Thriller

Darkroom – Tödliche Tropfen

Bozidar Kocevski in Darkroom - Tödliche Tropfen
Bozidar Kocevski in Darkroom - Tödliche Tropfen | © missingFilms

Der Fall schockierte im Sommer 2012 Berlin. Ein ehemaliger Krankenpfleger, im Film heißt er Lars, brachte in Schwulensaunas und Darkrooms in nur drei Wochen drei Männer mit K.-o.-Tropfen um, beraubte sie, später tötete er sich selbst im Gefängnis.

Rosa von Praunheim hält sich in seinem Spielfilm sehr genau an die damals ausführlich berichteten Fakten. Lars liegt festgebunden in einem Krankenhaus-Bett, von hier aus springt der Film in die Rückblenden seines Lebens, eine traurige Kindheit bei der lieblosen, übergriffigen Großmutter, erste Liebe, erste Gewalterfahrung.

Wie in seinem Film „Härte“ zeichnet Praunheim das Bild eines Täters, liefert die Bausteine zur Biografie, zeigt aber auch, wie rätselhaft dieser Mann im Grunde ist. Über Motive kann man nur spekulieren. Der Regisseur kann sich dabei auf zwei großartige, junge Darsteller stützen: Bozidar Kocevski als Lars und Heiner Bombard als sein nichtsahnender Freund Roland. (Beide sind auch in Rosa von Praunheims autobiografischer Show „Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht“ im Deutschen Theater in Berlin zu sehen.)

Die Verhandlungen im Gericht sind - im Gegensatz zu den sehr sensibel inszenierten und gespielten Szenen zwischen den Männern - auf irritierende Weise krass überzeichnet. Die Beamten wirken fast monströs, vermutlich, weil der Regisseur hier ausnahmsweise die Perspektive des Angeklagten einnimmt, der sonst in diesem spannenden, realistischen Film ein stets lächelnder Unnahbarer bleibt.

Kritiker: Knut Elstermann

annehmbar

Regie: Rosa von Praunheim
Darsteller: Bozidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer
Erscheinungsjahr: 2020
Herkunftsland: Deutschland