14 Stunden pro Woche

Letzte AM-Ausstrahlungen von Radio Monte Carlo

Fast vorbei ist es seit dem Frühjahr 2020 mit den AM-Ausstrahlungen von Radio Monte Carlo. Übrig sind jetzt noch einige spätabendliche Sendungen von Trans World Radio auf 1467 kHz, von denen wiederum ganze zweieinhalb Stunden pro Woche noch für Europa bestimmt sind.

Sender Roumoules
Sender Roumoules; von vorn nach hinten Hauptantenne 216 kHz, Reservemast 216 kHz, Antenne 1467 kHz | © Flieger-Lupo, CC

Voranzustellen ist hier zunächst eine Differenzierung: Es geht nur noch um den Bereich des Senderbetriebs, der heute als Monaco Media Diffusion mit einer Minderheitsbeteiligung von TDF geführt wird.

Mit der AM-Verbreitung von Radio Monte Carlo, jetzt nur noch kurz RMC, war es hingegen am 24. März 2020 vorbei. Seinerzeit entfiel die Ausstrahlung auf 216 kHz. Von den einst vier Langwellen mit französischem Programm ist damit nur noch die von RTL in Luxemburg übrig.

Von der Mittelwelle, auf der es ursprünglich 1943 gestartet war, hatte sich RMC schon 1996 zurückgezogen. Bis dahin lief auf 702 kHz noch ein italienisches Programm. Die Frequenz wurde anschließend von 2007 bis 2015 an China Radio International und zuvor an die unterschiedlichsten Veranstalter, darunter zeitweise auch die Deutsche Welle, vermietet.

Im Einsatz war hier die – seit 2016 nun ganz abgeschaltete – Sendeanlage Col de la Madone, etwa sieben Kilometer nördlich von Monaco auf einer Höhe von 1000 Meter. Hier hatte RMC ursprünglich 1965 seinen Langwellenbetrieb begonnen.

Diese Aufgabe übernahm 1974 die neue Station Roumoules. Damit wurde ein Standort erschlossen, der sich nicht in der schroffen Gebirgslandschaft hinter Monaco, sondern auf halbem Weg zwischen Monaco und Avignon befindet.

Hier entstanden drei jeweils 300 Meter hohe Masten, welche die Sendeenergie in Richtung des zentralen Frankreichs bündelten, sowie als Reserve ein vierter, 330 Meter hoher Mast. Das Sendesignal erzeugten ursprünglich zwei gekoppelte Senderblöcke von jeweils 1000 kW Leistung.

Ins Spiel kam schließlich auch noch Trans World Radio, dessen Programme RMC ab 1960 zunächst auf Kurzwelle, ab 1966 dann auch auf Mittelwelle übertrug. TWR wünschte die Möglichkeit, für die vom Col de la Madone betriebene Frequenz 1467 kHz eine leistungsfähigere Antenne zu nutzen.

Eine solche ging deshalb 1987 in Roumoules in Betrieb. Sie besteht aus fünf Masten, kann zwischen fünf Richtungen umgeschaltet und dabei mit einem 1000 kW starken Sender gespeist werden.

Diese Investition hatte TWR maßgeblich finanziert und sollte somit auch den exklusiven Zugriff auf die neue Technik erhalten. Von 2001 bis 2006 liefen hier dann aber auch Programme von Radio Vatikan, das seine eigene Mittelwelle nach robustem Einschreiten der italienischen Behörden nur noch mit geringer Leistung betreiben konnte.

2009 kam es zu einem wiederum von TWR bezahlten Umbau der Antenne. Die Abstrahlrichtung Südwest, die zuvor ein weiter Bogen von Großbritannien bis Ägypten war, ist jetzt mit stärkerer Bündelung auf Marokko, Algerien und Tunesien eingeengt.

Der 40. Geburtstag der Sendestation Roumoules wurde noch als ungetrübtes Fest gefeiert:

Kurz danach beendete TWR mit dem Entfall seiner Mittelwellensendung für Großbritannien schon einmal die Nutzung des Standorts für Europa. Die oben erwähnten zweieinhalb Stunden pro Woche kamen erst mit dem Beginn des Jahres 2017 noch einmal hinzu.

Dafür sorgte der Rückzug von TWR aus Albanien, mit dem auch das Schicksal der dortigen Mittelwellensender besiegelt war: Sie wurden am 15. April 2017 endgültig abgeschaltet. Die Sendestation bei Durrës ist inzwischen von der Bildfläche verschwunden.

Wohl erstmals überhaupt in Roumoules aufgeschaltet wurde damit die TWR-Sendung in Polnisch, die RMC zuvor nur auf Kurzwelle übertragen hatte. Erst der sensationelle Sendestart von TWR in Albanien brachte diese Produktionen 1992 auch auf die Mittelwelle.

Nun laufen sie an Arbeitstagen von 21.45 bis 22.15 Uhr auf 1467 kHz. Ansonsten kommen auf der Frequenz werktags von 22.15 bis 24.00 Uhr, sonntags nur von 22.45 bis 24.00 Uhr, Programme in Arabisch und der Berbersprache Kabylisch.

Senderöhren bei Radio Monte Carlo
Souvenir des ERF zu den Ausstrahlungen über die Kurzwellenanlage Fontbonne (1966 bis 2007)

Die Zusammenarbeit von RMC und TWR war über Jahrzehnte auch der einzige Verbreitungsweg des 1961 gestarteten Evangeliums-Rundfunks. Er belegte in der letzten vollen Ausprägung jeweils eine bis anderthalb Stunden am Tag auf Mittelwelle (morgens sowie abends) und Kurzwelle (tagsüber).

Auch für die Hochrüstung der ursprünglichen Station von RMC mit leistungsfähiger Kurzwellentechnik hatte TWR gesorgt. Installiert wurden zwei Sender mit jeweils 100 kW, zu denen sich 1981 noch ein weiterer mit 500 kW gesellte.

Ab 1996 war der ERF nicht mehr auf Ausstrahlungen aus dem Ausland angewiesen. Dafür sorgte neben der seinerzeit fast noch neuen Möglichkeit, überhaupt als Rundfunkveranstalter in Deutschland zugelassen zu werden, auch der Rückzug des Deutschlandfunks vom Mittelwellensender Mainflingen/Zellhausen.

Dieser Rückzug hatte seinen Hintergrund in der geringen Leistungsfähigkeit der Sendeanlage, die aus einem merkwürdig erscheinenden, gegenüber Außenstehenden nie erläuterten Teilrückbau im Jahre 1983 (Abbruch der Dipolantenne für den Nachtbetrieb) rührte.

Dem Problem wurde 2005/2006 mit umfangreichen Investitionen im Wertumfang von drei Millionen Euro abgeholfen. Anschließend beendete der ERF 2007 die Sendungen über RMC.

Wie sich bald erwies, hatte man das Geld jedoch in ein bereits sinkendes Schiff gesteckt. Schon 2009 kürzte der ERF die Sendezeit auf 1539 kHz auf nur noch sechs Stunden und schaltete die Frequenz zum Jahresende 2011 ganz ab. Die Sendeanlage wurde wenige Jahre später abgerissen.

2014 stellte der ERF dann auch noch sein eigenes Fernsehprogramm ein. Erst jetzt zeichnet sich dazu eine vorerst nicht konkret bestimmbare, gegenläufige Tendenz ab: Eine derzeit im Bau befindliche neue Zentrale des Senders erhält auch ein Fernsehstudio.

Die Weiterentwicklung zeigt sich außerdem gerade an einer anderen Stelle: Aus dem 2009 als „ERF Pop“ gestarteten zweiten Hörfunkprogramm wurde die neue Plattform ERF Jess.

Steilstrahlantenne Mainflingen
War nur fünf Jahre in Betrieb: Für den ERF neu gebaute Nachtbetriebsantenne 1539 kHz

Nur noch Erinnerung ist inzwischen auch die ursprüngliche RMC-Sendestation Fontbonne. Mit dem immer weiteren Rückzug von TWR aus der Kurzwellenverbreitung war 2011 die Nutzung des Standorts auf 17,5 Frequenzstunden pro Woche abgesunken.

Damit war hier der Punkt erreicht, an dem sich die Anlagen nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Die Vorgängerfirma der heutigen Monaco Media Diffusion kündigte TWR deshalb den Standort. Die Technik wurde 2012 demontiert.

Das führte unmittelbar zum Ende der Kurzwellenverbreitung bei den TWR-Sendungen in Tschechisch, Serbisch und Rumänisch. Den beiden letztgenannten verblieben noch ihre Sendeplätze im TWR-Programmblock auf der Mittelwelle 1548 kHz in Pridnestrowje (derzeit 22.00-22.30 bzw. 20.45-21.15 Uhr).

Für die übrigen betroffenen Produktionen mietete TWR noch Sendezeit bei Media Broadcast und Österreichischer Rundfunksender GmbH. Die englische Sendung aus Nauen entfiel dann 2015 zusammen mit der Ausstrahlung über den Sender Roumoules.

2016 beendete TWR die Nutzung der Kurzwelle in Europa schließlich ganz. Zuletzt verblieben waren hier die bereits erwähnte polnische Sendung sowie Ungarisch und Russisch.

Davon wurde Ungarisch nach dem Ende der Ausstrahlungen aus Albanien ebenfalls mit auf 1548 kHz eingereiht (21.15 bis 21.40/22.00 Uhr). Russisch sowie Weißrussisch und Ukrainisch werden, nachdem TWR auch die Mittelwellensendungen aus Estland beendet hat, jetzt noch zwischen 19.30 und 21.00 Uhr aus Grigoriopol auf 999 kHz übertragen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 26.12.2021