Kurzwelle - Die US-Auslandssender aus Kuwait

Sender Kuwait
Die US-Sendestation Kuwait; Hintergrund links die drehbare Antenne, rechts ein Teil der festen Kurzwellenantennen, im Vordergrund die Satellitentechnik aus Ismaning | © USAGM

Für die noch verbliebene Nutzung der Kurzwelle beim Auslandsrundfunk der USA spielt Kuwait eine immer größere Rolle. Das hat einen ganz handfesten Grund: Die dort besonders niedrigen Kosten für Elektroenergie.

Die Sendestation, um die es hier geht, befindet sich 35 Kilometer (Luftlinie) nordwestlich des Zentrums von Kuwait Stadt; an jenem Verkehrsweg, der seit dem Kuwait-Krieg als „Autobahn des Todes“ bekannt ist, nachdem hier ein Konvoi des sich zurückziehenden irakischen Militärs bombardiert wurde.

Angefangen hat es 1993 mit einem provisorischen, 50 kW starken Mittelwellensender. Er steht im Verdacht, auch die Signalquelle der inoffiziellen Sendungen zu sein, die von den USA bis 2003 auf verschiedenen Frequenzen oberhalb von 1500 kHz in den Irak gerichtet wurden.

1995 begann der Bau einer 600 kW starken Anlage für die Mittelwelle 1548 kHz. Sie erhielt eine aufwendige, aus sieben Türmen bestehende Antenne. Das machte es möglich, im Laufe der Jahre das bediente Zielgebiet mehrfach zu ändern: Vom Irak zu Saudi-Arabien, später dem Nahen Osten und schließlich wieder zurück zum Irak.

Nach dem 11. September 2001 entstand politischer Druck, die Sendungen kurzfristig zu erweitern. Die Lösung lag in einer Nutzung des 150 kW starken Mittelwellensenders von Radio Free Europe / Radio Liberty aus Oberlaindern bei Holzkirchen.

Dort gab es massive Kritik an den in der Umgebung der Sendestation erzeugten Feldstärken. Nachdem der nur noch geringe Versorgungswert der Mittelwelle 1593 kHz den politischen Schaden nicht mehr rechtfertigen konnte, endete am 8. April 2001 ihr Betrieb.

Dieser Sender wurde nun nach Kuwait umgesetzt und dort 2002 in Betrieb genommen, zufälligerweise wieder auf 1593 kHz.

Hier lief zunächst Radio Farda, das für den Iran bestimmte Programm von RFE/RL. Als neue Mittelwellensender bei Abu Dhabi zur Verfügung standen, schaltete RFE/RL den Sender zu seinem Irak-Programm um. Im Vorgriff auf die völlige, 2015 vollzogene Einstellung dieses Programms übernahm Alhurra die Frequenz 2013 für sein Radio Sawa.

Zwischen 2019 und 2021 – das hat bereits niemand mehr verfolgt – stellte der Sender schließlich den Betrieb ein. Probleme hatte es mit diesem älteren Gerät schon seit Jahren gegeben. So führten Ausfälle der Kühlung 2012 zur Zerstörung mehrerer Senderöhren.

Sender Holzkirchen/Oberlaindern, Mittelwelle
Die letzte Ausprägung der 2001 stillgelegten Mittelwellenanlage in Oberlaindern: Ein einzelner Mast für die Frequenz 1593 kHz | © Dr. Hansjörg Biener

Die Einbeziehung des Standorts Kuwait in den Kurzwellenbetrieb ist dem Afghanistan-Krieg geschuldet. Kurzfristig aufgebaut und 2003 in Betrieb genommen wurden vier Vorhangantennen und drei Sender aus der 1996 geschlossenen Station Glória in Portugal.

Parallel endete, nachdem die Abschaltung der Mittelwelle die Gemüter nicht beruhigen konnte, in Oberlaindern auch der Kurzwellenbetrieb. Damit wurden weitere vier Sender des bereits aus Glória bekannten, 250 kW starken US-amerikanischen Typs frei.

Einer davon ging 2005 in Kuwait wieder in Betrieb. Damit erweiterten sich die auf Kurzwelle bedienten Zielgebiete um China und den Iran, letzteres von Anfang an unter anderem auf der bis heute genutzten Frequenz 5860 kHz.

Wiederum parallel zog sich der Auslandsrundfunk der USA auch aus Ismaning und damit insgesamt aus Bayern zurück. Die noch bis 2007 in Ismaning betriebene Satelliten-Sendetechnik wurde ebenfalls nach Kuwait umgesetzt.

Sender Holzkirchen/Oberlaindern, Kurzwelle
Aus Sicht der Bürgerinitiativen: Zwei der 2003 stillgelegten Kurzwellenantennen und ein Wachturm in Oberlaindern

2006 beendeten die USA auch die Nutzung von Sendern in Griechenland. Zu ihnen gehörte eine 600 kW starke Mittelwellenanlage auf Rhodos. Nun entstand die Idee, sie wiederum nach Kuwait umzusetzen und zur Verstärkung der Ausstrahlungen von Radio Farda einzusetzen.

Eigentlich sollte der erneute Aufbau bis 2008 realisiert werden. Doch daraus wurde nichts; das beauftragte Unternehmen aus Kalifornien bezahlte erst Leistungen seiner Subauftragnehmer nicht und ließ die Baustelle dann ganz ruhen. Die Fertigstellung zog sich deshalb bis 2010 hin.

Ergebnis war eine Investruine, denn die für 5,2 Millionen Dollar umgesetzte Anlage mit ihren drei Masten ging nie in Betrieb, da man sich hier in eine frequenzpolitische Sackgasse manövriert hatte.

Nachdem es für die ausgewählte 1386 kHz keine internationale Koordinierung gab, wollte man den Sender für eine geringe Leistung registrieren und darauf setzen, schon keine Beschwerden anderer Länder zu erhalten (ein Kalkül, das bei dem inzwischen stillgelegten Sender von Radio Sawa in Zypern nicht aufging).

Auf dieses Spiel wollte sich die Regierung von Kuwait jedoch nicht einlassen und verlangte eine schriftliche Bestätigung der niedrigen Sendeleistung. Der Vorgang wanderte bis auf den Tisch der damaligen Außenministerin Hillary Clinton, die entschied, eine solche Abgabe falscher Erklärungen nicht zu riskieren.

Sender Greenville-A
2012 noch unangetastet: Die 2006 abgeschaltete Sendestation „A“ bei Greenville (North Carolina)

Mehr Glück hatte man mit der nächsten Erweiterung der Kurzwellenanlagen. Hier kam 2010 neben zwei weiteren Sendern eine drehbare Antenne kleiner Bauart hinzu.

Diese Antenne ermöglichte es erstmals, in andere als nordöstliche Richtungen zu senden. Damit erweiterten sich die aus Kuwait bedienten Zielgebiete nicht nur um Afrika, sondern zeitweise auch um Europa, denn bis 2016 strahlte RFE/RL seine russischen und belorussischen Programme noch auf Kurzwelle aus.

Das soll noch nicht der Endausbau sein: Es ist geplant, die Kurzwellenanlage in Kuwait letztlich auf zehn Sender und weitere Antennen für Ausstrahlungen nach Afrika zu erweitern. Die tatsächliche Realisierung ist eine Frage der verfügbaren Investmittel.

An dieses Vorhaben wurde bereits gedacht, bevor man die Antennen eines 2006 abgeschalteten Senderkomplexes der Voice of America in den USA (die Schwesteranlage der auch jetzt noch aktiven Station Greenville-B) eliminierte. 2014 trafen in Kuwait 16 Container mit noch brauchbarem Antennenmaterial von dort ein.

Hier gibt es Einblicke in die Sendestation. Zu sehen sind die Antennen, der noch von der englischen Firma Marconi gelieferte Sender 1548 kHz, die aus Glória und Oberlaindern umgesetzte Kurzwellentechnik, der Mittelwellensender aus Oberlaindern und auch die Investruine aus Rhodos:

Eine andere Variante zeigt außerdem das erste Provisorium von 1993 sowie die Umsetzung der Technik aus Oberlaindern und Ismaning. Ebenfalls reflektiert wird die politisch-emotionale Aufladung der zusätzlichen Mittelwellenfrequenz, die insofern erstaunt, als auf 1593 kHz bis 2005 zunächst eben kein Programm für den Irak lief.

Zu notieren bleibt damit noch das Schema, nach dem die sechs Kurzwellensender bis zum Ende der Sommerzeit am 29. Oktober 2022 (dann ist mit verschiedenen Umstellungen zu rechnen) Programme von RFE/RL, VOA und Radio Free Asia übertragen.

Dabei tauchen neben Radio Farda noch weitere spezielle Programmnamen auf: Als Radio Ashna läuft bei der VOA das „normale“, auch in Dari (afghanisches Persisch) gestaltete Programm für Afghanistan. Als Radio Deewa präsentiert wird ein gesondertes Programm für die von Paschtunen bewohnten Regionen von Pakistan.

Genau so etwas sendet auch RFE/RL, wenigstens – und selbst das war kein freiwilliger Schritt der sich interne Konkurrenz liefernden Sender – nicht gleichzeitig. Hier heißen diese beiden Programme Radio Azadi bzw. Radio Mashaal.

Rund um die Uhr: 5860 kHz; RFE/RL Farda
00.00-01.00 Uhr: 7355...9920, 7505, 9380 kHz; RFA Tib.
01.00-02.00 Uhr: 5950 kHz; RFA Tibetisch
01.00-02.00 Uhr: 9535, 9720 kHz; RFA Chinesisch
02.00-03.00 Uhr: 9895 kHz; VOA Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 9510 kHz; RFA Tibetisch
03.00-04.00 Uhr: 9780, 11640, 11790 kHz; RFA Uigur.
03.00-05.00 Uhr: 11850 kHz; RFA Tibetisch
04.00-05.00 Uhr: 9370, 11820...11925 kHz; RFA Tibet.
05.00-06.00 Uhr: 9840 kHz; VOA Deewa
05.00-06.00 Uhr: 11985 kHz; RFA Chinesisch
05.00-06.00 Uhr: 15130 kHz; VOA Tibetisch
05.30-06.00 Uhr: 13680 kHz; VOA Somali
06.00-07.00 Uhr: 13750 kHz; RFA Chinesisch
06.00-15.00 Uhr: 12130 kHz RFE/RL Mashaal
Mo-Fr 06.30-07.00 Uhr: 11995 kHz; VOA Kiny./Kirundi
06.30-16.30 Uhr: 15090 kHz; RFE/RL Azadi
07.00-08.00 Uhr: 15140 kHz; VOA Tibetisch
07.00-09.00 Uhr: 17690 kHz; RFA Chinesisch
07.00-14.00 Uhr: 15750 kHz; RFE/RL Mashaal
08.00-09.00 Uhr: 17635/17750 kHz; RFA Tibetisch
08.30-13.00 Uhr: 9370 kHz; RFE/RL Farda
09.00-12.00 Uhr: 15365 kHz; RFE/RL Mashaal
12.00-13.00 Uhr: 13860 kHz; RFA Tibetisch
13.00-16.00 Uhr: 7435 kHz; RFE/RL Farda
14.00-16.00 Uhr: 11570 kHz; RFA Tibetisch
15.00-18.00 Uhr: 13820 kHz; VOA Deewa
16.00-17.00 Uhr: 9910 kHz; VOA Tibetisch
16.00-17.00 Uhr: 11790 kHz; RFE/RL Usbekisch
16.00-18.00 Uhr: 11850 kHz; RFE/RL Tadschikisch
16.30-19.30 Uhr: 11575 kHz; VOA Ashna
17.00-18.00 Uhr: 9940 kHz; RFA Chinesisch
18.00-19.00 Uhr: 7475 kHz; RFE/RL Tadschikisch
18.00-19.00 Uhr: 9480 kHz; RFA Uigurisch
18.00-19.00 Uhr: 11790 kHz; RFE/RL Usbekisch
18.00-19.00 Uhr: 13570 kHz; RFA Chinesisch
19.00-20.00 Uhr: 15730 kHz; VOA Somali
19.00-23.00 Uhr: 9360 kHz; RFA Chinesisch
20.00-21.00 Uhr: 11760 kHz; RFA Chinesisch
20.00-21.00 Uhr: 12070 kHz; VOA Amharisch
Mo-Fr 21.00-21.30 Uhr: 12070 kHz; VOA Tigray
21.30-23.00 Uhr: 9490 kHz; VOA Französ., Haussa
23.00-24.00 Uhr: 7435, 9685 kHz; RFA Chinesisch

Hinter den angedeuteten Angaben zu den Sendestunden ab 0.00, 4.00 und 8.00 Uhr verbirgt sich ein Versuch von Radio Free Asia, der systematischen Störung seiner Sendungen durch China mit dem tageweisen Einsatz jeweils einer anderen Frequenz zu begegnen.

Ein Teil der genannten Frequenzen wird außerhalb der angegebenen Zeiten auch von anderen Standorten aus eingesetzt.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 05.09.2022