Nach 15 Monaten - Radio Dechovka weiter ohne Prager Mittelwelle

Upozorňujeme posluchače, že dne 28.února dojde k vypnutí všech středovlnných vysílačů na kmitočtu AM 1233kHz.
Der Abschalthinweis von 2021 | © radiodechovka.cz

Wegen einer massiven Tariferhöhung des Sendernetzbetreibers hatte der Blasmusiksender Radio Dechovka („Messing“) zum 1. März 2021 sein Mittelwellennetz auf 1233 kHz aufgegeben. Seitdem angekündigt, allerdings bis heute nicht realisiert ist eine anderweitige AM-Ausstrahlung in Prag.

Zur Begründung angeführt werden bürokratische Schwierigkeiten.

Vorgesehen ist, das Programm erneut von jener Sendeanlage in Líbeznice (Lübeznitz) bei Prag abzustrahlen, die 2014 gemeinsam mit Radio Impuls in Betrieb genommen wurde. Aus lizenztechnischen Gründen soll das dann auf einer neuen Frequenz geschehen, und zwar 1260 kHz.

Seit ihrem Aufbau läuft die Anlage, deren Antenne aus einem 36 Meter hohen Mast mit daran angebrachter Strahlerreuse besteht, mit 10 kW auf 981 kHz. Diese Frequenz nutzt Radio Impuls zur Verbreitung seines Český Impuls, einem für ältere Hörerschichten bestimmten Programm.

Die ursprüngliche Ausstrahlung von Radio Dechovka auf 1233 kHz wechselte später hingegen zurück zum früheren Standort dieser Frequenz: Der Prager Sendestation Zbraslav. In der Vergangenheit wurde hier Radiožurnál (zuvor Československo, Hvězda) in einem Gleichwellennetz mit anderen Standorten übertragen.

Mit anderer Konfiguration und geringeren Sendeleistungen ist so ein Gleichwellennetz mit zuletzt vier weiteren Standorten noch einmal aufgebaut worden. Eine von der Radiokomunikace ausgesprochene massive Tariferhöhung zwang Radio Dechovka jedoch dazu, dieses Mittelwellennetz wieder aufzugeben.

Radio Dechovka auf 792 und 1233 kHz
Davon ist seit April 2021 nur noch der Sender auf 792 kHz übrig | © Radio Dechovka

Damit sind auf 1233 kHz in ganz Europa nur noch zwei Kleinsender mit jeweils 500 Watt in England aktiv. Sie übertragen Absolute Radio, um Verwirrungsbereiche der Hauptfrequenz des dritten britischen Mittelwellennetzes, 1215 kHz, aufzufüllen.

Von einer Dominanz auf dem Kontinent kann damit natürlich keine Rede sein. Abends mitunter zu erahnen sind deshalb jetzt die Sender in Kenia. Zuvor erreichten keine terrestrischen Hörfunksignale aus dem ostafrikanischen Land mehr Europa, seit die dortigen Kurzwellensender im vorletzten Jahrzehnt stillgelegt wurden.

Radio Dechovka seinerseits hatte mit der Abkündigung der Sender auf 1233 kHz die Mittelwelle nicht verlassen. Weiterhin ausgestrahlt wird das Programm auf 792 kHz, einer anderen früheren Zbraslav-Frequenz, die in den 80er Jahren für Erweiterungen des Verkehrsfunks zu speziellen Magazinsendungen bekannt war.

Seit 2016 von Radio Dechovka mit bis zu 10 kW eingesetzt wird die Frequenz nun aus Stěžery bei Hradec Kralové (Königgrätz). Die erneute Nutzung dieser Sendestation ist eine private Initiative; die Radiokomunikace hatte sich hier 2004 zurückgezogen.

Die Sendestation Zbraslav ihrerseits ist allerdings auch noch aktiv. Schon seit den 90er Jahren kommt hier auf 1062 kHz mit 20 kW Country Radio, das sein Konzept schon im Namen zum Ausdruck bringt.

Diese Frequenz wurde nachträglich international koordiniert, wobei zwingend ein Schutz des ebenfalls auf 1062 kHz aktiven Senders Kalundborg (Dänemark) zu berücksichtigen war. Das hat sich an sich zwar erledigt; der Mittelwellenbetrieb in Kalundborg ist seit 2009 eingestellt, was sich 2012 in der Sprengung des Mastes manifestierte.

Die Schutzauflagen blieben davon jedoch unberührt. Deshalb läuft die Mittelwelle 1062 kHz in Zbraslav bis heute zwischen 19.00 und 6.00 Uhr, in dem für solche nächtliche Einschränkungen in Mitteleuropa üblichen festen Zeitfenster, nur mit massiv auf 1 kW reduzierter Leistung.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 11.06.2022