Alex Jones - WWCR und seine Sendekunden

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Die unscheinbaren Rhombusantennen bei Nashville | © WWCR

Mit einem spektakulären Urteil fällt wieder einmal grelles Licht auf eine Kurzwellenstation in den USA. Es geht um WWCR im Bundesstaat Tennessee mit einem seit zwei Jahrzehnten treuen Sendekunden: Dem Verschwörungsideologen Alex Jones.

Jones behauptet, insolvent zu sein und den Schadenersatz von fast einer Milliarde Dollar, zu dem er verurteilt wurde, nicht zahlen zu können. Zugleich ist er aber nach wie vor in der Lage, Sendezeit zu bestellen: Seine „Infowars“ sind bei WWCR unverändert im Programm.

WWCR entstand 1989 als ganz spezielle Erweiterung einer Mittelwellenstation. Bei der Wahl der Sendekunden war man von Anfang an nicht wählerisch. Auf Sendung kam somit 1993 für einige Zeit auch Ernst Zündel.

Noch unempfindlicher war in dieser Hinsicht zwar eine andere Station (WRNO, New Orleans), die aber in Europa kaum zu empfangen ist. Somit war es WWCR, das auf diese Weise in den deutschsprachigen Ländern zu Bekanntheit über die Nische hinaus gelangte.

Wohin Extremismus führen kann, bekam WWCR selbst zu spüren: Linksradikale verübten 1993 einen Brandanschlag auf die Station, die dabei ihre gesamte Sendetechnik verlor und bis zu einem Neuaufbau lahmgelegt war.

Die Anhänger von WWCR und ähnlichen Projekten führen gern die Ausstrahlung anderer Programme ins Feld, die durch so fragwürdige Kunden überhaupt erst möglich sei. Wie wenig dieses Argument überzeugt, zeigt der Fall eines anderen Senders, der seinerzeit noch dringender Geld brauchte: Das gerade in „Stimme Russlands“ umbenannte Radio Moskau.

1996 gelang es Ernst Zündel, an Sendeplätze auf einer Großmittelwelle im Gebiet Kaliningrad zu kommen. Da seine Holocaustleugnung für die Techniker des Abspieldienstes in Moskau hinter der Sprachbarriere verborgen blieb, kam es insgesamt zu zwei Ausstrahlungen.

Vermutlich ging Zündel davon aus, keine unmittelbar wirksamen Aktionen aus den schillernden Metropolen dieser Welt zu befürchten zu haben. Das schließt seinen Wohnort Toronto ein, wo der Tod von Ernst Zündel im Jahre 2017 noch Nachrufe wert war.

Wie aus einschlägigen Äußerungen – diese interessanterweise nicht in deutscher, sondern in englischer Sprache – hervorging, wurmte ihn durchaus, von wo aus der „Zündelei“ aus Kaliningrad ein schnelles Ende bereitet wurde: Aus zwei inzwischen abgerissenen Plattenbauten in der tiefsten ex-DDR.

Der „Trick“ lag darin, die deutsche Redaktion in Moskau anzusprechen. Da Ernst Zündel dort noch kein Begriff war, ließen die Journalisten sich eines dieser Sendebänder auflegen – und hörten mit Entsetzen, was die unbedarften Sendezeitverkäufer ihres Hauses da abgenommen hatten.

Tagesschau, 19.04.1993: Waco – Sektenzentrum abgebrannt
© ARD-aktuell

Das Genre der Verschwörungstheorien bedient WWCR spätestens seit 1993. Ins Programm kamen seinerzeit die Sendungen von William Cooper, bei dem die Vorgänge in Waco ein ganz großes Thema waren.

Das brachte WWCR zwei Jahre später dann doch in gewisse Bedrängnis: Nach dem Anschlag von Oklahoma berief sich der Attentäter ausdrücklich auf William Cooper. Ein von Anhängern sonst gewissenhaft gepflegtes Archiv der Cooper-Sendungen („Hour of the Time“) wies prompt Lücken im Frühjahr 1993 auf und ist an bekannter Stelle nun ganz verschwunden.

Vor den Sendungen bei WWCR gab es 1992 bereits Übertragungen im damaligen „Becker Satellite Network“. Dessen Betreiber gehört zu den Partnern von Allan Weiner, der 1998 die Kurzwellenstation WBCQ gründete und die Sendung von Cooper sogleich ins Programm nahm.

Bei WBCQ lief die „Hour of the Time“ noch bis 2005. Nach dem Tod von William Cooper im Jahre 2001 übernahm die Sendung ein Doyel Shamley, der später bei den Republikanern einstieg. 2020 wollte Shamley sich zur Wahl für das Repräsentantenhaus aufstellen lassen, wurde dann aber doch nicht nominiert.

Ein ausführlicher Beitrag über WWCR sollte auch eine Stellungnahme von dessen langjährigem Leiter enthalten. Zu bieten hatte dieser George McClintock indes nur eine Tirade darüber, wie WWCR die „wirklichen Leute“ repräsentiere und Kritik am Sender seine verfassungsmäßigen Grundrechte verletze.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 28.10.2022