Neue Mittelwellentechnik geplant - TWR erweitert persisches Programm

Sender Gavar
Sendestation Gavar-Noratus; hier im Bild ausschließlich Kurzwellenantennen | © Radio GmbH

Trans World Radio kündigt an, in neue Mittelwellentechnik für einen erheblichen Ausbau seiner persischen Sendungen investieren zu wollen. Über deren geplanten Standort gibt es Spekulationen, die nicht zutreffen müssen.

Eingerichtet hat TWR zunächst eine persische Onlineradio-Plattform. Nächster geplanter Schritt ist nun ein Ausbau der terrestrischen Sendungen auf Mittelwelle. Derzeit haben sie den Umfang von anderthalb Stunden am Tag, von 19.15 bis 20.45 Uhr MESZ aus Armenien auf der Frequenz 1377 kHz, die exklusiv für Programme von TWR reserviert ist.

Übertragen werden hier auch kurze Sendungen in Kurdisch. Nach dem Verlust der Großmittelwelle 999 kHz in Pridnestrowje kamen, begleitet von verwunderten Fragen nach dem Nutzen des Kurzformats von 15 Minuten, außerdem Beiträge in Russisch hinzu.

Eine ganze Stunde reservierte TWR auf 1377 kHz für Ukrainisch. Das ist möglich, weil die Programme in Arabisch, die hier zeitweise als Ersatz für die verlorene Sendemöglichkeit in Zypern liefen, aus Armenien jetzt auf 1350 kHz abgestrahlt werden (von 21.30 bis 24.00 Uhr; außerdem gibt es um 20.00 Uhr wiederum 15 Minuten Russisch).

Die erwähnten Spekulationen beziehen sich auf Pläne, die das aktuelle TWR-Magazin darlegt: Es soll ein neuer Mittelwellensender installiert werden, um ein wesentlich stärkeres Signal in die persische Welt zu liefern und das Programm auf mindestens sechs Stunden am Tag, neben Farsi auch mit weiteren Sprachvarianten, zu erweitern.

Es wäre nicht die erste Erweiterung und Modernisierung der Mittelwellentechnik auf der armenischen Sendestation Gavar-Noratus: Für jeden zu sehen ist die umschaltbare Richtantenne, die dort bereits aufgebaut wurde.

Der alte Teil der Sendestation Krasnaja Retschka | © ShiPuLin, CC

Trotzdem durch die Gerüchteküche gezerrt wird eine andere frühere Sowjetrepublik, deren Name in deutscher Sprache in den Varianten Kirgisien, Kirgistan und Kirgisistan bekannt ist. Dort gibt es für Mittelwellenprogramme von TWR in der Tat neben einer neuen Antenne inzwischen auch neue Sendetechnik.

Bei diesem Projekt ging es um Ausstrahlungen nach Afghanistan, Pakistan und Indien. Dafür entstand auf der Station Krasnaja Retschka bei Bischkek eine neue Sendeanlage mit einer Richtantenne aus vier Masten und 500 kW starken Senderblöcken.

Die Anlage läuft seit 2014, derzeit abends bis 18.45 Uhr, auf 1467 kHz. Sie sollte nicht verwechselt werden mit der Sendestation des einstigen Radio Monte Carlo in Südfrankreich, die ebenfalls auf dieser Frequenz arbeitet und am späten Abend hauptsächlich für Nordafrika bestimmte TWR-Programme überträgt.

Besonders interessant war bei dem Projekt Krasnaja Retschka eine Aussage zu den Senderblöcken: Es soll sich um gebrauchte Technik aus Deutschland handeln. Hier wieder aufgebaut sein könnten somit jene Geräte, die zuvor in Wachenbrunn bei Themar (1323 kHz) oder in Burg bei Magdeburg (1575 kHz) standen.

2019 kamen noch zwei weitere gebrauchte Sender aus Deutschland hinzu. Sie übernahmen als Block mit 200 kW Gesamtleistung den Betrieb der Frequenz 612 kHz. Übertragen werden hier jetzt tagsüber das Bischkeker Birintschi Radio, abends Programme von TWR für den postsowjetischen Raum und für Xinjiang.

Darüber hinaus ist weiterhin ein Kurzwellensender mit 100 kW aktiv. Er überträgt durchweg, unterbrochen nur von einer nächtlichen Sendepause am hiesigen späteren Abend, Birintschi Radio auf 4010 kHz.

Ausgesprochen unregelmäßig gestaltet sich der Betrieb eines weiteren Kurzwellensenders mit nur 15 kW Leistung, an dem sich die Station Krasnaja Retschka ebenfalls versucht. Wenn es überhaupt ein Signal auf die Antenne schafft, ist es nicht nur ziemlich schwach, sondern hört sich auch garnicht gut an:

Was man hier auszustrahlen versucht (üblicherweise in zwei Blöcken, aus hiesiger Sicht am späten Nachmittag und in der Nacht), sind wiederum Missionssendungen für Afghanistan, in diesem Fall aus Kanada.

Wegen der weitgehenden Unbrauchbarkeit des Arrangements in Bischkek begannen die Produzenten dieser „Stimme des Lebens“ (Sadaye Zindagi) 2021 damit, über IBRA-Radio auch Sendezeit in Abu Dhabi zu buchen. Derzeit dort genutzt werden Sendeplätze von 4.30 bis 5.00 Uhr auf 9895 kHz und von 10.30 bis 12.30 Uhr auf 15490 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 30.07.2022