Mit zunehmender Bedeutung

Französische Auslandsmedien in arabischer Sprache

Die Entwicklungen seit der Ermordung des Lehrers Samuel Paty dürften die Bedeutung eines Zweiges des französischen Auslandsrundfunks weiter erhöhen: Die umfangreichen, vor einem halben Jahrhundert ursprünglich in Monaco geschaffenen Sendungen für die arabische Welt.

Sender Kap Greco, Zypern
Ende 2019 abgeschaltet: Der Mittelwellensender von Monte Carlo Doualiya in Zypern | © Michal Osmenda, CC-BY-SA

Seinerzeit hatte sich Radio Monte Carlo zu einer Expansion in den Nahen Osten entschlossen. Die Grundlage dafür schuf ein 1970 geschlossener Vertrag mit dem Staatsfunk von Zypern, der eine wesentliche Einschränkung enthielt: Es durften keine Programme in griechischer und türkischer Sprache ausgestrahlt werden.

Am Kap Greco, der Südostspitze Zyperns, entstand ein zunächst 600 kW starker Sender mit einer aus drei jeweils 134 Meter hohen Masten bestehenden Antenne. Damit verbreitete RMC ab 1973 ein teils in Französisch, teils in Arabisch präsentiertes Programm, das in kurzer Zeit zum meistgehörten Sender der Region wurde.

Ab 1960 pflegte RMC eine Kooperation mit Trans World Radio, dessen Programme, darunter auch die des Evangeliums-Rundfunks als deutschem Partner, es auf Mittel- und Kurzwelle ausstrahlte. Davon sind heute noch wenige Sendestunden auf der Mittelwelle Roumoules 1467 kHz übrig.

Die Möglichkeit, aus Zypern in die islamische Welt zu senden, war in wenig überraschender Weise für TWR von besonderem Interesse. 1974 gelang es TWR, über die Mitnutzung auch dieses Senders zu einer Vereinbarung zu kommen. RMC überließ die für sein Eigenprogramm weniger relevanten Randzeiten am frühen Morgen und späten Abend.

In der so geschaffenen Form wurde „RMC Moyen Orient“ über zwei Jahrzehnte betrieben. 1996 kam es schließlich zu einem Verkauf an Radio France Internationale. Unter der Trägerschaft der heutigen France Médias Monde präsentiert sich das Programm seit 2007 nun als Monte Carlo Doualiya.

2009 war erstmals von der kritischen Frage zu hören, ob sich die Kosten des Senders noch rechtfertigen lassen. Allein die Miete für das Grundstück belief sich nach damaligem Stand auf drei Millionen Euro im Jahr. Ein Jahrzehnt später fiel schließlich die Entscheidung, auf den Sender zu verzichten.

Seit dem Beginn des Jahres 2020 beschränkt sich die terrestrische Verbreitung von Monte Carlo Doualiya somit auf UKW. Hier konnte inzwischen ein beachtlicher Ausbaustand erreicht werden: Insgesamt 26 Frequenzen in Mauretanien, Libyen, Südsudan, Libanon, Palästina, Jordanien, Irak, Kuwait, Bahrain, Katar, den Emiraten sowie Dschibuti.

Dabei steht allerdings die Frage, ob Monte Carlo Doualiya sich auf seine UKW-Verbreitung verlassen kann. Was in Demokratien mehr oder weniger transparenten Verfahren unterliegt, ist in autoritären Regimes mit einem kleinen Wink erledigt.

Indes nutzt auch der französische Auslandsrundfunk in der arabischen Welt heute neben dem Hörfunk das Satellitenfernsehen. Seit 2007 auf Sendung ist ein arabischer Kanal von France 24.

Kap Greco, Zypern
Kap Greco mit den Sendeantennen 990 kHz (links) und 1233 kHz | © Dmitri Panow, CC-BY-SA

Ab 2002 gab es auf der Mittelwellenstation von Monte Carlo Doualiya noch einen Untermieter: Den Auslandsrundfunk der USA. Dessen Vorstöße, sein arabischsprachiges Radio Sawa auf Mittelwelle aus Ägypten abstrahlen zu dürfen, blieben erfolglos.

Durch Vermittlung der Regierung von Großbritannien gelang es den USA jedoch, Zugang zur Sendestation Kap Greco zu erhalten. Dort gab es bereits eine aus vier Masten bestehende Reserveantenne, die nun dafür eingerichtet wurde, eine zweite Frequenz mit 600 kW abzustrahlen.

Da die Anlage nicht für eine solche Nutzung ausgelegt war, stellte das eine technische Herausforderung dar. Verschärft wurde sie noch durch massiven politischen Druck, das Vorhaben innerhalb von 14 Monaten zu realisieren, um am 11. September 2002 auf Sendung gehen zu können. Das so erzeugte Terminrisiko hatte der Auftragnehmer zu tragen.

In Betrieb ging der Sender zunächst auf 981 kHz. Diese Frequenz war zuvor nur für eine Sendeleistung von 100 kW registriert worden, anscheinend in der Annahme, die anderen betroffenen Staaten (etwa Griechenland, wo ERT seinerzeit noch in Athen auf 981 kHz sendete) würden die geschaffenen Tatsachen hinnehmen.

Auf energische Proteste deutet jedoch die nach kurzer Zeit vorgenommene Umstellung des Senders auf 990 kHz. Mit diesem Schritt annektierten die USA und ihr französischer Partner kurzerhand eine Hauptmittelwelle des Libanon.

Inzwischen hat auch Radio Sawa seine Mittelwellenverbreitung stark eingeschränkt. Der Sender in Zypern wurde zum 1. Juli 2019 abgekündigt. Damit wären die Fixkosten der Sendestation fortan von France Médias Monde und TWR allein zu finanzieren gewesen. Das machte den teuren Standort letztlich unhaltbar.

Das Versorgungsgebiet des Senders Kap Greco (Syrien, Libanon, Israel, Palästina, Jordanien) bedient Radio Sawa nun auf der Frequenz 1548 kHz von der eigenen Sendestation des US-Auslandsrundfunks in Kuwait. Die Umstellung war verbunden mit inhaltlichen Änderungen; aus der einstigen Popwelle mit eingestreuten Wortbeiträgen wurde ein Informationsprogramm.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 30.10.2020