1143 kHz - Mittelwelle: Radio Rossii aus Kaliningrad

Sender Bolschakowo
Die einst für Auslandssendungen genutzten Antennensysteme in Bolschakowo | © RTRS

Im April hatte (Erläuterungen zu den Hintergründen erübrigen sich) Radio Rossii seine 2015 eingestellten Übertragungen auf Mittelwelle über einen Sender im Ausland wieder aufgenommen. Dazu soll in Kürze nun noch eine Ausstrahlung aus der Russischen Föderation selbst kommen.

Vorgesehen ist die Frequenz 1143 kHz aus Bolschakowo (Groß Skaisgirren) im Gebiet Kaliningrad. Dort gibt es seit den 70er Jahren eine Sendeanlage mit Senderblöcken, die Trägerleistungen bis zu 2500 kW (kein Schreibfehler) erzeugen konnten. Für Auslandssendungen nach Mittel- und Westeuropa erhielt die Station Richtantennen mit jeweils acht Masten.

Was diesmal geplant ist, bleibt deutlich bescheidener: Eine Ausstrahlung über einen einzelnen Mast mit 150 kW. Bis Anfang 2014 war dieser Sender auf 171 kHz in die letzten Reste der Langwellenverbreitung von Radio Rossii eingebunden.

Nun gibt es auf 1143 kHz seit dem 13. Oktober tagsüber vorbereitende Tests. Ein regulärer, dann rund um die Uhr laufender Betrieb soll beginnen, wenn der Sender nach acht Jahren Stillstand wieder hergerichtet und eingemessen ist.

Eine Selbstverständlichkeit ist diese überhaupt noch bestehende Möglichkeit nicht. Kurz nach dem 24. Februar aufgekommene Spekulationen über eine Reaktivierung des Mittelwellen-Großsenders Wolgograd haben sich mit einem Video vom Juli in Nichts aufgelöst.

Mit nochmaligen Auslandssendungen auf Mittel- oder gar Kurzwelle war ohnehin nicht zu rechnen, nachdem 2014 die Stimme Russlands abgewickelt wurde. Seinerzeit waren alle Bedenken vom Tisch gefegt worden, auch jene, die es bereits formulierten: „Und was ist, wenn es zum Krieg kommt?“

Nichts mehr von AM-Sendungen wissen wollte insbesondere die RT-Chefin Margarita Simonjan, die gerade damit, ein Ende der Lügen zu fordern, für Verwunderung sorgte.

Bei Simonjan stellt sich die Frage, ob sie nicht zum Kreis der Eingeweihten gehörte. Einen solchen Verdacht erregen aus heutiger Sicht die 2021 vorgenommenen Veränderungen, bei denen das bis dahin bekannte „RT Deutsch“ einem neuen Konzept zu weichen hatte.

Der abgelöste Leiter dieser Redaktion in Berlin, Iwan Rodjonow, gründete anschließend die Firma „Infrarotmedien“. Den Verdacht, damit als Strohmann zu agieren, teilt er mit der US-amerikanischen Publizistin Anissa Naouai, die sich inzwischen in den Hintergrund zurückgezogen hat.

In keinem Fall brauchen einstige Mitwirkende noch damit zu rechnen, ihre Beiträge für RT vorgehalten zu bekommen, da Youtube alle Spuren beseitigt hat. In den USA wurde durchaus Kritik an dieser umfassenden Löschaktion laut.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.10.2022