Sechs Jahre nach der Abschaltung

Mittelwellenmast Wilsdruff darf abgerissen werden

Der 153 Meter hohe Antennenmast des Mittelwellensenders Wilsdruff darf, obwohl er unter Denkmalschutz steht, abgerissen werden. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erteilte eine entsprechende Genehmigung, von der in den kommenden Monaten Gebrauch gemacht werden soll.

Sender Wilsdruff
Blick von der Autobahn auf die Sendestation Wilsdruff | © Kai Ludwig

Gegenüber dem MDR sagte der zuständige Abteilungsleiter des Landratsamtes, Heiko Weigel, dazu:

„Wir haben nach einem langen Prozess, in dem es auch viele Bemühungen gab, neue Eigentümer zu finden, und in einem aufwendigen Verwaltungsverfahren dem Eigentümer zum Schluss die Genehmigung erteilt, das Denkmal abzureißen, weil es ihm tatsächlich wirtschaftlich nicht zumutbar ist, es auf Dauer zu erhalten.“
Wilsdruff, 1044 kHz
Ein Foto aus dem Vorfrühling 2013 | © Kai Ludwig

Das Bauwerk ist ohne Funktion, seit der Mitteldeutsche Rundfunk seinen Sendebetrieb auf Mittelwelle am 6. Mai 2013 (bezogen auf die tatsächliche Abschaltung der Sender) eingestellt hat. Die anderen zuletzt noch genutzten Antennen in Reichenbach bei Görlitz und in Wiederau bei Pegau wurden wenige Monate später, im Juli bzw. September 2013, eliminiert.

Schon seinerzeit sollte auch der Mast in Wilsdruff verschwinden. Die Genehmigung dafür wurde jedoch zunächst versagt.

Sender Wilsdruff
Antennenpark 2002 noch vollständig mit Hauptmast „J“, Dreieckflächenantenne „K“ und 20-kW-Antenne „SO“ | © Kai Ludwig

2014 veranstalteten Freunde des Senders Wilsdruff ein Symposium, das Wege zur musealen Erhaltung der Anlage aufzeigen sollte. Der Beitrag des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf dieser Veranstaltung war ein regelrechter Versuch, das Vorhaben „abzumoderieren“.

Die Stadt Wilsdruff ihrerseits signalisierte Unterstützung im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Zu einer Übernahme des Mastes in kommunale Trägerschaft, wie es in Königs Wusterhausen der Fall ist, kam es indes nicht.

Ein Vortrag des Landesamtes für Denkmalpflege betonte auf diesem Symposium den Umfang des Denkmalschutzes: Er bezieht sich auf die gesamte Sendestation. Die um 2005 erfolgten Abrisse der anderen Antennen waren somit illegal.

Als Beispiel dafür, wie schwierig auch die Erhaltung der Ausrüstungen im Technikgebäude ist, nannte der Vertreter des Landesamtes die Sendestation Wiederau. Was aus den Gebäuden und den darin befindlichen Geräten in Wilsdruff werden soll, ist unklar.

Sender Wilsdruff
Fensterfront des Sendersaales in Wilsdruff, davor das Antennenhaus der bereits abgerissenen Flächenantenne | © Kai Ludwig


Zu besonderer Bekanntheit kam der Sender Wilsdruff als „Winterquartier“ von Jugendradio DT64, vom Verlust aller UKW-Frequenzen am 1. Juli 1992 bis zur Umwandlung in das heutige MDR Sputnik (seinerzeit als Satellitenprogramm):


Am letzten Tag dieser Ausstrahlung ergab sich dann doch noch die Gelegenheit für einen ausführlichen Einblick in die original aus dem Jahre 1953 stammende Sendetechnik:

Zur Begleitung der Motive aus dem für die seinerzeitige Sendung genutzten früheren Tonwagen des Deutschen Fernsehfunks ist auch zu hören, wie „hier alles anfing“. Sprecher dieses Trailers ist Wolfram Heß, der ein Original aus seiner eigenen Sendung adaptierte.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 10.02.2019