198 kHz

Fragezeichen an der BBC-Langwelle

Die Zeitung „Daily Telegraph“ berichtet über eine Ankündigung, bei der zunächst unklar bleibt, ob das Thema auch den Rundfunk betrifft: Der über die Langwelle der BBC unhörbar mit ausgestrahlte Teleswitch-Dienst soll zum 1. April 2023 entfallen.

Sender Droitwich
Die Antenne der Langwelle 198 kHz ist zwischen zwei Masten gespannt, von denen einer wiederum als Strahler der Mittelwelle 693 kHz geschaltet ist | © Jeff Gogarty, CC-BY-SA

Teleswitch ist ein System zur ferngesteuerten Tarifumschaltung an Stromzählern. In Deutschland geschieht das über das EFR-Signal, das keine Infrastruktur des Rundfunks mitnutzt, sondern über eigene Sender in Burg bei Magdeburg, in Mainflingen bei Frankfurt am Main sowie in Lakihegy bei Budapest abgestrahlt wird.

Der 500 kW starke Langwellensender der BBC steht im Westen von England an einem Standort, der einst zu den klangvollen Namen gehörte, die auf den Skalen auch deutscher Radios erschienen: Droitwich. Als Ergänzung laufen auf 198 kHz im Gleichwellenbetrieb außerdem jeweils 50 kW starke Sender auf den Stationen Burghead und Westerglen in Schottland.

2011 nannte die BBC als Teil eines Sparpakets den Verzicht auf weitere Investitionen in die Langwelle. Das war der Beginn immer wieder hochkochender Gerüchte, die das Bild gläserner Röhren zeichneten, deren Vorrat in Droitwich langsam zur Neige gehe.

Als vor einigen Jahren die Öffentlichkeitsarbeit für ein Buch diese Aussagen erneut in einen Zeitungsartikel hievte, platzte einem sachkundigen BBC-Mitarbeiter der Kragen:

„Was für ein Schwachsinn. Fühlen sich Journalisten heute überhaupt noch zu irgendwelchen Recherchen bemüßigt oder ist alles nur noch Clickbaiting?“

Begünstigend ist hier, was Internetrecherchen zum Sender Droitwich liefern. Zwar findet sich viel Bildmaterial aus dieser seit 1934 aktiven Sendestation. Keines der greifbaren Fotos stammt jedoch aus der Zeit seit Mitte der 80er Jahre.

Nirgends etwas zu sehen ist deshalb von dem, was die Firma Marconi hier 1985 aufgebaut hatte: Eine neue Langwellenanlage, bestehend aus zwei Einzelsendern mit jeweils 250 kW Leistung und der Katalognummer B6042.

Später wurden die Modulatorstufen der Senderblöcke noch auf Halbleitertechnik umgerüstet. Damit verblieb nur noch jeweils eine Röhre in der Endstufe. Auch dort finden sich keine uralten Glasröhren, sondern verdampfungsgekühlte Tetroden in Keramik-Bauweise, die nach wie vor erhältlich sind.

Wenn die Rede auf die BBC-Langwelle kommt, ist fast schon zwangsläufig ein Programmpunkt zu erwähnen, der – in einer auch in Deutschland nicht völlig unbekannten Weise – Kultstatus genießt und es 1993 in einem speziellen Radioabend auch mal ins Fernsehen schaffte.

Gemeint sind die Seewetterberichte, an denen die BBC festhält, auch wenn Mitglieder der Royal Yachting Association schon 2013 erklärten, sich anderer Quellen zu bedienen. Sie nutzten die Umfrage stattdessen dafür, ihren Unmut über die Cricket-Übertragungen loszuwerden, die seinerzeit auf Langwelle das Programm von Radio 4 öfters unterbrachen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 07.02.2021