, dafür irgendwelche Kilowattzahlen zu nennen.

Auf jeden Fall sind Kilowattzahlen und Erhaltungszustand besser als im benachbarten Libyen: Dort gibt es keinen AM-Rundfunk mehr, und zumindest in Tripolis sind die Sendeanlagen inzwischen von der Bildfläche verschwunden.

Auch beim östlichen Nachbarn Israel hat die Mittelwelle mittlerweile ihr Ende gefunden.

 

Beitrag von Kai Ludwig mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 16.12.2022