Zur Erhaltung des Mastes

Förderverein Funkturm Wilsdruff gegründet

Im Februar hatte der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge den Abbruch der 153 Meter hohen Antenne des Mittelwellensenders Wilsdruff genehmigt. Das rief die Wilsdruffer Bürgerschaft auf den Plan, und zwar nicht nur mit einer Unterschriftensammlung: Am 20. Mai gründete sich ein Förderverein für den Erhalt dieses Denkmals.

Sender Wilsdruff
Blick von der Autobahn auf die Sendestation Wilsdruff | © Kai Ludwig

Vorbild der Aktivitäten ist das Beispiel Königs Wusterhausen. Wie die dortigen Erfahrungen zeigen, ist die museale Erhaltung eines solchen Bauwerks ein durchaus realistisches Vorhaben.

Der Sendebetrieb ruht in Wilsdruff, seit der Mitteldeutsche Rundfunk seine Ausstrahlungen auf Mittelwelle am 6. Mai 2013 (bezogen auf die tatsächliche Abschaltung der Sender) eingestellt hat. Die bis dahin ebenfalls noch genutzten Antennen in Reichenbach bei Görlitz und in Wiederau bei Pegau wurden wenige Monate später eliminiert.

Wilsdruff, 1044 kHz
Ein Foto aus dem Vorfrühling 2013 | © Kai Ludwig

Die Sendestation Wilsdruff ist als Gesamtensemble ein Denkmal, was den kurzfristigen Abbruch des charakteristischen Hauptmastes verhinderte. Alle anderen Antennen und Außenanlagen, die ebenfalls dem Denkmalschutz unterlagen, sind hingegen schon um 2005 „verschwunden“.

Auch der Erhalt der Innenanlagen ist eine Herausforderung. Ein Beispiel dafür ist die alte Mittelwellenanlage in Wiederau, bei der bestimmte Liebhaberteile (in erster Linie die Senderöhren) bei einem Einbruch gezielt entwendet wurden.

Sender Wilsdruff
Antennenpark 2002 noch vollständig mit Hauptmast „J“, Dreieckflächenantenne „K“ und 20-kW-Antenne „SO“ | © Kai Ludwig

Auf funkturm-wilsdruff.de findet sich eine erste Vorstellung des Vereins. Aufgenommen sind auch Links zu den bisher zu diesem Thema erschienenen Presseberichten, die nach mancher Meinung die Geschichte des Senders etwas zu stark auf die Jahre 1968/1969 reduzieren.

Gemeint sind die damaligen Vltava-Sendungen auf 1430 kHz, seinerzeit eine bekannte, sonst aus Berlin-Köpenick betriebene Frequenz von Radio Berlin International. Auch sonst scheint keine besondere Mühe darauf verwendet worden zu sein, die DDR als Herkunft dieser Sendungen zu verschleiern.

Ein Jahrzehnt später gab es noch einen weiteren Geheimsender, der keiner war: In polnischer Sprache, produziert in einer abgeschirmten Baracke auf dem Berliner Funkhausgelände unter besonderen Verschwiegenheitsverpflichtungen – nur, um dann ganz offen als Sendung von Stimme der DDR über den Langwellensender Zehlendorf zu laufen.

Auch diesbezüglich gab man sich bei den Sendungen in die Tschechoslowakei keine besondere Mühe: Sie kamen gleich aus dem regulären Studiotrakt im Block A, konkret aus dem Sendekomplex K4 (Panoramabilder hier; „Switch Floor“ anklicken, weiter siehe die erscheinende Lageskizze „First Floor“).

Sender Wilsdruff
Fensterfront des Sendersaales in Wilsdruff, davor das Antennenhaus der bereits abgerissenen Flächenantenne | © Kai Ludwig

Auf ganz andere Weise rückte der Sender Wilsdruff ab dem 1. Juli 1992 in den Fokus: Mit der Aufschaltung von Jugendradio DT64, das zugleich sowohl die noch verbliebenen UKW-Frequenzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als auch die großflächige Übernahme durch den damaligen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg verloren hatte.


Am letzten Tag dieser Ausstrahlung ergab sich dann auch die Gelegenheit für einen ausführlichen Einblick in die original aus dem Jahre 1953 stammende Sendetechnik:

Zu den Motiven aus dem für die Sendung genutzten früheren Tonwagen des Deutschen Fernsehfunks ist auch zu hören, wie „hier alles anfing“. Sprecher dieses Trailers ist Wolfram Heß, der ein Original aus seiner eigenen Sendung adaptierte.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.05.2019