Zwei Jahre nach der Abschaltung

Französische Mittelwellenanlage in Zypern wird eliminiert

Mit Ablauf des Jahres 2019 hatte France Médias Monde seine Mittelwellenstation am Kap Greco, der Südostspitze von Zypern, abgeschaltet. Nun verschwindet sie aus der Landschaft.

Sender Kap Greco, Zypern
Jetzt ein historisches Foto: Der Mittelwellensender von Monte Carlo Doualiya in Zypern | © Michal Osmenda, CC-BY-SA

Laut französischen Quellen wurde die Sendeantenne der Frequenz 1233 kHz am Donnerstag, dem 4. November 2021, abgerissen. Die Antenne 990 kHz sollte „ab Freitag“ folgen.

Mit dieser Sendeanlage hatte sich Radio Monte Carlo den Nahen Osten als neues Zielgebiet erschlossen. Grundlage war ein 1970 geschlossener Vertrag mit dem Staatsfunk von Zypern, der eine wesentliche Einschränkung enthielt: Es durften keine Programme in griechischer und türkischer Sprache ausgestrahlt werden.

Aufgebaut wurden ein 600 kW starker Sender (eine weitere Erhöhung der Leistung blieb eine Episode) und eine aus drei jeweils 134 Meter hohen Masten bestehende Antenne. Damit verbreitete RMC ab 1973 ein teils in Französisch, teils in Arabisch präsentiertes Programm, das in kurzer Zeit zum meistgehörten Sender der Region wurde.

Ab 1960 pflegte RMC eine Kooperation mit Trans World Radio, dessen Programme, darunter auch die des Evangeliums-Rundfunks als deutschem Partner, es auf Mittel- und Kurzwelle ausstrahlte. Davon sind heute noch wenige Sendestunden auf der Mittelwelle Roumoules 1467 kHz übrig.

Die Möglichkeit, aus Zypern in die islamische Welt zu senden, war in wenig überraschender Weise von besonderem Interesse. 1974 gelang es TWR, über die Mitnutzung auch dieses Senders zu einer Vereinbarung zu kommen. RMC überließ die für sein Eigenprogramm weniger relevanten Randzeiten am frühen Morgen und späten Abend.

In der so geschaffenen Form wurde „RMC Moyen Orient“ über zwei Jahrzehnte betrieben. 1996 kam es schließlich zu einem Verkauf an Radio France Internationale. Unter der Trägerschaft der heutigen France Médias Monde präsentiert sich das Programm seit 2007 nun als Monte Carlo Doualiya.

Mittlerweile verfügt Monte Carlo Doualiya über ein umfangreiches UKW-Netz aus 26 Frequenzen in Mauretanien, Libyen, Südsudan, Libanon, Palästina, Jordanien, Irak, Kuwait, Bahrain, Katar, den Emiraten sowie Dschibuti.

Hinzu kommt inzwischen auch hier das Satellitenfernsehen. Seit 2007 auf Sendung ist ein arabischer Kanal von France 24.

Anders stehen die Dinge bei Trans World Radio. Deshalb suchte TWR nach einem Ersatz für die verlorene Sendemöglichkeit und fand sie in Armenien. Das zuvor aus Zypern übertragene Programm in arabischer Sprache wird jetzt von dort aus auf 1350 kHz abgestrahlt.

Kap Greco, Zypern
Kap Greco mit den Sendeantennen 990 kHz (links) und 1233 kHz | © Dmitri Panow, CC-BY-SA

Die Sendestation am Kap Greco hätte wohl schon Jahre früher ihr Ende gefunden, wenn es nicht noch zu einer Mitnutzung durch die USA gekommen wäre.

Der Auslandsrundfunk der USA hatte über längere Zeit versucht, eine Genehmigung zur Ausstrahlung arabischsprachiger Sendungen aus Ägypten zu erhalten. Diesen Vorstößen wurde jedoch aus Kairo stets eine Abfuhr erteilt.

Somit trat die Regierung von Großbritannien in Aktion und betätigte sich als Vermittler zur französischen Seite. Auf diesem Wege vereinbart wurde, die am Kap Greco vorhandene Reserveantenne mit vier Masten den USA zum Betrieb einer zweiten Frequenz mit ebenfalls 600 kW zu überlassen.

Da die Sendeanlage dafür nicht ausgelegt war, stellte das eine technische Herausforderung dar. Hinzu kam noch erheblicher politischer Druck, die Zweitfrequenz bis zum 11. September 2002 und damit nur 14 Monate nach Baubeginn auf Sendung zu haben. Das so erzeugte Terminrisiko wurde auf den Auftragnehmer abgewälzt.

In Betrieb ging der Sender zunächst auf 981 kHz. Diese Frequenz war zuvor nur für eine Sendeleistung von 100 kW registriert worden, anscheinend in der Annahme, die anderen betroffenen Staaten (etwa Griechenland, wo ERT seinerzeit noch in Athen auf 981 kHz sendete) würden die vollendeten Tatsachen akzeptieren.

Auf energische Proteste deutet jedoch die nach kurzer Zeit vorgenommene Umstellung auf 990 kHz. Mit diesem Schritt annektierten die USA und ihr französischer Partner kurzerhand eine der Hauptmittelwellen des Libanon.

Die neue Mittelwelle aus Zypern diente zusammen mit weiteren Frequenzen der Verbreitung eines arabischsprachigen Popformats, das seine Wortbeiträge beiläufig in den Musikteppich einstreute. Diesem Radio Sawa hatte die Voice of America ihren „normalen“ arabischen Dienst zu opfern.

2018 fiel die Entscheidung, dieses Konzept aufzugeben und damit jährliche Ausstrahlungskosten von 7,7 Millionen US-Dollar einzusparen. Von Radio Sawa blieb nur ein Wortprogramm, das jetzt ausschließlich über die eigenen, kostengünstig zu betreibenden Sendeanlagen der USA in Kuwait läuft. Die Frequenz 990 kHz am Kap Greco wurde zum 1. Juli 2019 abgeschaltet.

Schon 2009 war auf französischer Seite kritisch hinterfragt worden, ob sich die weitere Anmietung des Grundstücks für seinerzeit drei Millionen Euro pro Jahr noch rechtfertigen ließ. Diese Festkosten wären nun allein zu tragen gewesen.

Folglich war mit dem Rückzug der USA das Schicksal der Sendestation besiegelt. Am 31. Dezember 2019 verstummte auch die Frequenz 1233 kHz.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 05.11.2021