Zypern

Mittelwelle von Monte Carlo Doualiya wird wohl abgeschaltet

Nachdem die U.S. Agency for Global Media zum 1. Juli 2019 die Mitnutzung der Mittelwellenstation von France Médias Monde in Zypern beendet hat, steht diese Anlage nun wohl vor der völligen Abschaltung: Zum Jahresende soll auch die Ausstrahlung des eigenen arabischen Hörfunks auf 1233 kHz entfallen.

Sender Kap Greco, Zypern
Antennen der Sendestation Kap Greco | © Michal Osmenda, CC-BY-SA

Diese Angabe macht jener US-amerikanische Techniker, der seinerzeit die Einrichtung der jetzt stillgelegten zweiten Frequenz 990 kHz konzipiert hatte.

Überraschend kommt der Schritt nicht. Schon 2009 wurde kritisch hinterfragt, ob die weitere Anmietung des Grundstücks für seinerzeit drei Millionen Euro pro Jahr noch zu rechtfertigen ist. Nun ist mit der Abschaltung von Radio Sawa auch noch die Beteiligung der US-Seite an den Fixkosten der Sendestation entfallen.

Monte Carlo Doualiya verfügt in einer Reihe nahöstlicher Länder über UKW-Frequenzen. Darüber hinaus gibt es seit 2007 auch ein arabisches Programm von France 24, dem Fernsehsender der FMM.

Stand vom 29.10.2019



Die Sendestation steht am Kap Greco, der Südostspitze Zyperns, und entstand für eine Expansion von Radio Monte Carlo in den Nahen Osten. Grundlage war ein 1970 von RMC geschlossener Vertrag mit dem Staatsfunk von Zypern, der eine wesentliche Einschränkung enthält: Es dürfen keine Programme in griechischer und türkischer Sprache ausgestrahlt werden.

Aufgebaut wurden ein – ursprünglich und heute wieder – 600 kW starker Sender mit einer aus drei jeweils 134 Meter hohen Masten bestehenden Antenne. Damit verbreitete RMC ab 1973 ein teils in Französisch, teils in Arabisch präsentiertes Programm, das in kurzer Zeit zum meistgehörten Sender der Region wurde.

Ab 1960 pflegte RMC eine Kooperation mit Trans World Radio, dessen Programme, darunter auch die des Evangeliums-Rundfunks als deutschem Partner, es auf Mittel- und Kurzwelle ausstrahlte. Davon sind heute noch wenige Sendestunden auf der Mittelwelle Roumoules 1467 kHz übrig.

Die Möglichkeit, aus Zypern in die islamische Welt zu senden, war in wenig überraschender Weise für TWR von besonderem Interesse. 1974 gelang es TWR, über die Mitnutzung auch dieses Senders zu einer Vereinbarung zu kommen. RMC überließ die für sein Eigenprogramm weniger relevanten Randzeiten am frühen Morgen und späten Abend.

In der so geschaffenen Form wurde „RMC Moyen Orient“ über zwei Jahrzehnte betrieben. 1996 kam es schließlich zu einem Verkauf an Radio France Internationale. Unter der Trägerschaft der heutigen France Médias Monde präsentiert sich das Programm seit 2007 nun als Monte Carlo Doualiya.

Die gemeinsame Nutzung der Mittelwelle 1233 kHz durch MCD und TWR hat bis heute Bestand. Das Eigenprogramm von Monte Carlo Doualiya läuft auf 1233 kHz von 4.30 bis 21.20 Uhr MEZ. Trans World Radio sendet über diese Frequenz jetzt noch zwischen 21.25 und 22.55 Uhr ein Programm in arabischer Sprache.

Kap Greco, Zypern
Kap Greco mit den Sendeantennen 990 kHz (links) und 1233 kHz | © Dmitri Panow, CC-BY-SA

Für Radio Sawa wiederum rückte Zypern in den Fokus, nachdem alle Versuche der USA, die Genehmigung für einen Mittelwellensender in Ägypten zu erhalten, erfolglos geblieben waren.

Auf der Sendestation Kap Greco gab es inzwischen auch eine aus vier Masten bestehende Reserveantenne. Über die Regierung von Großbritannien vereinbart wurde, diese Antenne für die zusätzliche Abstrahlung einer zweiten Frequenz mit 600 kW einzurichten.

Nachdem eine solche Nutzung ursprünglich nicht vorgesehen war, stellte dies eine technische Herausforderung dar. Hinzu kam noch erheblicher politischer Druck, die Anlage bis zum 11. September 2002 und damit 14 Monate nach Baubeginn betriebsbereit zu haben. Das so erzeugte Terminrisiko hatte der Auftraggeber selbst zu tragen.

In Betrieb ging der Sender zunächst auf 981 kHz. Diese Frequenz war zuvor nur für eine Sendeleistung von 100 kW registriert worden, anscheinend in der Annahme, die anderen betroffenen Staaten (etwa Griechenland, wo ERT seinerzeit noch in Athen auf 981 kHz sendete) würden die geschaffenen Tatsachen hinnehmen.

Auf energische Proteste deutet jedoch die nach kurzer Zeit vorgenommene Umstellung des Senders auf 990 kHz. Mit diesem Schritt annektierten die USA und ihr französischer Partner kurzerhand eine Hauptmittelwelle des Libanon.

 

Autor: Kai Ludwig