234 kHz

Stromsparen bei der RTL-Langwelle

Als letztes Hörfunkangebot für Frankreich wird das Pariser RTL-Radio noch immer auf Langwelle ausgestrahlt. Dabei ist RTL jedoch nicht mehr bereit, den erheblichen Anstieg der Strompreise auszugleichen. Das zwingt die luxemburgische Techniktochter nun zu Kompensationsmaßnamen.

Sender Beidweiler
Langwellenantenne Beidweiler; links weit hinten der alte Sender Junglinster | © Jwh, CC

Der Sender bleibt seit kurzem nachts für vier bis fünf Stunden ausgeschaltet.

Darüber hinaus wird von einer Reduzierung der Sendeleistung gesprochen. Unklar ist dabei, ob das nur die bereits etablierte und bekannte Betriebsweise mit 750 kW tagsüber und 375 kW nachts meint oder nun eine noch weitere Absenkung wirksam ist.

Die auf 234 kHz aktive Sendeanlage Beidweiler mit ihren drei jeweils 290 Meter hohen Masten stammt aus dem Jahr 1972. Ihre ursprünglichen Sender wurden 1994 ersetzt. Seit einer nochmaligen, 2011 realisierten Modernisierung sind hier nun Senderblöcke der Bauart TRAM (Hersteller ehemals Transradio Berlin) für 1500 kW installiert.

Beidweiler ist die letzte mit französischem Programm bespielte Langwelle. Die Ausstrahlungen von RMC auf 216 kHz und des neuerdings als Plattform des „polémiste d’extrême droite“ Eric Zemmour auffallenden Europe 1 auf 183 kHz endeten im März 2020 bzw. zum Ende des Jahres 2019. Letztere lief über eine Sendeanlage im Saarland, die im Oktober 2020 abgerissen wurde.

Bereits mit Ablauf des Jahres 2016 entfiel die Übertragung von France Inter auf 162 kHz. Als Folge einer einstigen Entscheidung, diese Rundfunkfrequenz für den französischen Zeitdienst mitzunutzen, wird mit der Sendeanlage beim zentralfranzösischen Allois jedoch bis heute auf Staatskosten Stille ausgestrahlt.

Stand vom 18.03.2022

Sender Junglinster
Junglinster: Zwei der drei Langwellentürme, dazwischen der kleine Kreuzdipol für die Kurzwelle 6090 kHz | © allispossible.org.uk, CC-NC

Die Anlage Beidweiler hatte auf Langwelle die traditionelle, wenige Kilometer entfernte Sendestation Junglinster abgelöst. Neben einer als Reserve weiter vorgehaltenen Langwellenanlage gab es hier ab 1972 eine 500 kW starke Telefunken-Kurzwellenanlage für das deutschsprachige Radio Luxemburg.

In der DDR erfreute sich das auf 6090 kHz abgestrahlte Gute-Laune-Schlagerformat bis weit in die 80er Jahre größerer Popularität. Unverkennbar war das stets präsente Schwebungspfeifen, mit dem der nur 5 kHz tiefer sendende Bayerische Rundfunk das Signal aus Junglinster „verzierte“.

Zum Ende des Jahres 1991 entfiel diese Übertragung. Danach gab es für drei Jahre einen Parallelbetrieb mit der Langwelle 234 kHz, bis die Kurzwellenanlage Ende 1994 zunächst abgeschaltet wurde.

2003 wurde sie noch einmal aktiviert, nun für einen ambitionierten Versuch, den AM-Bändern mit digitalen Ausstrahlungen wieder zu ihrer alten Bedeutung zu verhelfen. Nachdem diese Bemühungen nur sehr verhaltene Resonanz fanden, endete 2011 der Sendebetrieb in Junglinster sang- und klanglos.

Das deutschsprachige RTL-Programm aus Luxemburg seinerseits wurde 2015 ebenfalls eingestellt. An dessen Stelle trat, auch auf den UKW-Frequenzen in Luxemburg, eine Adaption des Berliner 104.6-Formats.

Bemerkenswert offen äußerte sich dazu Programmdirektor Arno Müller in der von ihm moderierten Morgensendung: „So toll und populär RTL-Radio über viele Jahre war, mit über zehn Millionen Zuhörern: in den letzten Jahren sind es doch ein paar weniger geworden.“ Dies habe „viele verschiedene Gründe“, über die er „jetzt gar nicht lange sprechen und nachdenken“ wolle.

Die „paar weniger“ beliefen sich zuletzt auf 600.000 pro Arbeitstag, entsprechend einem Marktanteil von 0,8 Prozent. Dabei wurden immer wieder Zweifel an diesen Daten laut und in erheblichem Umfang unterlaufene Verwechslungen mit 104.6 RTL bzw. den ebenfalls unter „RTL“ laufenden UKW-Programmen aus Dresden und Halle vermutet.

Sender Marnach
Deutschland-Antenne des Senders Marnach, abgerissen 2016 | © Legrande, CC

Mit Ablauf des Jahres 2015 wurde in Luxemburg dann auch die Mittelwelle 1440 kHz abgeschaltet. Die letzten Masten des Senders bei Marnach verschwanden im Februar 2016.

Damals formulierte der Chefingenieur des AM-Betriebs in Luxemburg, Eugène Muller, seine Beobachtung eines Trends bei der Ausgestaltung terrestrischer Rundfunkversorgungen. Er führt zu dem sich inzwischen abzeichnenden nächsten Trend, solche Rundfunktechniken generell obsolet erscheinen zu lassen:

„Es werden nur noch die Gebiete innerhalb der Staatsgrenzen bedient. Weitreichender Overspill darüber hinaus wie auf Mittelwelle, Langwelle und teils auch UKW scheint zunehmend unerwünscht zu sein.“

Ganz im Vordergrund stand in Marnach zuletzt die Nutzung der Frequenz durch China Radio International. Ab 2013 handelte es sich um ein ausschließlich für Deutschland bestimmtes Programm im Umfang von zehn Stunden pro Tag. Einen Ersatz für die Luxemburger Mittelwelle gab es dafür ab 2016 indes nicht mehr.

Im Gegenteil wurden 2019 auch die verbliebenen Ausstrahlungen auf Kurzwelle sowohl technisch (durch Aufgabe der Sendestation in Albanien) als auch inhaltlich weiter marginalisiert. Inzwischen dürfte die Lage bei China Radio International als schleichende Selbstabwicklung zu beschreiben sein.

 

Autor: Kai Ludwig