Acht Jahre nach der Abschaltung

Stand der Dinge beim Sender Wilsdruff

Bis heute ist der 153 Meter hohe Mast, der bis 2013 als Hauptantenne des Mittelwellensenders Wilsdruff diente, als prägende Landmarke an der Autobahn von Dresden nach Chemnitz und Leipzig vorhanden. Das könnte sich allerdings kurzfristig ändern.

Sender Wilsdruff
Blick von der Autobahn auf die Sendestation Wilsdruff | © Kai Ludwig

Wie der Förderverein Funkturm Wilsdruff in seiner Internetpräsenz mitteilt, habe er am 3. Juni 2021 die Information über eine Sprengung des Mastes am 8. Juni erhalten. Diese sei am Vortag abgesagt worden, da die Autobahn GmbH auf einer so kurzfristig nicht auszusprechenden Totalsperrung bestehe.

Alle Aussagen und Aktivitäten zur Erhaltung weiterer Anlagenteile beziehen sich von vornherein nur noch auf das Antennenhaus, in dem sich die ab 1998 eingesetzte Sendetechnik befand. Dazu siehe den bislang jüngsten Eintrag in diesem Forenstrang.

Stand vom 08.06.2021



Der Sendebetrieb ruht in Wilsdruff, seit der Mitteldeutsche Rundfunk seine Ausstrahlungen auf Mittelwelle am 6. Mai 2013 (bezogen auf die tatsächliche Abschaltung der Sender) eingestellt hat. Die bis dahin ebenfalls noch genutzten Antennen in Reichenbach bei Görlitz und in Wiederau bei Pegau wurden wenige Monate später abgerissen.

Wilsdruff, 1044 kHz
Ein Foto aus dem Vorfrühling 2013 | © Kai Ludwig

Die Sendestation Wilsdruff ist als Gesamtensemble ein Denkmal, was den kurzfristigen Abbruch des charakteristischen Hauptmastes verhinderte. Alle anderen Antennen und Außenanlagen, die ebenfalls dem Denkmalschutz unterlagen, sind hingegen schon um 2005 „verschwunden“.

Sender Wilsdruff
Antennenpark 2002 noch vollständig mit Hauptmast „J“, Dreieckflächenantenne „K“ und 20-kW-Antenne „SO“ | © Kai Ludwig

Nach mancher Meinung etwas zu stark auf die Jahre 1968/1969 reduziert wird landläufig die Geschichte des Senders Wilsdruff.

Gemeint sind die Vltava-Sendungen auf 1430 kHz, seinerzeit eine bekannte, sonst aus Berlin-Köpenick betriebene Frequenz von Radio Berlin International. Auch sonst scheint keine besondere Mühe darauf verwendet worden zu sein, die DDR als Herkunft dieser Sendungen zu verschleiern.

Ein Jahrzehnt später gab es noch einen weiteren Geheimsender, der keiner war: In polnischer Sprache, produziert in einer abgeschirmten Baracke auf dem Berliner Funkhausgelände unter besonderen Verschwiegenheitsverpflichtungen – nur, um dann ganz offen als Sendung von Stimme der DDR über den Langwellensender Zehlendorf zu laufen.

Auch diesbezüglich gab man sich bei den Sendungen in die Tschechoslowakei keine besondere Mühe: Sie kamen gleich aus dem regulären Studiotrakt im Block A, konkret aus dem Sendekomplex K4.

Sender Wilsdruff
Fensterfront des Sendersaales in Wilsdruff, davor das Antennenhaus der bereits abgerissenen Flächenantenne | © Kai Ludwig

Auf ganz andere Weise rückte der Sender Wilsdruff ab dem 1. Juli 1992 in den Fokus: Mit der Aufschaltung von Jugendradio DT64, das zugleich sowohl die noch verbliebenen UKW-Frequenzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als auch die großflächige Übernahme durch den damaligen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg verloren hatte.


Am letzten Tag dieser Ausstrahlung ergab sich dann auch die Gelegenheit für einen ausführlichen Einblick in die original aus dem Jahre 1953 stammende Sendetechnik:

Zu den Motiven aus dem für die Sendung genutzten früheren Tonwagen des Deutschen Fernsehfunks ist auch zu hören, wie „hier alles anfing“. Sprecher dieses Trailers ist Wolfram Heß, der ein Original aus seiner eigenen Sendung adaptierte.

 

Autor: Kai Ludwig