Tschechische Republik

Radio Dechovka gibt 1233 kHz auf

Der Blasmusiksender Radio Dechovka („Messing“) beendet am 28. Februar 2021 seine Ausstrahlung auf 1233 kHz. Dieser Rückzug von der AM-Infrastruktur der České Radiokomunikace ist allerdings kein völliger Rückzug von der Mittelwelle.

Upozorňujeme posluchače, že dne 28.února dojde k vypnutí všech středovlnných vysílačů na kmitočtu AM 1233kHz.
© radiodechovka.cz

Für die Frequenz 1233 kHz ist in der heutigen Tschechischen Republik seit Jahrzehnten ein Betrieb als Gleichwelle von mehreren Standorten üblich. Auch für Radio Dechovka wurde das in bescheidenerer Form noch einmal so eingerichtet.

In ihrer letzten Konfiguration kommt die Frequenz mit 10 kW aus der Sendestation Praha/Zbraslav, mit 5 kW aus Brno/Dobrochov sowie mit jeweils 2 kW aus České Budějovice und aus Ostrava/Svinov.

Aus Zbraslav wird außerdem Country Radio auf 1062 kHz abgestrahlt. Die anderen Standorte sind ihrerseits auch in zwei anderen Gleichwellennetzen aktiv, die Český Rozhlas noch bis zum Jahresende bespielen will: Auf 954 kHz Dobrochov (mit 200 kW) und Budweis, auf 1071 kHz Budweis und Svinov.

Von der nun anstehenden Abschaltung der Sender auf 1233 kHz unberührt bleibt die Frequenz 792 kHz. Sie kommt aus der Sendestation Stěžery bei Hradec Kralové. Dieser Standort war für Český Rozhlas bis 2004 auf 1071 kHz aktiv, darüber hinaus bis in die 90er Jahre tagsüber auch auf 945 kHz mit dem Regionalprogramm aus Königgrätz.

Die hier 2016 aktivierte Frequenz 792 kHz war ihrerseits einst die aus Zbraslav betriebene Regionalmittelwelle von Prag. Hier wurde in den 80er Jahren der Verkehrsservice Zelená vlna („Grüne Welle“) freitags und sonntags am Nachmittag zu einer beliebten Magazinsendung mit Musik und Meldungen aus einem Hubschrauber der Miliz erweitert.

In einer chronologischen Übersicht kann auch die heute auf 792 kHz eingesetzte Technik betrachtet werden. Den 5 kW starken Sender hat der Betreiber, ein Enthusiast, selbst angefertigt.

Dazu ist auch noch mehr in Aussicht gestellt. Den Hinweis auf die bevorstehende Abschaltung der Frequenz 1233 kHz ergänzte Radio Dechovka bereits mit dem Zusatz „... und bald auch auf 1260 kHz!“

Radio Dechovka auf 792 und 1233 kHz
Bereits jetzt teilweise überholt: Reichweitenkarte für die Konfiguration, wie sie 2016 bestand | © Radio Dechovka

Auf 1233 kHz dürfte es ab März sehr ruhig bleiben. In ganz Europa arbeiten auf dieser Frequenz dann nur noch zwei Kleinsender mit jeweils 500 Watt in England. Sie übertragen Absolute Radio, um Verwirrungsbereiche des Gleichwellennetzes auf dessen Hauptfrequenz 1215 kHz aufzufüllen.

Schaut man nun nach Afrika, findet sich auf 1233 kHz auch dort nur noch ein Sender: Mit 50 kW in Kenia, planmäßig abends bis 22.05 Uhr aktiv. Die Mittelwelle ist zugleich die einzige verbliebene Option für einen sportlichen Empfang von Sendern aus diesem Land, denn die Kurzwellensender in Kenia sind seit mindestens 15 Jahren stillgelegt.

Ein anderer Sender auf 1233 kHz ist Mitteleuropa noch etwas näher als das 6000 Kilometer entfernte Kenia, hat eine mit 120 kW noch etwas höhere Leistung und eine planmäßige nächtliche Sendepause von 19.00 bis 24.00 Uhr. Sein Standort: Xinjiang, und zwar wahrscheinlich Hutubi, nordwestlich von Ürümqi.

Ausgestrahlt wird hier das Programm der Rundfunkstation Ürümqi in kasachischer Sprache. Es läuft auch auf den Kurzwellen 4850 und 6015 kHz, tagsüber (also aus hiesiger Sicht vom frühen Morgen bis zum Mittag) außerdem auf 7340 und 9470 kHz.

Schon seit Jahrzehnten fast regelmäßig bis nach Mitteleuropa zu hören ist die in Hutubi nach offiziellen, möglicherweise untertriebenen Angaben mit 500 kW betriebene Mittelwelle 1521 kHz. Hier kommt von 14.00 bis 21.00 und von 1.00 bis 3.00 Uhr über eine passende Richtantenne das russische Programm von China Radio International.

Jeweils 500 kW stark sind ebenso die zehn Kurzwellensender für Auslandsprogramme, mit denen die Station Hutubi Mitte der 90er Jahre aufgerüstet wurde. Seitdem wird hier in der Regel auf jeweils einer Frequenz auch das deutsche Programm von CRI abgestrahlt; derzeit von 7.00 bis 9.00 Uhr auf 17615 kHz und von 19.00 bis 21.00 Uhr auf 9615 kHz.

Da es weder in Kenia noch in China eine Sommerzeit gibt, ergeben sich aus mitteleuropäischer Sicht nach MESZ dann jeweils eine Stunde spätere Sendezeiten.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 16.02.2021