Größer geworden

Fragezeichen an der BBC-Langwelle

Zu der Frage, ob die BBC-Langwelle 198 kHz am 31. März 2023 ihr Ende findet (inzwischen ist zu ergänzen: und ihr die Mittelwellen auf dem Fuße folgen), gibt es keine neuen Aussagen, jedoch einen neuen Sachstand: Die Rundfunkgebühr wird in Großbritannien für zwei Jahre eingefroren.

Sender Droitwich
Die Antenne der Langwelle 198 kHz ist zwischen zwei Masten gespannt, von denen einer wiederum als Strahler der Mittelwelle 693 kHz geschaltet ist | © Jeff Gogarty, CC-BY-SA

Angesichts einer inzwischen bei 5,1 Prozent liegenden Inflationsrate bedeutet das eine erhebliche reale Kürzung. Die BBC hat bereits angekündigt, „härtere Entscheidungen“ treffen zu müssen.

Von 2024 bis 2027 ist nochmals ein Inflationsausgleich vorgesehen. Ab 2028 soll die Rundfunkgebühr dann ganz entfallen. Darunter ist nicht unbedingt eine Umstellung auf eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt zu verstehen; ein Ende der öffentlichen Finanzierung mit einer Umwandlung der BBC „in eine Art Netflix“ ist ebenfalls auf dem Tisch.

Ob sich eine nähere Betrachtung dieser Szenarien lohnt, hängt letztlich davon ab, mit welchem Ergebnis der (spätestens) 2024 anstehenden Unterhauswahlen man rechnet. Sehenswert ist jedenfalls der einschlägige Tweet der Kulturministerin Dorries: Sie bezieht sich darin selbst auf eine Boulevardzeitung.

Stand vom 18.01.2022



Bei dem im Raum stehenden 31. März 2023 handelt es sich um das Datum, bis zu dem die Mitnutzung der Langwelle 198 kHz für das Teleswitch-Signal vereinbart ist.

Teleswitch ist ein System zur ferngesteuerten Tarifumschaltung an Stromzählern. In Deutschland geschieht das über das EFR-Signal, das keine Infrastruktur des Rundfunks mitnutzt, sondern über eigene Sender in Burg bei Magdeburg, in Mainflingen bei Frankfurt am Main sowie in Lakihegy bei Budapest abgestrahlt wird.

Der 500 kW starke Langwellensender der BBC steht im Westen von England an einem Standort, der einst zu den klangvollen Namen gehörte, die auf den Skalen auch deutscher Radios erschienen: Droitwich. Als Ergänzung laufen auf 198 kHz im Gleichwellenbetrieb außerdem jeweils 50 kW starke Sender auf den Stationen Burghead und Westerglen in Schottland.

2011 nannte die BBC als Teil eines Sparpakets den Verzicht auf weitere Investitionen in die Langwelle. Das war der Beginn immer wieder hochkochender Gerüchte, die das Bild gläserner Röhren zeichneten, deren Vorrat in Droitwich langsam zur Neige gehe.

Als vor einigen Jahren die Werbung für ein Buch diese Aussagen erneut in einen Zeitungsartikel hievte, platzte einem BBC-Mitarbeiter der Kragen:

„Was für ein Schwachsinn. Fühlen sich Journalisten heute überhaupt noch zu irgendwelchen Recherchen bemüßigt oder ist alles nur noch Clickbaiting?“

Begünstigend ist hier, was Internetrecherchen zum Sender Droitwich liefern. Zwar findet sich viel Bildmaterial aus dieser seit 1934 aktiven Sendestation. Keines der greifbaren Fotos stammt jedoch aus der Zeit seit Mitte der 80er Jahre.

Nirgends etwas zu sehen ist deshalb von dem, was die Firma Marconi hier 1985 aufgebaut hatte: Eine neue Langwellenanlage, bestehend aus zwei Einzelsendern mit jeweils 250 kW Leistung und der Katalognummer B6042.

Später wurden die Modulatorstufen der Senderblöcke noch auf Halbleitertechnik umgerüstet. Damit verblieb nur noch jeweils eine Röhre in der Endstufe. Auch dort finden sich keine uralten Glasröhren, sondern verdampfungsgekühlte Tetroden in Keramik-Bauweise, die nach wie vor erhältlich sind.

Wenn die Rede auf die BBC-Langwelle kommt, ist fast schon zwangsläufig ein Programmpunkt zu erwähnen, der – in einer auch in Deutschland nicht völlig unbekannten Weise – Kultstatus genießt und es 1993 in einem speziellen Radioabend auch mal ins Fernsehen schaffte.

Gemeint sind die Seewetterberichte, an denen die BBC festhält, auch wenn Mitglieder der Royal Yachting Association schon 2013 erklärten, sich anderer Quellen zu bedienen. Sie nutzten die Umfrage stattdessen dafür, ihren Unmut über die Cricket-Übertragungen loszuwerden, die auf Langwelle das Programm von Radio 4 öfters unterbrechen.

 

Autor: Kai Ludwig