„War Room Pandemic“

Stephen Bannon nicht mehr auf Kurzwelle

Ab dem 21. Februar 2020 hatte Stephen Bannon eine täglich einstündige Sendung über die Kurzwellenstation Kostinbrod bei Sofia verbreitet. Am 19. April fand diese Episode nun wieder ihr Ende. Dem Vernehmen nach hat Bannon die Sendezeit umstandslos und ohne Nennung von Gründen abgekündigt.

War Room Pandemic
© Stephen Bannon

Das betrifft allerdings nur die terrestrische Ausstrahlung. Das Format mit dem Titel „War Room Pandemic“ wird weiter produziert und online verbreitet, wie es bereits bei seinem Start im Januar geschah. Es handelt sich um einen Ableger des Podcastformats „War Room 2020“, mit dem Bannon in den Präsidentschaftswahlkampf eingreift.

Auch der Pandemie-Ableger verfolgt Bannons politische Agenda. Dazu gehört aktuell die Propagierung der Theorien über ein Virenlabor in Wuhan. Die Art und Weise, in der dieses Thema hochgekocht wird, erinnert Beobachter in den USA bereits an die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein.

Auf Kurzwelle lief die Bannon-Sendung gleich dreimal; jeden Tag nacheinander mit den Abstrahlrichtungen Asien, Mittel-/Westeuropa und Afrika. Arrangiert wurden die Ausstrahlungen, und das mit sichtlichem Stolz, durch den Italian Radio Relay Service.

Dabei legte der IRRS die Ausstrahlung nach Europa für drei Wochen im März auf jene Frequenz (7295 kHz), auf der zur gleichen Zeit bereits die deutsche Sendung des iranischen Rundfunks IRIB lief. Begründet wurde dieser im besten Fall rücksichtslose Frequenzwechsel mit der Belegung des zuvor genutzten Kanals (7290 kHz) aus China.


Stephen Bannon war in den vergangenen zwei Monaten der mit Abstand größte Sendekunde des IRRS. Am 4. März kam ein Kunde mit einer Stunde pro Tag hinzu, der aber schon zum 1. April wieder verloren ging: Die Wiederaufnahme der Hörfunksendungen des Oromia Media Network blieb eine Eintagsfliege.

Damit ist der IRRS wieder auf seine üblichen, kleinteiligeren Sendungen zurückgeworfen. Jeweils am Sonnabend läuft von 17.00 bis 17.30 Uhr (Zeitangaben in MESZ) auf 15515 kHz mit der Abstrahlrichtung Äthiopien das Radio Warra Wangeelaa der Union of Oromo Evangelical Churches of Europe.

Mit unterschiedlichen Beiträgen bespielt werden die Programmblöcke für Europa: Täglich von 20.00 bis 21.00 Uhr auf 7290 kHz sowie sonnabends von 10.00 bis 11.00 Uhr und sonntags von 11.30 bis 14.00 Uhr auf 9510 kHz.

Die hierzu traditionell erscheinende Angabe „Milano 150 kW“ dient lediglich der Verschleierung. Zu deren Rechtfertigung verweist der IRRS auf den harten Wettbewerb mit anderen Sendedienstleistern, in dem man stehe.

Regelrechten Streit gibt es darüber, woher die Wochenendsendungen auf 9510 kHz tatsächlich kommen. In Betracht kommen jedoch nur zwei Möglichkeiten: Rumänien oder wiederum Bulgarien. Bei den beiden anderen Frequenzen ist die Sendestation Kostinbrod als Herkunft der Signale unstrittig.


Bannon seinerseits schaltete sich gerade erneut in eine andere Debatte ein: Die neuerdings von Donald Trump forcierte Konfrontation mit der Voice of America, der er nun mit Macht einen neuen Generaldirektor aller US-Auslandssender vorsetzen möchte.

Zur regelrechten Voodoopuppe avancierte dabei Amanda Bennett, die Direktorin der VOA. Stephen Bannon nannte Amanda Bennett „eine klassische nützliche Idiotin“, die der Linie der Kommunistischen Partei Chinas folge.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Glenn Hauser; Stand vom 22.04.2020