Malaysia - Gründerin von Radio Free Sarawak zu Haft verurteilt

Sarawak Report
Bildschirmfoto vom 12.02.2024 | © sarawakreport.org

Bei diesem Thema gibt es eine Verbindung zum Medium Hörfunk: Eine Schwägerin des früheren britischen Premierministers Gordon Brown, als solche die Tochter des einstigen Leiters einer „Sonderabteilung“ der Kolonialverwaltung im heutigen Malaysia, ist dort zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt worden.

Hintergrund sind die Publikationen von Clare Brown über den Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Dessen Ausmaß ist mit der Veruntreuung von vermutlich 4,5 Milliarden US-Dollar ohne Beispiel.

Zur Last gelegt wird Clare Brown die „kriminelle Diffamierung“ der früheren malaysischen Königin. Brown hat die Vorwürfe zurückgewiesen und spricht von einem „bösartigen, politisch motivierten Urteil“. In konkrete Schwierigkeiten könnte sie kommen, falls es Malaysia diesmal gelingen sollte, einen internationalen Haftbefehl zu erwirken.

Borneo mit Sarawak und Sabah
© Sammlung University of Texas

Vor der Aufdeckung des 1MDB-Skandals begann die publizistische Tätigkeit von Clare Brown mit dem Blick auf Sarawak, den malaysischen Bundesstaat im Nordwesten von Borneo. Heute findet diese Arbeit mit der Plattform Sarawak Report statt.

Angefangen hat es 2010 mit Hörfunksendungen auf Kurzwelle. Bekannt machte das zunächst die Organisation von Bruno Manser, einem Schweizer Naturschützer, der gegen die Zerstörung der Wälder in Sarawak kämpfte und dort im Jahre 2000 spurlos verschwand.

2011 bestellten die malaysischen Behörden bei einem Berater in Belgien die Störung dieses Radio Free Sarawak mit einem Musikband. Die russischen Partner des Beraters nahmen dafür gern 200 Dollar pro Stunde, hatten aber doch Skrupel und ließen sich nur auf die Belegung einer unmittelbar benachbarten Frequenz ein.

2014 kam es erneut zu Störsendungen gegen Radio Free Sarawak (in dieser Aufnahme ist bei 2'25 die Einschaltung zu hören). Der malaysische Rundfunk RTM dementierte die Vermutung, diesmal strahle er aus seiner Kurzwellenstation bei Kuala Lumpur das Störsignal ab.

Sarawak Report schrieb dazu von Störsendern, die „in Sarawak selbst“ installiert seien. Das ist allerdings nicht sehr plausibel; sofern es nicht um lokale Aktivitäten geht, wäre Kuala Lumpur der wesentlich effektivere Standort gewesen. Ansonsten kam der Beitrag ausführlich auf die vorherige Störaktion zurück.

Besonders geschickt war 2014 die Wahl eines unverfänglichen Geräuschs. Inhaber eines Vimeo-Kontos dürften hier sehen können, wie eine Journalistin von Al Jazeera die Sabotierung nicht aufgedeckt und arglos von „schlechtem Empfang“ gesprochen hat. Al Jazeera sah sich 2020 selbst mit Repressalien der malaysischen Behörden konfrontiert.

Unter Verweis auf die Störsendungen stellte Radio Free Sarawak seine Ausstrahlungen zunächst ein. Es steht dahin, ob das die ganze Wahrheit ist. Da es sich nicht um die erste Unterbrechung handelte, dachten Beobachter auch an die nicht unerheblichen Sendekosten, die aufzubringen waren.

Eine vorletzte Sendeserie lief von 2015 bis 2016. Unter verändertem Namen („Radio Nyawa Sarawak“) gab es 2020 die letzten Aktivitäten.

Noch ein Blick auf die technischen Details, da das zugleich ein Blick in die weitere Rundfunkgeschichte ist. Abgesehen von eher kurzzeitigen Arrangements, von denen einige auch reine Gerüchte gewesen sein könnten, gab es für Radio Free Sarawak vor allem zwei Sendestandorte.

Angefangen wurde auf der Kurzwellenstation im pazifischen Inselstaat Palau. Sie gehörte seinerzeit zum Sendernetz von World Harvest Radio, das den Standort 2019 aufgab und 2021 ganz geschlossen wurde.

Danach kam die Station in die Hände von Baptisten – jene Konfession, die gerade mit verstörenden Bildern auffiel. Das sehr bescheidene Sendevolumen ihres „Hope Radio“ ist bis heute nur wenig ausgebaut worden. Derzeit

auf 9930 kHz montags von 9.35 bis 10.05 und dienstags bis freitags von 9.50 bis 11.05 Uhr,

auf 9965 kHz arbeitstags von 9.00 bis 10.05, sonnabends von 9.40 bis 11.05 und sonntags von 9.10 bis 12.50 Uhr sowie

auf 15680 kHz sonnabends von 2.10 bis 3.35 und sonntags von 2.10 bis 4.30 Uhr.

Später konzentrierte sich Radio Free Sarawak auf die Nutzung der Sender von Radio Veritas Asia, einer katholischen Station in den Philippinen. Eingeweiht wurde diese Kurzwellenanlage einst vom Kölner Kardinal Joseph Höffner, der sich wie sein Nachfolger Joachim Meisner in die Vertuschung von Fällen sexuellen Missbrauchs verstrickte.

Die letzte Sendeserie des Brown-Radios kam aus Usbekistan, denn 2018 hat Radio Veritas Asia den Kurzwellenbetrieb eingestellt. Inzwischen ist die Sendeanlage abgerissen. Die Programmarbeit blieb davon ebenso unberührt wie von einem bizarren, im vergangenen Jahr ausgebrochenen Streit zwischen den Bischöfen von Rangun und Manila.

 

Beitrag von Kai Ludwig; Stand vom 18.02.2024