Ankündigungen und Tatsachen - Der AM-Rundfunk und die Strompreise

Voice of Hope, Los Angeles
Kurzwellenantenne der Voice of Hope bei Los Angeles | © KVOH

Die bekannte Entwicklung bei den Energiepreisen ist für die noch verbliebenen Reste des AM-Rundfunks der sprichwörtliche Elefant im Raum. Über Geraune hinter vorgehaltener Hand hinaus gehen eine Ankündigung aus den Niederlanden sowie eine aus den USA bereits zu meldende Tatsache.

Die Ankündigung kommt von „The Mighty KBC“, dem Projekt eines Enthusiasten. Er konnte 2009 mit einer eigenen Mittelwellenfrequenz in den Niederlanden seinen Traum verwirklichen, jedoch schon 2011 die Betriebskosten nicht mehr finanzieren.

Ersatz waren Ausstrahlungen über die Kurzwellensender der Media Broadcast in Deutschland. Das zeitweise umfangreiche Programm für Europa fand 2016 mit dem Verweis auf „fehlende neue Sponsoren“ wieder sein Ende. Übrig blieb nur eine wöchentliche Sendung nach Nordamerika (derzeit in der Nacht zu Sonntag von 2.00 bis 4.00 Uhr auf 5960 kHz).

Nun werden unter Verweis auf die „neuen Energiepreise“ wieder „neue Sponsoren“ gesucht. Ansonsten, so die Formulierung in der Sendung, bestehe die „good chance“ einer Einstellung der Sendung zum Jahresende: „Es tut mir leid, aber wir haben keine andere Wahl.“

Davon, keine andere Wahl mehr zu haben, sprachen gerade auch die Betreiber der Kurzwellenstation KVOH in Los Angeles.

Nach ihren Worten steht die Stromversorgung in Kalifornien am Rande des Zusammenbruchs. Im September sei die Lage in bestimmten Gebieten zu rotierenden Stromsperren eskaliert. Davon betroffen gewesen sei auch Simi Valley, wo sich die Sendestudios dieser Station befinden.

Binnen weniger Monate habe sich der Preis, den der Energieversorger der Station berechnet, mehr als verdoppelt. Deshalb müsse man die Ausstrahlungen vom 17. September 2022 an einschränken.

Auf 9975 kHz gesendet wird jetzt nur noch an den Abenden (Ortszeit) des Freitags, Sonnabends und Sonntags, bezogen auf MESZ von 2.00 bis 7.00 Uhr. Die erste halbe Stunde der Sonntagssendung enthält Beiträge in spanischer Sprache.

Die Onlineverbreitung bleibt davon unberührt. Hier läuft jeweils ab 7.00 Uhr eine Wiederholung der Kurzwellensendung, danach von 12.00 bis 2.00 Uhr ein durchweg spanisches Programm. An diesem Schema soll sich auch mit dem Ende der Sommerzeit nichts ändern.

So hört sich der jetzt nur noch 15 Stunden pro Woche aktive Sender in den USA an:

Die Betreiber dieser Voice of Hope (der Name taucht in der Rundfunkwelt mehrfach auf) waren ursprünglich als „High Adventure“ bekannt und von 1978 bis 2000 aus dem Südlibanon aktiv.

Von 2017 bis Anfang 2020 lebten die Sendungen über eine israelische Mittelwelle noch einmal auf. Inzwischen gehen die Betreiber selbst nicht mehr davon aus, eine nochmalige Einschaltung des Senders finanzieren zu können, und halten ihre Studios am See Genezareth nur noch als Internetradio offen.

Der Sender in Los Angeles war ursprünglich ein Ableger der Station im Südlibanon. Aufgebaut und in Betrieb genommen wurde er 1986, um potentielle Migranten aus Lateinamerika anzusprechen. Über längere Zeit konnte jedoch nur ein geringer Teil des Programms mit den dafür geplanten Beiträgen in spanischer Sprache bestritten werden.

Das Ende der ursprünglichen Sendungen im Südlibanon führte zu einer Aufspaltung, mit der auch das heute unter anderem als Kunde der Media Broadcast aktive Bible Voice Broadcasting entstand. Die Station in Los Angeles ihrerseits wurde 2004 zunächst an eine spanische Gemeinde verkauft.

2011 kam die Station aber doch wieder zurück zu ihren ursprünglichen Betreibern. Der kaum noch zu haltende, aus dem Jahre 1968 stammende, einst gebraucht von Radio HCJB erworbene Sender wurde 2020 durch ein ebenfalls schon älteres, zuvor von Trans World Radio auf Guam betriebenes Gerät ersetzt.

In Sambia konnte die Voice of Hope gleich eine komplette Kurzwellenstation übernehmen und 2016 reaktivieren. Hier sollte der Sendebetrieb von den Finanznöten unberührt geblieben sein.

Aktuell vorgesehen sind Ausstrahlungen aus Sambia auf 4965 kHz von 18.00 bis 23.00 Uhr, auf 6065 kHz von 16.00 bis 23.00 Uhr, auf 9680 kHz von 6.00 bis 10.00 und von 14.00 bis 18.00 Uhr sowie auf 11680 kHz von 6.00 bis 10.00 Uhr. Zum 30. Oktober ergeben sich, sofern zu diesem Termin keine Änderungen vorgenommen werden, jeweils eine Stunde frühere Sendezeiten.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 11.10.2022