Am 31. Januar 2022

Mittelwelle Rimavská Sobota endet

Für die Einstellung des Mittelwellenbetriebs auf der slowakischen Sendestation Rimavská Sobota gibt es nun einen konkreten Termin: Die Ausstrahlung auf 1521 kHz endet am 31. Januar.

Sender Rimavská Sobota
Sendestation bei Rimavská Sobota; links neben dem Technikgebäude der Mittelwellenmast | © László Szeder, CC

Wie weiter gemeldet wird, sollen die Übertragungen des slowakischen Rundfunks RTVS auf den beiden anderen verbliebenen Mittelwellen, 702 und 1098 kHz, wie geplant bis zum Ende des Jahres aufrechterhalten bleiben.

Zur Sendestation Rimavská Sobota gibt es eine Seite des Betreibers Towercom mit Fotos der Kurzwellenantennen sowjetischer Bauart sowie einigen Angaben zu der am Standort vorhandenen Mittelwellentechnik.

Sie wurde demnach 1983 von der tschechischen Firma Tesla vollständig erneuert. Zum Aufbau kamen ein 102 Meter hoher Mast und zwei Doppelsenderanlagen für Ausstrahlungen mit 50 bzw. 20 kW. Bis zum Beginn des schrittweisen Abbaus der Mittelwellenversorgung liefen sie in Gleichwellennetzen auf 1017 bzw. 567 kHz.

Unklar bleibt die Erwähnung von drei Frequenzen, deren Ausstrahlung über eine Antenne seinerzeit ein Novum in Europa gewesen sei. Sollte es zu Zeiten der Tschechoslowakei tatsächlich diesen dritten Sender gegeben haben, dann könnte man damit dem Sender Freies Berlin um fünf Jahre zuvorgekommen sein.

Auf dessen inzwischen spurlos verschwundener Mittelwellenstation in der Stallupöner Allee war es (ebenfalls) möglich, die Frequenzen 567, 810 und 1449 kHz zusammen über einen Mast abzustrahlen. Ein entsprechender Umbau der Antennenanlage soll 1988 realisiert worden sein.

Lieferungen von Tesla-Mittelwellentechnik wiederum gab es in den 80er Jahren auch in die DDR. Mit Sicherheit bekannt ist hier der Neubau von rund 30 Kleinsendern (1485, 1584, 1602 kHz) sowie der Ersatz eines sehr alten, ursprünglich 1933 in Berlin-Tegel in Betrieb genommenen Senders in Königs Wusterhausen (603 kHz, 40 kW).

Noch nachzugehen wäre der Frage, was sich hinter „Neubrandenburg“ (im Gleichwellenbetrieb mit Burg bei Magdeburg auf 657 kHz) verbarg. Gerüchte wollen vom UKW/Fernsehsender Helpterberg wissen, und zwar einer Senderanlage der auch in Königs Wusterhausen installierten Bauart sowie einer unscheinbaren, zwischen den Bäumen kaum zu sehen gewesenen Flächenantenne.

Die Standortbezeichnung rührte aus dem in den 70er Jahren verfolgten Plan, im Raum Neubrandenburg eine Hochleistungsanlage für Tagbetrieb mit 2000 kW auf 657 kHz und Nachtbetrieb mit 1000 kW auf 1575 kHz aufzubauen.

Das scheiterte ebenso an den ökonomischen Realitäten wie der Aufbau neuer Sendetechnik mit 1000 kW in Wilsdruff. Eine solche Sendeanlage entstand lediglich, als einziges tatsächlich realisiertes Projekt der ganzen Mittelwellenwünsche des Rundfunks der DDR, für die Frequenz 783 kHz in Burg.

Stand vom 16.01.2022



In der Vergangenheit wurde auf 1521 kHz das Programm Československo (bis 1989: Hvězda) mit hoher Leistung aus Čižatice bei Košice abgestrahlt. Mit der Auflösung des tschechoslowakischen Föderalstaats erübrigte sich das.

Danach gab es auf 1521 kHz noch Übernahmen von der BBC. Diese Ausstrahlungen mit geringer Leistung sind kaum dokumentiert, da sie schon nach kurzer Zeit wieder verschwanden.

Am 1. November 2017 ging die Mittelwelle 1521 kHz noch einmal in Betrieb, nun mit 10 kW auf der Station Rimavská Sobota. Das hatte einen politischen Grund: Die Absicherung des terrestrischen Empfangs eines Programms in ungarischer Sprache.

Dessen Zielgruppe schrumpft stetig, ist jedoch immer noch von beachtlicher Größe. In der Slowakei leben rund 450.000 ethnische Ungarn, was immerhin reichlich acht Prozent der Bevölkerung sind. In den Regionen entlang der slowakisch-ungarischen Grenze stellen Ungarn die Mehrheit der dortigen Einwohner.

Für dieses Publikum produziert RTVS das täglich von 6.00 bis 18.00 Uhr sendende Radio Pátria. Im Gegensatz zu den Sendungen in anderen Minderheitensprachen kommt dieses Programm nicht aus Košice, sondern aus dem Funkhaus Bratislava.

Einen Versuch, Radio Pátria auf UKW zu bringen, gab es erst 2009 im Zuge eines ersten Anlaufs zum völligen Rückzug von der Mittelwelle. Das damalige Konzept sah so aus, Radio Pátria auf vier Frequenzen von Rádio Devín und drei Frequenzen von Rádio FM aufzuschalten.

Das führte jedoch zu massiver Kritik von allen Seiten. Einerseits war so die UKW-Verbreitung des Kultur- und des Jugendprogramms beschnitten, andererseits konnte Radio Pátria terrestrisch nur noch in den Hauptsiedlungsgebieten der Ungarn empfangen werden.

Dadurch sah sich der Slowakische Rundfunk gezwungen, dieses Konzept nach drei Monaten aufzugeben und doch noch einmal einen Ausstrahlungsvertrag für die Mittelwelle abzuschließen.

Schon im ersten Schritt reaktiviert wurden dabei die beiden slowakischen Hauptmittelwellen, allerdings nur noch mit einem Bruchteil der früheren Leistungen. Die Frequenz 702 kHz kommt noch mit 5 kW aus Čižatice, die Frequenz 1098 kHz nach einer nochmaligen Verstärkung mit immerhin 25 kW vom Sender Nitra/Jarok.

Dabei bleiben die Sender jetzt rund um die Uhr eingeschaltet. Außerhalb der Sendezeit von Rádio Patria übertragen sie Rádio Devín, wobei auch die Minderheitensendungen aus Košice hier eingestreut werden sollen. Einzelheiten hält RTVS regelrecht versteckt.

Falls es nicht auch hier zu einer vorzeitigen Abkündigung kommt, läuft der Sendevertrag für die Mittelwellen 702 und 1098 kHz noch bis zum 31. Dezember 2022.

 

Autor: Kai Ludwig