Zwei Zugänge - Hörfunksendungen in den Iran

Sender Issoudun
Die alten Kurzwellenantennen in der Nähe des zentralfranzösischen Issoudun

Bei den Hörfunksendungen, die auf Kurzwelle in den Iran gerichtet werden, gab es (nun doch) zwei bescheidene Zugänge. Der eine stammt von einem französischen Projekt und nutzt Sender in Bulgarien, der andere wird technisch aus Frankreich gesendet, wobei die Urheber bislang unbekannt sind.

Die Ausstrahlung aus Frankreich läuft nach bisherigen Informationen einmal pro Woche, am Sonntag von 18.00 bis 18.30 Uhr auf 15265 kHz. Mehr ist dazu bis jetzt nicht bekannt.

RFPI en collaboration avec RSF va réaliser une campagne de diffusion d'un podcast de la semaine du 20 au 26 décembre inclus via les installations de TDF de St Aoustrille.
Die Versuchssendungen Ende 2021 | © facebook.com/radioforpeaceinternational

Der andere Zugang soll es auf Sendungen an zwei Wochentagen bringen: Jeweils am Montag und Mittwoch von 8.00 bis 8.30 Uhr auf 15700 kHz über die Kurzwellenstation Kostinbrod bei Sofia. Die Produktionen stammen von französischen Radioaktivisten, die einen altbekannten Namen, Radio for Peace International, wieder aufleben ließen.

Hier bleibt abzuwarten, wie dauerhaft diese Bemühungen sein werden. Bestrebungen, nach Afghanistan zu senden, kamen Ende 2021 wohl nicht über zwei Versuchssendungen hinaus. Mit den im Februar gestarteten, aus Kostinbrod abgestrahlten Sendungen in russischer Sprache war es nach wenig mehr als einem halben Jahr auch schon wieder vorbei.

Radio Ranginkaman

Von den „kleinen“ Veranstaltern, die Hörfunksendungen in den Iran richten, war zuvor nur noch einer aktiv: Radio Ranginkaman („Regenbogen“), ein LGBT-Programm aus Los Angeles, das seinen Kurzwellendienst seit 2012 betreibt. Die tägliche Sendung kommt jetzt aus Usbekistan, von 17.30 bis 18.00 Uhr auf 7610 kHz.

Iran International
Werbung für die ersten Hörfunkausstrahlungen, seinerzeit noch aus Armenien und auch auf Mittelwelle | © Iran International

Ansonsten nutzen den AM-Rundfunk für den Iran noch drei Veranstalter, deren Schwerpunkt heute beim Fernsehen liegt.

Das gilt insbesondere für Iran International, einen mit saudischem Geld in London arbeitenden Sender. Er hatte erst 2019 einen Radiokanal hinzugenommen, der weiterhin ein Beiboot des Fernsehens mit Verwertung von dessen Ton ist.

Die technische Verbreitung ist hier bereits wieder zurückgefahren. Auf die Mittelwelle wird inzwischen verzichtet, die Übertragung beschränkt sich jetzt auf die Kurzwellenanlagen in Usbekistan, die wegen ihrer auf 100 kW beschränkten Sendeleistung recht günstig zu nutzen sind.

Diese Ausstrahlung läuft konstant auf der Tagfrequenz 15630 kHz und der Nachtfrequenz 5830 kHz. Leicht variabel sind nur die Umschaltzeiten; im Winter mit seinen kurzen Tagen sind es 6.30 und 14.30 Uhr.

Das Wort „noch“ gilt konkret für die BBC. Sie will den Hörfunkdienst für den Iran, der jetzt noch sieben Stunden am Tag läuft, in den kommenden Monaten einstellen und einzig das 2007 gestartete Fernsehprogramm in Farsi beibehalten. Wenn es dabei bleibt, nutzen von den klassischen Auslandssendern künftig nur noch die der USA den AM-Rundfunk für den Iran.

Eine kontinuierliche Tätigkeit begann hier überhaupt erst mit der Islamischen Revolution. Davor wurden die Farsi-Sendungen der Voice of America dreimal aufgenommen und wieder eingestellt (konkrete Aktivitätsperioden waren 1942–1945, 1949–1960 und 1964–1966).

Die so unmögliche wie unreformierbare Struktur des Auslandsrundfunks der USA fand auch auf diesem Gebiet ihren Niederschlag: 2002 wurde die Aufgabe, das Hörfunkprogramm für den Iran zu produzieren, weitgehend an Radio Free Europe / Radio Liberty übertragen. Das war verbunden mit der Einführung einer gesonderten Marke: Radio Farda.

Verstärkt ins Spiel kam die VOA erst wieder, als es an den Aufbau eines persischen Fernsehprogramms ging. Das geriet zu einer zähen Angelegenheit, die sich bis 2018 hinzog. Bis heute traut man der seinerzeit eingeführten Marke „VOA 365“ nicht zu, den Satellitenkanal auffindbar zu machen.

Im Gegenzug entfiel 2019 die Mittelwellenverbreitung von Radio Farda, da die 2005 begonnene Nutzung eines Senders in Abu Dhabi jährlich 2,4 Millionen Dollar kostete. Bestrebungen, Radio Farda in Kuwait mit bereits hierher aus Rhodos umgesetzter Mittelwellentechnik abzustrahlen, waren aus frequenzpolitischen Gründen gescheitert.

Verblieben ist damit die terrestrische Ausstrahlung auf Kurzwelle, derzeit auf diesen Frequenzen (in Klammern der jeweilige Senderstandort):

Rund um die Uhr: 5860 kHz (Kuwait)
03.30-09.30 Uhr: 7585 kHz (Kuwait)
05.00-06.30 Uhr: 13600 kHz (Thailand)
05.00-08.30 Uhr: 12035 kHz (Lampertheim)
05.30-08.30 Uhr: 9895 kHz (Biblis)
06.30-16.30 Uhr: 13600 kHz (Lampertheim)
07.30-19.00 Uhr: 12005 kHz (Biblis)
08.30-14.30 Uhr: 17530 kHz (Thailand)
08.30-16.00 Uhr: 15690 kHz (Lampertheim)
09.30-13.30 Uhr: 9990 kHz (Kuwait)
13.30-15.30 Uhr: 9990 kHz (Thailand)
14.30-17.30 Uhr: 11695 kHz (Lampertheim)
16.00-16.30 Uhr: 15690 kHz (Biblis)
16.30-18.30 Uhr: 7580 kHz (Lampertheim)
18.30-20.00 Uhr: 7580 kHz (Kuwait)
20.00-22.30 Uhr: 7580 kHz (Lampertheim)

 

Beitrag von Kai Ludwig; Stand vom 09.12.2022