999 kHz

Radio Rossii statt Trans World Radio

Die Sendestation Grigoriopol in Pridnestrowje/Transnistru überträgt Programme von Trans World Radio (jener Missionsgesellschaft, deren Partner in Deutschland der Evangeliums-Rundfunk ist) nur noch auf 1548 kHz. Auf der Frequenz 999 kHz läuft stattdessen jetzt Radio Rossii aus Moskau.

Sender Grigoriopol
Sender 999 kHz, davor das Antennenschaltpult | © Leo Cultuclu

Auf 1548 kHz begann am 6. April wie gewohnt um 20.30 Uhr die für den Balkan und Ungarn bestimmte Programmfolge von TWR. Sie dürfte demnach, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, weiterhin nach dem bekannten Schema bis 22.30 Uhr laufen.

Verschwunden sind hingegen die Sendungen in ukrainischer, russischer und weißrussischer Sprache. Sie wurden auf 999 kHz zuletzt von 19.30 bis 21.00 Uhr übertragen. Erste Empfangsbeobachtungen deuten auf die armenische Mittelwelle 1377 kHz als Ersatz für ukrainische und russische TWR-Programme.

Damit bleibt noch die Frage, ob TWR eventuell die einstige Partnerschaft mit Radio Eli, einem Mittelwellen-Missionssender in Estland, wiederbeleben will. Zum Ende des Jahres 2019 hatte TWR diese Zusammenarbeit beendet und damit seinen Partner an den Rand des Untergangs gebracht.

Die Frequenz 999 kHz wurde allerdings nicht etwa stillgelegt: Seit dem 5. April 2022 überträgt sie nun Radio Rossii, rund um die Uhr und mit der auf Mittelwelle nur noch in wenigen Fällen angewendeten Sendeleistung von 1000 kW.

Diese Angaben einer offensichtlich mit dem Vorgang vertrauten Person sind mit einem Foto der Antenne ausgestattet. Bei dem 151 Meter hohen Mast handelt es sich um einen Behelf: Die eigentliche, 257 Meter hohe Antenne der Frequenz 999 kHz war durch katastrophalen Eisregen im Jahre 2000 eingestürzt.

Sender Grigoriopol
Die Mittelwellen-Senderblöcke aus dem Jahre 1971 und der Antennenwahlschalter | © Leo Cultuclu

Über die Mittelwellensender in Grigoriopol kommen damit nun gleich zwei Programme der Allrussischen Rundfunkgesellschaft (WGTRK). Bereits ununterbrochen seit dem 3. März 2014 übertragen wird Westi FM auf 1413 kHz. Das geschieht mit 500 kW über eine Viermastantenne, auf der die Senderichtung Ukraine geschaltet ist.

Das 2008 gestartete Nachrichtenprogramm läuft, wie schon sein Name sagt, ansonsten auf UKW. Dafür hatte die WGTRK die Frequenzen des erst 2004 gegründeten Radio Kultura herangezogen, in den Worten eines Moskauer Beobachters: Gemäß der seit Jelzin geltenden Devise, die Rubel lieber in politische Propaganda zu stecken.

Radio Rossii seinerseits wurde 1991 von Boris Jelzin als eigener Sender der damaligen Russischen Sowjetrepublik gegründet, um dem sowjetischen Allunionsradio etwas entgegenzusetzen. Auch schon hier war es das Kulturprogramm, das dafür zu weichen hatte.

Mit der Aufschaltung auf 999 kHz kehrte Radio Rossii nach sieben Jahren auf die Mittelwelle zurück. Die großflächige Ausstrahlung auf Lang- und Kurzwelle war zuvor bereits Anfang 2014 beendet worden. Zu letzterer hatte eine nach Mitteleuropa gerichtete Frequenz gehört.

Der außerhalb der hellen Tagesstunden auch in Deutschland recht gute Empfang könnte bei der Entscheidung, die Frequenz 999 kHz für Radio Rossii zu nutzen, also sogar eine Rolle gespielt haben. Auskünfte dazu sind von der WGTRK, die am 26. Februar die Verbindungen ins Ausland abgebrochen hat, nicht mehr zu erwarten.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 06.04.2022