1035 kHz

Trans World Radio und andere aus Estland

Zu Radio Eli, dem russischsprachigen Missionssender in Estland, gibt es nach der Rückkehr von Trans World Radio noch weitere Neuigkeiten. So dürfte die Mittelwelle 1035 kHz jetzt möglicherweise rund um die Uhr, zumindest aber in größerem Umfang als bisher eingeschaltet bleiben.

Radio Eli, 1035 kHz
Hilfsmast mit Überwachungskamera und Sendeantenne 1035 kHz bei Tartu | © Radio Eli

Zwar verzeichnet das Programmschema weiterhin nur die Betriebszeit von 17.00 bis 24.00 Uhr MESZ. Sie galt seit dem vergangenen Herbst. Seinerzeit soll der Preis, den Radio Eli für Elektroenergie zu zahlen hat, sich vervierfacht haben.

Der British DX Club berichtet nun jedoch über einen Facebook-Eintrag vom März, in dem von neuen Spendern die Rede war, die es ermöglicht hätten, den Sender rund um die Uhr eingeschaltet zu lassen. Unmittelbar bestätigt werden kann zumindest eine in die Nacht zum 22. April hinein fortgesetzte Ausstrahlung.

Damit dürften beide Sendezeiten, die das Programmschema für Trans World Radio verzeichnet, relevant sein: Von 21.00 bis 22.00 Uhr und an Arbeitstagen zusätzlich auch von 5.30 bis 6.00 Uhr.

Mit den wieder bei Radio Eli gebuchten Sendeplätzen ersetzte TWR die Mittelwelle 999 kHz vom Sender Grigoriopol (Pridnestrowje/Transnistru). Sie ging TWR verloren, indem sie zum 5. April für eine rund um die Uhr laufende Ausstrahlung von Radio Rossii angefordert wurde.

Hier gab es die Absicht, die betreffenden TWR-Programme ersatzweise auf der schwächeren Grigoriopol-Frequenz 621 kHz zu übertragen. Laut einer Meldung des Arctic Radio Club soll das auch einmalig am 7. April geschehen sein. Es gibt keine konkreten Informationen darüber, warum es bei diesem einen Test blieb.

Tune in from Ukraine or Russia: Mediumwave 1035 and 621
© twr.org

Für einstündige TWR-Programme in ukrainischer Sprache wurden inzwischen zwei andere Sendeplätze gemeldet: Um 20.45 Uhr auf der Mittelwelle 1377 kHz aus Armenien und um 18.01 Uhr auf der Kurzwelle 15200 kHz aus Guam. Letztere ist zwar als Digitalsignal angekündigt, es handelt sich jedoch um eine Analogsendung.

Damit hat TWR, wenn auch „nur“ auf dem langen Weg über seine eigentlich nicht dafür ausgelegte Sendestation im Pazifik, wieder einen Kurzwellenbetrieb in Europa aufgenommen. Er war zuvor 2016 entfallen.

Als letzte eingestellt wurden seinerzeit die aus Nauen und Österreich abgestrahlten Sendungen in Russisch, Weißrussisch, Polnisch und Ungarisch. Die deutschsprachigen Kurzwellensendungen des Evangeliums-Rundfunks hatten bereits 2007 ihr Ende gefunden.

2020 geschah das dann auch mit den Sendungen, die das Missionswerk Friedensstimme ab 2003 aus Nauen in den postsowjetischen Raum abgestrahlt hatte. Die Finanzierung des Kurzwellendienstes ließ sich nicht länger darstellen.

Dieses Missionswerk der Evangeliums-Christen-Baptisten, einer Religionsgemeinschaft von Aussiedlern aus der Sowjetunion, bespielt jetzt noch Sendeplätze bei Radio Eli: Dienstags von 3.00 bis 3.40, mittwochs von 18.00 bis 18.35, donnerstags von 23.05 bis 23.40 und sonntags von 14.00 bis 14.30 Uhr.

Im Programmschema fällt außerdem eine „Golos Mutschenikow“ auf: Mittwochs von 3.30 bis 4.00 und von 10.30 bis 11.00 Uhr, donnerstags von 23.40 bis 24.00 Uhr und sonntags von 14.30 bis 15.00 Uhr.

Hier scheint es sich um eben jene „Stimme der Märtyrer“ zu handeln, deren Rundfunksendungen sich speziell an Länder richten, in denen Christen verfolgt werden. Zu Ausstrahlungen nach Nordkorea waren hier gerade erst Sendungen für die Malediven hinzugekommen.

Auf diese Spur führte eine Notiz von 2020, in der die Stimme der Märtyrer neue gesetzliche Regelungen gegen „illegale Missionstätigkeit“ in Russland erwähnt. Bezug genommen wird dabei auf eine norwegische NGO, die in großem Umfang zu diesem Thema publiziert.

Nach deren Angaben trifft das Vorgehen der russischen Behörden neben Muslimen in erster Linie Baptisten und in geringerem Umfang auch Protestanten. Nicht besonders erwähnt werden hingegen Katholiken. Die russisch-orthodoxe Kirche ist ohnehin nicht betroffen und soll die vorgenommene Verschärfung sogar begrüßt haben.

Ihren Niederschlag im Bereich der Medien fand diese Entwicklung, als 2016 die Mittelwellenlizenz von Radio Teos, des Senders der evangelikalen Far East Broadcasting Company in Russland, nicht mehr verlängert wurde.

Radio Eli, Sender 1035 kHz
2010: Segnung der auf 200 kW verstärkten Senderanlage

Radio Eli sendet auf der früheren Hauptmittelwelle von Eesti Radio, dessen AM-Verbreitung bereits 1998 entfiel. Einige Andenken wurden noch aus der Sendestation in Laitse bei Tallinn sichergestellt, bevor das Objekt sich selbst überlassen blieb.

Die Frequenz 1035 kHz wurde danach für ein Missionsprogramm in russischer Sprache vorgesehen. Es entstand als Ableger des estnischen Pereraadio, das dafür eine neue Sendeanlage bei Tartu errichtete. Der Betrieb von Radio Eli begann 2001 zunächst mit einem gebrauchten Röhrensender aus den USA.

An dessen Stelle trat 2008 ein 100 kW starker Transistorsender der TRAM-Bauart. 2010 stieg TWR mit bei Pereraadio ein. Um die Frequenz zu den Zeiten, in denen die TWR-Programme liefen, mit verdoppelter Sendeleistung betreiben zu können, wurde die Senderanlage um einen zweiten Block ergänzt.

Zum Ende des Jahres 2019 zog TWR sich wieder zurück, verbunden mit der Schließung seines Produktionsstudios in Sankt Petersburg. Damit verlor Radio Eli ein Drittel seines Budgets. Um den Muttersender nicht der Gefahr auszusetzen, mit in den Abgrund gezogen zu werden, wurde der Verbund zum Februar 2020 aufgehoben.

Inzwischen ist Radio Eli dazu übergegangen, das Medium Hörfunk nicht mehr in den Vordergrund zu stellen. Online präsentiert es sich jetzt als „Media Eli“.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 22.04.2022