Auslandsrundfunk der USA - Radio Sawa entfällt im Nahen Osten

Radio Sawa
Blick in ein Sendestudio von Radio Sawa | © MBN

Über viele Jahre hatte sich der Auslandsrundfunk der USA über das Medium Hörfunk an ein Publikum im Nahen Osten gewendet. Am 31. Juli 2022 geht diese Ära nun zu Ende. Die Audioproduktionen werden zwar weitergeführt, künftig jedoch ausschließlich digital verbreitet.

Begründet wird das mit der demographischen Zusammensetzung der Zielgruppe: 60 Prozent der Bevölkerung in der arabischen Welt sind im Alter unter 35 Jahre. Mit einer digitalen Plattform könne man sich, so heißt es, eine neue Hörergeneration erschließen.

Die betreffende Marke, Radio Sawa, entstand im Jahre 2002. Seinerzeit war das arabische Hörfunkangebot aus der Voice of America herausgelöst und in eine eigenständige Struktur überführt worden.

Das manifestierte sich 2005 im Auszug aus dem Funkhaus der VOA. Nicht nur räumlich, sondern auch organisatorisch (unter dem Dachbegriff „Middle East Broadcasting Networks“) gehört Radio Sawa nun zum 2004 gestarteten Fernsehprogramm Alhurra, das seinen Sitz in den Vororten von Washington nahm.

Die neue Organisation sollte „Journalismus mit einer Mission“ betreiben. 2007 räumte ihr damaliger Präsident Brian Conniff ein, wie schwierig es unter dieser Prämisse ist, Mitwirkende zu finden:

„Offen gesagt erklärten zahlreiche Leute, auf die zugegangen wurde, sie wollen nicht für Alhurra arbeiten. Sie wollen nicht für eine Organisation der Regierung arbeiten. Sie wollen nicht für etwas arbeiten, von dem sie meinen, es sei kein wirklicher Journalismus.“

Eine grundsätzliche Entscheidung, Radio Sawa als Hörfunkprodukt künftig auf den Irak zu beschränken, ist bereits 2018 gefallen. Seinerzeit wurden die so einzusparenden Ausstrahlungskosten auf 7,7 Millionen Dollar pro Jahr beziffert.

Einsparungen bei Programmkosten waren von vornherein nicht vorgesehen. Vielmehr soll das bestehende Publikum mit intensiven digitalen Aktivitäten weiter angesprochen werden, statt die seit 2002 aufgebaute Marke wegzuwerfen.

Der Rückzug aus den klassischen Hörfunktechnologien begann bei Radio Sawa bereits zwei Jahre nach dem Start: 2004 entfiel die Verbreitung auf Kurzwelle. Davon ausgenommen blieben spezielle, von 2008 bis 2018 produzierte Sendungen für Darfur. Reiner Aktionismus war eine nochmalige Ausstrahlung nach Libyen, die es 2011 für einige Monate gab.

2006 endete die Nutzung des in den 60er Jahren von der VOA errichteten Mittelwellensenders auf Rhodos. Nächster Schritt war 2015 das Ende der kostspieligen Anmietung eines Senders in Abu Dhabi.

2019 folgte die Abschaltung des Senders, der 2002 unter massivem Termindruck auf Zypern in der bestehenden Sendestation von Monte Carlo Doualiya installiert worden war. Das Ende dieser Mitnutzung machte den weiteren Betrieb der Anlage unwirtschaftlich, was in ihre Eliminierung mündete.

Dschibuti, 1431 kHz
Mittelwellensender 1431 kHz in Dschibuti | © Thomcast

Parallel zur Abschaltung des Senders auf Zypern endete auch die Verbreitung von Radio Sawa über einen Sender in Dschibuti, der 2004 völlig neu entstand (1431 kHz; die damalige Firma Thomcast installierte hier eine Antenne aus drei Masten und Senderblöcke mit 600 kW).

Diese Anlage wurde allerdings nicht aufgegeben und ist derzeit täglich von 17.30 bis 5.30 Uhr MESZ eingeschaltet. Übertragen werden jetzt Sendungen der VOA in englischer, französischer und somalischer Sprache. Auf eine an sich naheliegende Nutzung für das Äthiopien-Programm wird – wofür es nicht offenliegende Gründe geben mag – verzichtet.

Nicht aufgegeben wurden beim ersten Rückbauschritt auch die UKW-Frequenzen von Radio Sawa in Mauretanien und in Libyen; sie übertragen heute ebenfalls Programme der VOA. Abgeschaltet wurden hingegen die Sender in Bahrain, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Letzteres dürfte nun ebenso mit den UKW-Frequenzen der Programmversion für den Libanon, Syrien, Israel, Palästina und Jordanien geschehen. Sie war 2019 nochmals umgestaltet und auch auf die letzte verbliebene Mittelwelle von Radio Sawa, 1548 kHz aus Kuwait, aufgeschaltet worden.

In der Zwischenzeit ist auf der Sendestation in Kuwait die zusätzliche Frequenz 1593 kHz stillgelegt worden. Sie lief mit jenem alten Röhrensender, den bis 2001 Radio Free Europe / Radio Liberty in Oberlaindern bei Holzkirchen betrieben hatte. Übertragen wurde zuletzt das Irak-Programm von Radio Sawa.

Zwar verfügt Radio Sawa im Irak über ein ausgebautes UKW-Netz. Es wäre trotzdem erstaunlich, sollte man keine Mittelwelle mehr in der Hinterhand behalten und nun auch die Frequenz 1548 kHz außer Betrieb nehmen, denn die UKW-Verbreitung ist nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht annehmen könnte.

Das zeigte sich 2019, als eine mit dem Titel „Die Heiligen der Korruption im Irak“ (gemeint waren mehrere Geistliche) versehene Sendung von Alhurra nicht das Gefallen irakischer Stellen fand: Es setzte ein dreimonatiges Betätigungs- und Sendeverbot. Die US-Botschaft in Bagdad hielt sich ausdrücklich aus dieser Angelegenheit heraus.

„Erklärung zu den Verstößen von Alhurra“
2019: Zeitweises Sendeverbot für Alhurra | © cmc.iq

Seit Anfang 2021 ist Radio Sawa nun endgültig als Produkt von Alhurra zu erkennen: Es übernimmt jetzt zu bestimmten Zeiten den Fernsehton.

Abschließend beerdigt wurde damit das ursprüngliche Konzept eines hohen Musikanteils. Als 2002 die Vertreter der alten Schule bei der VOA zur Seite gedrängt wurden, äußerten sie sich sehr kritisch zu diesem Ansatz, denn wie sich zeigte, blieb die auf kurze Zeitanteile beschränkte Berichterstattung ausgesprochen oberflächlich.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 26.07.2022