183 kHz

Abschaltversuch bei Europe 1

Der Langwellensender von Europe 1 bei Felsberg (Saarland) blieb vom 1. bis 3. November 2019 ausgeschaltet. Folgt man französischem Branchenklatsch, dann gab es hier hektische Betriebsamkeit, nachdem der nächste Dominostein in Luxemburg gleich mit zu fallen drohte. Bereits vorbei sind jedenfalls die Zeiten vierstelliger Sendeleistungen.

Sender Felsberg
Die heutige Senderanlage 183 kHz bei Felsberg | © Jakob Roschy

Eine Übersetzung der Antwort, die am Freitag zunächst auf Anfragen wegen des fehlenden Sendesignals gegeben wurde, ist hier unter dem 01.11.2019 zu finden. Demnach wurde die Unterbrechung offen als „Test“ bezeichnet, verbunden mit der ausdrücklichen Empfehlung, auf UKW oder in die digitale Welt zu wechseln.

Weiter zitiert wird eine Äußerung aus dem Programm: Man sei erstaunt über die geringe Zahl an Reaktionen, die es bislang gab.

Am Sonntag war dann auf einmal die Rede von angeblichen Wartungsarbeiten, nach denen der Sendebetrieb am Montag wieder aufgenommen werden soll. Dazu gab es auch im Programm mehrfache Ansagen.

Eine angeblich zuverlässige Quelle will hier von einem direkten Zusammenhang wissen: RTL habe angekündigt, im Falle einer dauerhaften Abschaltung des Senders Felsberg seine Luxemburger Langwelle 234 kHz ebenfalls aufzugeben.

Die Übernahme des Betriebs auch der Langwelle 183 kHz durch das Luxemburger Unternehmen BCE hatte deren Abschaltung noch einmal abgewendet. BCE hat sich rigoros von der riesigen alten Sendeanlage getrennt. An ihre Stelle trat 2015 ein Transistorsender in einem kompakten Leichtbau, der seinen Platz an der früheren Reserveantenne fand.

Europe 1 und das französische RTL-Radio sind zusammen mit Radio Monte Carlo (216 kHz) die einstigen „Peripherieradios“. Über Jahrzehnte wurden diese Programme zwar in Paris produziert, konnten jedoch nur über Sendeanlagen außerhalb der französischen Hoheit ausgestrahlt werden.

Der Sender bei Felsberg, hart an der Grenze zu Frankreich, ist seit November 2016 der einzige leistungsfähige Rundfunksender, der in Deutschland noch auf Mittel- oder Langwelle aktiv ist. Ansonsten sind nur noch Kurzwellenanlagen (mit hoher Leistung bei Nauen, Biblis und Lampertheim) verblieben.

Von den einstigen 2000 kW Sendeleistung ist in Felsberg inzwischen nicht mehr viel übrig. Schon in den letzten Monaten, also noch vor der jetzigen Zäsur, genannt wurden entweder 750 kW (wie nach letztem bekannten Stand auch auf 234 kHz gefahren) oder, möglicherweise geltend für bestimmte Tageszeiten, bereits nur noch 375 kW.

Mit Informationen von Gaétan Teyssonneau; Stand vom 04.11.2019

Frequency 183 kHz, transmit power 375 kW
© Sammlung Mauno Ritola


Bericht vom 10. März 2019:

Für Europe 1 bleibt ein massiver Verstoß gegen Datenschutzrecht ohne Folgen. Der Sender führte ab 2002 eine zuletzt mehr als 573.000 Rufnummern umfassende Datenbank über Höreranrufe. Zahlreiche Einträge enthielten herabwürdigende Kommentare über die betreffenden Personen.

Wie Mediapart.fr weiter berichtet, verwendete Europe 1 eine Software namens Chamane. In diesem Programm wurden die jeweiligen Hörer mit Noten von „ausgezeichnet“ bis „schlecht“ versehen. Weiter festgehalten wurden Angaben zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit und sexuellen Orientierung wie auch Einstufungen etwa als „Idiot“, „Faschist“ oder „Rassist“.

Angesichts einiger Freitexteinträge, die Mediapart.fr ebenfalls zitiert, fällt zumindest die letztgenannte Einstufung auf die Mitwirkenden selbst zurück:

„Unverständlicher nordafrikanischer Akzent“
„Akzent eines Juden aus Tunesien“
„Stimme eines alten Idioten“
„Hat Krankheiten, möchte über seinen Krebs sprechen“
„Alkoholiker“
„Patrice mit HIV-Infektion“

Dazu gab es eine „schwarze Liste“ von 448 Personen, die nicht mehr auf Sendung genommen werden durften. Den Betroffenen war das jedoch nicht bekannt, weshalb sie immer wieder zwecklos die kostenpflichtige (50 Cent pro Minute) Rufnummer von Europe 1 anriefen.

Ein besonders schwerwiegender Rechtsverstoß waren die ohne Zustimmung aufgenommenen Einträge über Gesundheitszustand, ethnische Zugehörigkeit und sexuelle Orientierung. Für solche Datensammlungen kann in Frankreich ein Bußgeld von bis zu 1,5 Millionen Euro verhängt werden.

Die Datenschutzbehörde CNIL hatte, als der Vorgang 2017 bei ihr anhängig war, jedoch sowohl auf eine Ahndung als auch auf die Veröffentlichung ihres Berichts verzichtet. Das Thema wurde erst durch investigative Recherche aufgedeckt.

Verantwortliche von Europe 1 sagten Mediapart.fr dazu, man habe „die inakzeptablen Verstöße“ behoben. In Zukunft gelte „Respekt vor den Hörern“.

 

Autor: Kai Ludwig