Tschechischer Rundfunk

Český Rozhlas noch bis Ende 2021 auf Lang- und Mittelwelle

Der öffentlich-rechtliche Tschechische Rundfunk will seine verbliebenen Lang- und Mittelwellenfrequenzen noch bis zum Ablauf des Jahres 2021 nutzen. Dabei hat die Langwelle schon nichts mehr mit dem Kontext zu tun, in dem der bereits 2019 genannte Abschalttermin erneut bestätigt wurde.

Sender Topolná
Langwellensender Topolná (Foto anonym via Wikipedia)

Bei diesem Kontext handelt es sich, wie schon aus Deutschland bekannt, um den Ausbau des DAB-Sendernetzes.

Das Popmusik- und Informationsprogramm Radiožurnál ist in der heutigen Tschechischen Republik seit langer Zeit flächendeckend auf UKW zu empfangen. Seine noch immer laufende Ausstrahlung auf der Langwelle 270 kHz hat einen anderen Grund.

Mit Ausnahme der Zeit von 1970 bis 1989, in der das Programm stramm ideologisch als „Hvězda“ („Stern“) auftrat, hieß es bis 1992 „Československo“. Wie bereits an diesem Namen zu erkennen, war es als einziges Hörfunkprogramm für die gesamte Tschechoslowakei bestimmt.

Entsprechend wurden einzelne Sendungen aus Bratislava zugeliefert. Auch die in Prag produzierten Teile des Programms sind teilweise in Slowakisch gesprochen worden.

Daraus folgte die Prämisse für den Standort des 1951 in Betrieb genommenen Langwellensenders: Zentral im damaligen Föderalstaat. Ein geeigneter Platz fand sich zwischen Uherské Hradištĕ (Ungarisch Hradisch) und Napajedla, beim Dorf Topolná. Dieser Standort ist von Bratislava nur halb so weit entfernt wie von Prag.

In Topolná entstanden zwei jeweils 270 Meter hohe Masten. Die an ihnen angebrachten Antennenreusen sind auf eine Richtwirkung in Acht-Form eingestellt, um das Sendesignal bevorzugt in die am weitesten entfernten Regionen des Landes abzustrahlen.

Erzeugt wurde das Signal ursprünglich von einer aus zwei Blöcken mit 400 kW Gesamtleistung bestehenden Senderanlage. An deren Stelle traten 1978 zwei Exemplare der Langwellenversion des neu entwickelten Einzelsenders mit 750 kW, die als Paar mit 1500 kW Gesamtleistung arbeiteten.

Sender Topolná
Langwellensender Topolná (Foto anonym via Wikipedia)

Mit der Auflösung des Föderalstaates hatte der Langwellensender Topolná seine eigentliche Funktion verloren. Er sollte deshalb schon zum Ende des Jahres 1993 für immer abgeschaltet werden.

Massive Hörerproteste führten zunächst zu zwei Galgenfristen bis Ende Januar bzw. Februar 1994. Schließlich nahm Český Rozhlas den damaligen Abschaltplan zurück; die Langwelle blieb mit 750 kW und eingeschränkter Sendezeit in Betrieb.

Später gab es sogar Bestrebungen, auf 270 kHz auch die Auslandssendungen insbesondere in deutscher Sprache auszustrahlen. Das scheiterte hauptsächlich an der ungeklärt gebliebenen Frage, wie solche Übertragungen der gesondert vom Außenministerium finanzierten Sendungen abzurechnen wären.

2014 sollten finanzielle Engpässe erneut zum Ende der einst tschechoslowakischen Langwelle führen. Doch auch zu diesem Zeitpunkt hatte sie in der Slowakei weiterhin eine Anhängerschaft, die Český Rozhlas nicht einfach enttäuschen wollte.

Eine Lösung fand sich in Deutschland. Hier stand noch immer der kleine Langwellensender mit 50 kW herum, der Ende 1996 schon einmal einen Röhrensender tschechischer Bauart abgelöst hatte: In Burg bei Magdeburg, dort für die bis Ende 2000 von Radioropa nachgenutzte sowjetische/russische Militärrundfunkfrequenz 261 kHz.

Dieser Sender wurde auf 270 kHz umgestellt und in Topolná wieder in Betrieb genommen. Die immer weitere Absenkung der Sendeleistung (zuvor waren es noch 350 kW) ist so nun allerdings wirklich nicht mehr zu überhören. Als Kompensationsversuch strahlt der Sender eine „Kampfmodulation“ mit sehr harter Dynamikkompression aus.

Sender Liblice
Mittelwellensender Liblice (Foto: Juan de Vojníkov, Creative Commons)

Tatsächlich auch für das Inland noch interessant sind hingegen die Mittelwellensendungen von Český Rozhlas. Im Vordergrund steht hier die Übertragung von Dvojka, das bis zu einer schleichenden, nach 2010 vorgenommenen Umbenennung als „Praha“ bekannt war.

Ohne seine Mittelwellen hätte dieses Programm die Einführung des kommerziellen Rundfunks in der Tschechischen Republik nicht überlebt. Seinerzeit wurden Český Rozhlas so, wie es hierzulande dem Mitteldeutschen Rundfunk geschah, zunächst nur noch drei UKW-Ketten zugestanden.

Damit konnte „Praha“ auf UKW nur noch abends und nachts auf den Frequenzen der Regionalprogramme senden. Der Aufbau einer vollständigen neuen UKW-Kette gelang bis heute nicht. Nach wie vor keine Frequenz gibt es für „Dvojka“ zum Beispiel auf dem bis nach Brandenburg einstrahlenden Sender Bukova hora (Zinkenstein).

Hauptsender des Mittelwellennetzes von Český Rozhlas ist auf 639 kHz der auf das Jahr 1931 zurückgehende Standort Liblice bei Český Brod, östlich von Prag. Die heutige Senderanlage, wie in Topolná mit zwei Einzelsendern 750 kW, stammt von 1976.

Für die Hochleistungssender entstand eine Antenne mit zwei jeweils 355 Meter hohen Masten, die als höchste Mittelwellenantenne der Welt gilt. Sie ist ausschließlich darauf ausgelegt, das auch tagsüber wirksame Bodenwellensignal zu erzeugen.

Durch die extrem flache Abstrahlung ist das in den oberen Atmosphärenschichten reflektierte Raumwellensignal selbst in 190 Kilometer Entfernung noch um mindestens 8 dB abgeschwächt. Das führte vor Jahren zu Spekulationen über eine vermeintliche Absenkung der Sendeleistung, die bis in die Literatur getragen wurden.

In Wirklichkeit lief die Mittelwelle Liblice 639 kHz noch bis 2012 mit vollen 1500 kW und dem traditionellen warmen Klang der tschechoslowakischen AM-Sender. Seit 2012 sind es – nach wie vor mit den alten Röhrensendern generierte – 750 kW mit der „modernen“, also schrill-überkomprimierten Modulation.

Weitere Sender übertragen „Dvojka“ auf 954 und 1332 kHz. Aus deutscher Sicht wegen seiner ganztägigen Einstrahlung besonders erwähnenswert ist der Karlsbader Sender, der mit 20 kW auf der erstgenannten Frequenz arbeitet.

Český Rozhlas 6
Firmenschild am von 1995 bis 2002 genutzten Studiostandort Praha-Vinohrady, Dykova 14 (Foto: ŠJů, CC)

Die Geschichte der Mittelwellensendungen von Český Rozhlas ist auch verknüpft mit Radio Free Europe / Radio Liberty, dessen tschechisches Programm auf Mittelwelle (720 kHz, Sender Oberlaindern bei Holzkirchen) und Kurzwelle bis 1988 massiv gestört wurde.

1990 schritt man aus Dankbarkeit zum Gegenteil: Der noch föderale tschechoslowakische Rundfunk übernahm nun auf 1287 kHz RFE/RL und opferte dafür die Mittelwellenverbreitung seines eigenen Auslandsdienstes. Später kamen noch Sender auf den bis 1995 mit „Radiožurnál“ bespielten Frequenzen 1071 und 1233 kHz hinzu.

Aus der reinen Übernahme erwuchs 1995 eine Koproduktion. Fortan wurde das Projekt als sechstes Programm von Český Rozhlas geführt.

2002 zog RFE/RL sich schließlich zurück. In der nunmehr alleinigen Regie von Český Rozhlas enthielt das Programm auch Sendungen des Auslandsdienstes, Radio Prag, der somit nach einer Unterbrechung von zwölf Jahren noch einmal auf die Mittelwelle zurückkehrte.

Die Freude währte jedoch nicht lange. Anfang 2004 gab Český Rozhlas das gesonderte Mittelwellennetz auf. Zugleich entfielen auch die letzten der einst in größerer Zahl von den tschechischen Regionalstudios genutzten Mittelwellen.

Das sechste Programm beschränkte sich für reichlich zehn Jahre auf täglich sechs Stunden am Abend, abgestrahlt auf den verbliebenen Frequenzen 639, 954 und 1332 kHz.

2015 erhielt Český Rozhlas dann die Erlaubnis, das inzwischen mit dem Namen Plus versehene Programm auf UKW zu verbreiten. Um dabei nicht auf Prag beschränkt zu bleiben, wurden in der international üblichen Weise fünf Frequenzen dem Netz des Kulturprogramms Vltava entnommen.

Über die Mittelwellen-Hauptkette läuft seit 2016 wieder ausschließlich „Dvojka“. Auf eine Füllung der nicht stopfbaren größeren UKW-Lücken von „Plus“ durch die Mittelwelle wollte Český Rozhlas seinerzeit noch nicht verzichten.

Dafür noch einmal aktiviert wurde die Frequenz 1071 kHz. Abgestrahlt wird sie mit jeweils 5 kW von den Sendestationen Svinov (Schönbrunn) bei Ostrava (Mährisch Ostrau) und České Budějovice (Budweis), die ansonsten mit jeweils 30 kW in den Gleichwellenverbünden auf 639 bzw. 954 kHz arbeiten.

Für den Auslandsdienst war die Abschaltung der separaten Mittelwellenkette hingegen der Anfang vom Ende seiner terrestrischen Verbreitung. Eine massive Kürzung der vom Außenministerium bereitgestellten Mittel führte Anfang 2011 zum Entfall der Kurzwellensendungen über die Station Pohodlí bei Litomyšl.

Wie schon bei der Langwelle Topolná gibt es auch hier eine Verbindung zu Radioropa: Von 1993 bis 1996 lief dessen Programm großflächig auf 5980 kHz (zeitweise, um der Deutschen Welle auszuweichen, auf 5975 kHz) über einen der fünf Kurzwellensender in Pohodlí.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 25.12.2020