Den Umständen geschuldet

Stille in Wilsdruff

Den bekannten Umständen zum Opfer gefallen ist der Plan, im Mai aus Wilsdruff erneut einen Kleinstsender auf der altbekannten Frequenz 1044 kHz zu betreiben. Die Stille ist allerdings auch eine gute Nachricht: Aus Bestrebungen, auch noch den Hauptmast der Wilsdruffer Mittelwellenstation zu eliminieren, ist bis heute nichts geworden.

Sender Wilsdruff
Blick von der Autobahn auf die Sendestation Wilsdruff | © Kai Ludwig

Wieder gewachsen ist die Zuversicht, diese markante Landmarke an der von Dresden nach Westen führenden Autobahn erhalten zu können, durch die Entwicklungen beim 2012 abgeschalteten Mittelwellensender Mühlacker bei Stuttgart. Dessen Hauptmast ist in die Hände neuer Eigentümer übergegangen.

Eine Darstellung der Entwicklungen in Wilsdruff geben die Seiten des dort 2019 gegründeten Fördervereins und ein Forenthread.

Stand vom 18.05.2020



Der Sendebetrieb ruht in Wilsdruff, seit der Mitteldeutsche Rundfunk seine Ausstrahlungen auf Mittelwelle am 6. Mai 2013 (bezogen auf die tatsächliche Abschaltung der Sender) eingestellt hat. Die bis dahin ebenfalls noch genutzten Antennen in Reichenbach bei Görlitz und in Wiederau bei Pegau wurden wenige Monate später abgerissen.

Wilsdruff, 1044 kHz
Ein Foto aus dem Vorfrühling 2013 | © Kai Ludwig

Die Sendestation Wilsdruff ist als Gesamtensemble ein Denkmal, was den kurzfristigen Abbruch des charakteristischen Hauptmastes verhinderte. Alle anderen Antennen und Außenanlagen, die ebenfalls dem Denkmalschutz unterlagen, sind hingegen schon um 2005 „verschwunden“.

Auch der Erhalt der Innenanlagen ist eine Herausforderung. Ein Beispiel dafür ist die alte Mittelwellenanlage in Wiederau, bei der bestimmte Liebhaberteile (in erster Linie die Senderöhren) bei einem Einbruch gezielt entwendet wurden.

Sender Wilsdruff
Antennenpark 2002 noch vollständig mit Hauptmast „J“, Dreieckflächenantenne „K“ und 20-kW-Antenne „SO“ | © Kai Ludwig

Nach mancher Meinung etwas zu stark auf die Jahre 1968/1969 reduziert wird landläufig die Geschichte des Senders Wilsdruff.

Gemeint sind die Vltava-Sendungen auf 1430 kHz, seinerzeit eine bekannte, sonst aus Berlin-Köpenick betriebene Frequenz von Radio Berlin International. Auch sonst scheint keine besondere Mühe darauf verwendet worden zu sein, die DDR als Herkunft dieser Sendungen zu verschleiern.

Ein Jahrzehnt später gab es noch einen weiteren Geheimsender, der keiner war: In polnischer Sprache, produziert in einer abgeschirmten Baracke auf dem Berliner Funkhausgelände unter besonderen Verschwiegenheitsverpflichtungen – nur, um dann ganz offen als Sendung von Stimme der DDR über den Langwellensender Zehlendorf zu laufen.

Auch diesbezüglich gab man sich bei den Sendungen in die Tschechoslowakei keine besondere Mühe: Sie kamen gleich aus dem regulären Studiotrakt im Block A, konkret aus dem Sendekomplex K4 (Panoramabilder hier; „Switch Floor“ anklicken, weiter siehe die erscheinende Lageskizze „First Floor“).

Sender Wilsdruff
Fensterfront des Sendersaales in Wilsdruff, davor das Antennenhaus der bereits abgerissenen Flächenantenne | © Kai Ludwig

Auf ganz andere Weise rückte der Sender Wilsdruff ab dem 1. Juli 1992 in den Fokus: Mit der Aufschaltung von Jugendradio DT64, das zugleich sowohl die noch verbliebenen UKW-Frequenzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen als auch die großflächige Übernahme durch den damaligen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg verloren hatte.


Am letzten Tag dieser Ausstrahlung ergab sich dann auch die Gelegenheit für einen ausführlichen Einblick in die original aus dem Jahre 1953 stammende Sendetechnik:

Zu den Motiven aus dem für die Sendung genutzten früheren Tonwagen des Deutschen Fernsehfunks ist auch zu hören, wie „hier alles anfing“. Sprecher dieses Trailers ist Wolfram Heß, der ein Original aus seiner eigenen Sendung adaptierte.

 

Autor: Kai Ludwig