USA

Ein Nachtrag zu: QAnon und der Rundfunk

Unmittelbar nach dem 6. Januar 2021 war an dieser Stelle von der Kurzwellenstation WWCR in Nashville, US-Bundesstaat Tennessee, zu sprechen. Nun kam die Zeitschrift „Nashville Scene“ auf das Thema zurück.

WWCR
Die unscheinbaren Kurzwellen-Rhombusantennen bei Nashville | © WWCR

Der ausführliche Beitrag über die Station, deren Zufahrtsweg den bombastischen Namen „WWCR-Allee“ trägt, beschäftigt sich auch mit Allan Weiner, den späteren Gründer der Station WBCQ.

Näher betrachtet werden einige der Sendungen von Verschwörungstheoretikern, die bei WWCR einst im Vordergrund standen. Das ist jetzt, so die Einschätzung der Zeitschrift, einzig durch deren Abwanderung ins Internet nicht mehr der Fall.

Beschrieben wird, wie eine dieser Sendungen den bekannten Talkshow-Moderator Art Bell bezichtigte, ein Kinderschänder zu sein. Täter, die „das sühnen“ wollten, verschleppten und vergewaltigten Bells Sohn. Dafür fand WWCR sich von Art Bell verklagt.

Der langjährige Leiter von WWCR, George McClintock, äußert sich zu diesem Thema nicht. Die Anfrage von „Nashville Scene“ beantwortete er mit einer Tirade über amerikanische Prozesshanselei und darüber, wie WWCR die „wirklichen Leute“ repräsentiere und Kritik am Sender seine verfassungsmäßigen Grundrechte verletze.

McClintock hat WWCR inzwischen verlassen und die neue Station WTWW aufgebaut.

Stand vom 03.11.2021



Bericht vom 8. Januar 2021:

Der 6. Januar 2021 lenkte den Blick auf das Phänomen QAnon. Sucht man nach dessen Ursprüngen, gelangt man zum Hörfunk und seiner ganz speziellen Nische, der Kurzwelle. Die Einzelheiten finden sich in Bild und Text bei AZcentral.

Es geht um William Cooper, der Verschwörungstheoretikern als Märtyrer gilt, seit er 2001 von der Polizei bei einem Versuch, ihn festzunehmen, erschossen wurde. Seine Sicht auf die Welt artikulierte Cooper außer in einem Buch, das drei Jahrzehnte nach dem Erscheinen weiterhin ein Bestseller ist, auch im Radio.

Wichtigster Sendepartner war dabei WWCR, eine Kurzwellenstation bei Nashville in Tennessee, die in Deutschland außerhalb des engsten Kreises von Kurzwellenanhängern für etwas anderes bekannt ist: Die Verbreitung der Sendungen von Ernst Zündel.

Für mehr zu diesen Themen siehe die gesonderten, schon früher erschienenen Beiträge. Mit den weiteren, jetzt in den Vordergrund rückenden Zusammenhängen beschäftigen sich zwei aktuelle Kommentare:


„‚The Hour of the Time‘ lief ursprünglich ab 1993 auf WWCR. Damals war WBCQ noch nicht auf Sendung, aber viele der zu dieser Zeit bestehenden Kurzwellenstationen verbreiteten ‚patriotische‘ Programme. Das hörte für einige Zeit bzw. im Falle von WINB für immer auf, nachdem es einen rechtsgerichteten Anschlag gab.
Ich darf an diese Verbindung erinnern: Zum Attentat in Oklahoma 1995. Timothy McVeigh war ein eifriger Hörer der ‚Hour of the Time‘. Und am 11. September 2001 dachte ich im ersten Moment tatsächlich, es handele sich um eine weitere ‚patriotische‘ Aktion.
Der auch als ‚Patriotismus‘ bekannte Hass, den wir gerade in Washington gesehen haben, hat eine lange Vorgeschichte, die sich in den Sendungen der privaten Stimmen Amerikas widerspiegelt.
Übrigens, als sich Vizepräsident Pence öffentlich impfen ließ, machte der Kommentator Ihrer Inspiration für alternative Wahrheiten (4840 kHz...) die Vorhersage, dass Pence demnächst damit beginnen werde, gegen den legitimen Präsidenten zu arbeiten, nachdem er nun umprogrammiert sei ...
Dr. Hansjörg Biener

„Die ältesten Sendungen der ‚Hour of the Time‘, von denen ich weiß, stammen von 1992. Sie liefen seinerzeit im Becker Satellite Network, mit der Ansage ‚Spacenet 2, channel 7, 7.5 audio‘.
Scott Becker betrieb diesen Satellitenkanal in den frühen 90er Jahren. Dort kamen auch Sendungen von Johnny Lightning, die schließlich zum Mantel von ‚Radio New York International‘ wurden, das in den 90ern für einige Zeit bei WWCR lief und schließlich 1998 bei WBCQ eine dauerhafte Heimat fand.
Scott gehörte auch zu den Partnern, die 1993 bei dem gescheiterten Sendeschiff-Projekt von Allan Weiner (M/V Furry) beteiligt waren.
Die durchnummerierten Ausgaben der ‚Hour of the Time‘ begannen 1993 mit der ersten Sendung bei WWCR. Fast alle dieser Ausgaben sind im Internet verfügbar, wenn auch in sehr schlechter Qualität.
WBCQ nahm seinen Betrieb im September 1998 auf und sendete die ‚Hour of the Time‘ über viele Jahre. Nach Coopers Tod im Jahre 2001 wurde die Sendung in der Verantwortung von Doyle Shamley noch bis ungefähr 2005 fortgesetzt.
Im Archiv von WBCQ befinden sich hunderte Kassetten, die von Cooper selbst stammen, viele davon von vor 1998. Einige davon sind unbeschriftet und könnten aus der Zeit noch vor der Ausstrahlung bei WWCR stammen.
Es finden sich auch zahlreiche Aufzeichnungen von Sendungen aus der Zeit nach Coopers Tod, bei denen es sich um Wiederholungen handelte. Diese Aufnahmen wurden bei WBCQ allerdings vom Sendemischpult gemacht und sind von verschiedener Art Telefonqualität.“
„Radio Free Mountairy“


Die als Andeutung genannte Frequenz im 60-Meterband bezieht sich auf aktuelle Ausstrahlungen von WWCR.

 

Autor: Kai Ludwig