Kurzwelle

BBC aus Singapur

Die Hörfunk-Auslandssendungen der BBC laufen nach wie vor auch über eine Kurzwellenstation in Singapur. Ein Blick auf den Sendeplan wirft inzwischen allerdings die Frage auf, wie lange das noch so sein wird.

BBC-Sender Singapur
Die Sendestation der BBC in Singapur | © Encompass

Ihren Sendebetrieb in Südostasien begann die BBC ursprünglich 1951 auf dem Gebiet des heutigen Malaysia, und zwar in Tebrau, wenige Kilometer nördlich von Singapur. 1971 wurde die dortige Sendestation maßgeblich ausgebaut und verstärkt.

Kurz danach war Malaysia jedoch nicht mehr bereit, die Sendelizenz der BBC noch weiter zu verlängern. Das zwang dazu, die Anlagen schrittweise von 1977 bis 1979 nach Singapur umzusetzen.

Somit blieb es bis heute beim Einsatz der 50 Jahre alten Geräte aus Tebrau. Einzige Ausnahme ist ein 2009 beschaffter Sender, der zunächst in Skelton bei Penrith aufgebaut und, nachdem der Sendebetrieb dort 2013 sein Ende fand, nach Singapur umgesetzt wurde.

Ein erheblicher Teil der einst von der BBC auf Kurzwelle ausgestrahlten Sendungen ist bereits entfallen. Nur noch Erinnerung ist damit auch das „Singapur-Echo“. Es erschien oft am Abend auf 6195 kHz, wenn die Frequenz sowohl für Europa mit Sendern gleicher Bauart in Skelton als auch, mit Satellitenzuspielung und entsprechender Verzögerung, in Singapur in Betrieb war.

Beim Blick auf den Restsendeplan des Sommers 2021 stellt sich mittlerweile die Frage, ob der Betrieb dieser veralteten Anlagen überhaupt noch wirtschaftlich ist:

00.00-02.00 Uhr: 3915, 3960, 5890, 6195 kHz; Englisch
02.00-02.30 Uhr: 7465, 11700 kHz; Burmesisch
03.00-04.00 Uhr: 11995 kHz; Englisch
10.00-11.00 Uhr: 15620 kHz; Digitalsignal
12.00-14.00 Uhr: 6195, 9410, 11945 kHz; Englisch
14.00-15.00 Uhr: 15145 kHz; Englisch
15.00-16.00 Uhr: 12065 kHz; Englisch
15.30-16.00 Uhr: 9510 kHz; Bengalisch
15.30-16.00 Uhr: 9585 kHz; Burmesisch
15.30-16.30 Uhr: 5890 kHz; Digitalsignal
15.30-21.00 Uhr: 7465 kHz; Burmes., Dari, Paschtun.
16.00-21.00 Uhr: 9900 kHz; Dari, Paschtunisch
17.00-21.00 Uhr: 7485 kHz; Englisch
17.30-20.30 Uhr: 7355 kHz; Koreanisch
18.30-19.00 Uhr: 9445 kHz; Bengalisch

Seit der Privatisierung des Kurzwellennetzes der BBC wurden die Sender in Singapur zusätzlich an andere Programmveranstalter vermarktet, darunter bis 2012 auch die Deutsche Welle. Mit diesem Geschäft ist es nun vorbei: Im März 2021 hat sich NHK World als letzter Drittnutzer zurückgezogen.

Unmittelbar neben dem Standort der BBC befand sich außerdem die Kurzwellenstation der Rundfunkgesellschaft von Singapur. Sie wurde 2008 abgeschaltet, verbunden mit der völligen Einstellung von Radio Singapore International, das dafür bekannt war, anderenorts kaum beachtete Themen aufzugreifen.

Bei der Abwicklung war man sehr eilig: Als die BBC ein Angebot zur Übernahme der modernen, erst 1992 bei einer umfassenden Modernisierung installierten Sender unterbreitete, waren sie bereits für einen deutlich geringeren Schrotterlös zerstört worden.

Singapur und Malaysia
© Sammlung University of Texas

Etwas anders stehen die Dinge in Malaysia, auch wenn die „Stimme Malaysias“ 2011 ebenfalls sang- und klanglos verschwand. Seit 2016 werden auch keine Inlandsprogramme aus Kuala Lumpur mehr auf Kurzwelle ausgestrahlt.

Trotzdem ist die Kurzwellenstation Kajang bei Kuala Lumpur auch heute noch aktiv. Zwei Sender übertragen dort Programme aus dem Funkhaus Kuching (Borneo): Sarawak FM auf 9835 kHz und Wai FM auf 11665 kHz.

Empfangsversuche in Mitteleuropa lohnen sich im Herbst und Winter vor dem Eintritt der nächtlichen Sendepause um 18.00 Uhr MESZ / 17.00 Uhr MEZ.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 17.07.2021