216 kHz

RMC nicht mehr auf Langwelle

Mit Ablauf des 27. März 2020, genau um 24.00 Uhr, wurde die Ausstrahlung von RMC auf der Langwelle 216 kHz eingestellt. Offenbar endete zu diesem Zeitpunkt die Gültigkeit des Ausstrahlungsvertrags. Eine Kommunikation des Programmveranstalters zu diesem Thema ist nicht wahrzunehmen.

Sender Roumoules
Sender Roumoules; von vorn nach hinten Hauptantenne 216 kHz, Reservemast 216 kHz, Antenne 1467 kHz | © Flieger-Lupo, CC

Im Vorfeld bekannt wurden die Pläne von RMC, den Verbreitungsweg Langwelle aufzugeben, nur durch eine Notiz des Wirtschaftsmagazin „Challenges“. Das Blatt bezifferte die Einsparungen, welche RMC durch diesen Schritt erzielt, auf sechs Millionen Euro pro Jahr.

Einige französische Beobachter mochten das nicht glauben und meinten, bei dieser Angabe müsse eine Null gestrichen werden. Dazu kann zur Einordnung eine konkrete Zahl genannt werden, die aus erster Hand stammt: Der Preis für einen täglich 17 Stunden an einer einfachen Antenne betriebenen, 200 kW starken Langwellensender.

Hier geht es um Radio Wolga, den Rundfunksender der Westgruppe der russischen Streitkräfte (WGT), und dessen Ausstrahlung aus Burg bei Magdeburg. Mit Stand 1994 hatte die WGT dafür pro Monat 80.000 DM zu zahlen. Unter heutigen Verhältnissen, also inflationsbereinigt, wären das 58.000 Euro im Monat bzw. 700.000 Euro im Jahr.

Nach dem Abzug der WGT wurden die Langwellensendungen aus Burg noch bis 2000 von Radioropa fortgesetzt. Seit 2015 ist die Frequenz 261 kHz, die hier genutzt wurde, nun als erster Rundfunkkanal völlig leer, nachdem auch die Langwellensendungen aus Taldom bei Moskau sowie aus Bulgarien entfallen sind.

Zweiter weltweit leerer Kanal ist seit dem Jahreswechsel 180 kHz, aus Deutschland über Jahrzehnte von zwei Sendern im Frequenzoffset auf 177 und 183 kHz genutzt. Hier hatte sich Europe 1 am Silvesterabend ähnlich still und leise „aus dem Staub gemacht“ wie jetzt RMC.

Nun ist mit 216 kHz bereits der dritte Langwellenkanal völlig leer. Auch hier waren die Nutzungen im postsowjetischen Raum bis 2014 entfallen. Der einst ebenfalls auf dieser Frequenz betriebene Langwellensender bei Oslo ist schon 1995 abgeschaltet und kurz danach abgerissen worden.

Mit Informationen von Alexander Busneag; Stand vom 31.03.2020



Radio Monte Carlo hatte ab 1943 zunächst auf Mittelwelle gesendet. Die Ausstrahlungen auf Langwelle begannen 1965 von der neuen Sendestation Col de la Madone, etwa sieben Kilometer nördlich von Monaco auf einer Höhe von 1000 Meter.

1974 nahm RMC für die Langwelle eine leistungsfähigere Anlage in Betrieb. Ihren Platz fand sie nicht in der schroffen Gebirgslandschaft hinter Monaco, sondern bei der Ortschaft Roumoules, auf halbem Weg zwischen Monaco und Avignon.

Aufgebaut wurden hier drei jeweils 300 Meter hohe Masten, welche die Sendeenergie in Richtung des zentralen Frankreichs bündeln, sowie als Reserve ein vierter, 330 Meter hoher Mast. Das Sendesignal erzeugten zwei gekoppelte Senderblöcke von jeweils 1000 kW Leistung.

Die Langwellenstation auf dem Col de la Madone wurde anschließend zu einer Mittelwellenanlage umgebaut. Danach konnten die beiden dortigen, jeweils 600 kW starken Sender entweder einzeln auf den Frequenzen 702 und 1467 kHz oder als Block mit 1200 kW auf 1467 kHz arbeiten.

Die so erschlossene zweite Mittelwellenfrequenz übertrug von 1974 bis 1996 ein italienisches Programm von RMC. Später kam es zu Ausstrahlungen der unterschiedlichsten externen Veranstalter, darunter zeitweise auch die Deutsche Welle. Letzter Nutzer war von 2007 bis 2015 China Radio International.

Auf 1467 kHz gab es vom Col de la Madone ab 1987 nur noch einen Tagbetrieb mit geringer Leistung (40 kW) zur Versorgung der Region. Letzter Sendekunde war hier von 2007 bis 2016 das katholische Radio Maria France.

Mit hoher Leistung übertrug RMC auf 1467 kHz hingegen in den Morgen- und Abendstunden die Europaprogramme von Trans World Radio, darunter bis 2007 die deutschsprachigen Sendungen des Evangeliums-Rundfunks in Wetzlar.

Der Wunsch von TWR, das Sendesignal in den einzelnen Zielgebieten durch den Einsatz einer auf fünf unterschiedliche Diagramme umschaltbaren Antenne zu verstärken, führte 1987 auch hier zum Umzug nach Roumoules. Dort entstand ein Arrangement aus fünf jeweils 100 Meter hohen Masten.

Das Sendesignal erzeugte ein vierter, wieder 1000 kW starker Thomson-Sender. Er ergänzte die mittlerweile drei Sender für die Langwelle, von denen einer als Reserve bestimmt war.

Nach damaligen Darstellungen sollte diese neue Mittelwellentechnik exklusiv TWR vorbehalten bleiben. Wie sich später zeigte, war dem aber doch nicht so: Von 2001 bis 2006 liefen auf 1467 kHz in den Abendstunden auch Sendungen von Radio Vatikan, das seine eigene Mittelwelle 1530 kHz ab 2001 nur noch mit geringer Leistung (75 kW) betreiben konnte.

Hintergrund war eine Auseinandersetzung um die Feldstärken in der Umgebung des Senders. Der Vatikan beugte sich der Forderung nach Einhaltung eines Grenzwerts von 6 V/m, nachdem die italienische Seite ihren Druck bis zu Verurteilungen wegen „Werfen gefährlicher Gegenstände“ und der Drohung, die Sendestation vom Stromnetz zu trennen, eskalierte.

Inzwischen ist über dieses Thema die Zeit hinweggegangen: 2012 hat Radio Vatikan die Mittelwelle 1530 kHz ganz abgeschaltet und die Antenne 2014 abgerissen. Die Sendestation Santa Maria di Galeria wird jetzt nur noch für Ausstrahlungen auf Kurzwelle genutzt.

Hier nicht zu sehen sind die neuen Senderblöcke der Bauart S7HP, die nach der Jahrtausendwende auf 216 kHz die Röhrensender abgelöst haben. Nach letztem Stand wurde die Frequenz zwischen 5.56 und 0.08 Uhr eingeschaltet, und zwar bis 20.00 Uhr mit 900 kW, danach mit 600 kW.

Auf 1467 kHz wiederum überträgt die Sendestation Roumoules seit 2006 wieder ausschließlich TWR-Programme. Dabei rückte Europa als Zielgebiet immer weiter in den Hintergrund. Der Schwerpunkt liegt nun auf Sendungen nach Nordafrika.

Das mündete 2009 in eine von TWR bezahlte Umkonfiguration der Sendeantenne. Die Abstrahlrichtung Südwest, die zuvor ein weiter Bogen von Großbritannien bis Ägypten war, wurde auf eine stärkere Bündelung nach Marokko, Algerien und Tunesien eingeengt.

Über diese Abstrahlrichtung laufen jetzt noch zwischen 22.15 und 23.45 Uhr (sonntags erst ab 22.30 Uhr) TWR-Programme in Arabisch und der Berbersprache Kabylisch. Die letzten Sendungen für Europa (konkret Großbritannien und Italien) waren bis 2016 bereits verschwunden.

Seit 2017 gibt es an Arbeitstagen nun doch wieder eine Ausstrahlung nach Mitteleuropa: Von 21.45 bis 22.15 Uhr in polnischer Sprache. Diese Sendung lief zuvor über den seinerzeit von TWR abgekündigten, inzwischen verschwundenen Mittelwellensender in Albanien.

[Über eventuelle, turnusmäßig zum 29. März vorgenommene Änderungen des Sendeplans liegen noch keine Angaben vor.]

 

Autor: Kai Ludwig