Reaktiviert - Emirate wieder auf 1476 kHz

Radio Keralam 1476
Offizieller Segen: Präsentation des Senderlogos mit dem Privatsekretär des Scheichs von Ras al-Chaimah | © @Radiokeralam

Von 2019 bis 2020 wurde in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Programm für Migranten aus Kerala auf der altbekannten Mittelwelle 1476 kHz ausgestrahlt. Nach einer Unterbrechung von zweieinhalb Jahren gibt es hier nun eine Neuauflage.

Idee war und ist, auf Mittelwelle die gesamte Golfregion zu erreichen. Die Zahl der dort lebenden, Malayalam sprechenden Migranten aus dem südwestindischen Kerala wird auf 2,5 Millionen geschätzt. Viele davon bekennen sich zum islamischen Glauben, der in Indien inzwischen massiv unter Druck steht.

Um diese Zielgruppe zu erschließen, begann 2019 eine Mittelwellenausstrahlung von Radio Asia aus Ras al-Chaimah. Dafür stand bereits eine Sendeanlage zur Verfügung, allerdings für die auch aus Kuwait belegte Frequenz 1269 kHz. Der Sender wurde deshalb auf die frühere Dubai-Frequenz 1476 kHz umgestellt und hier 2019 wieder in Betrieb genommen.

Nach elf Monaten war Radio Asia indes am Ende seiner Mittelwellen-Ambitionen. Seit 2020 beschränkt sich die terrestrische Verbreitung wieder auf die UKW-Frequenz in Ras al-Chaimah.

Nun versuchen es andere Betreiber erneut und wollen ab September auf 1476 kHz ihr Radio Keralam ausstrahlen. Bislang nur zeitweilig aktiv war die Internetadresse radiokeralam.com. Ein Versuchsbetrieb des Mittelwellensenders scheint aber bereits konstant zu laufen.

Mit seinen 200 kW ist er einer von nur noch zwei Großsendern weltweit, die auf 1476 kHz aktiv sind. Den anderen betreibt Trans World Radio im westafrikanischen Benin, und auch das nur mit recht beschränkter Sendezeit.

Ras al-Chaimah
© Sammlung University of Texas

In den Emiraten geht die Mittelwelle 1476 kHz zurück auf die AM-Großstation bei Dubai, die 1979 ihren Betrieb zunächst auf Kurzwelle aufgenommen hatte. Etwas später kam noch ein 1500 kW starker Mittelwellensender hinzu, der bis nach 1990 statt auf 1476 kHz zunächst auf der „zwischen den Kanälen“ liegenden Frequenz 1481 kHz arbeitete.

2005 stellte die heutige Dubai Media ihre Ausstrahlungen auf Kurz- und Mittelwelle ein. Was weiter geschah, sprach sich auf einigermaßen bizarre Weise herum: Über einen Onlinehändler von Tontechnik, der die Optimod-Regelverstärker und weitere Geräte aus der Sendestation anbot.

Nach dessen Angaben ging die Station an einen neuen Besitzer, der sie eigentlich für andere Programmveranstalter weiterbetreiben wollte, damit aber völlig überfordert war. Das mündete innerhalb weniger Jahre in die völlige Demontage der Technik und den Abbruch aller Antennen.

Mittelwelle Abu Dhabi
Einer der bei Abu Dhabi neu aufgebauten Mittelwellensender | © Thomcast

Besser erging es den Sendeanlagen der Abu Dhabi Media, die ihren AM-Betrieb bereits 2001 eingestellt hatte. Sie blieben nicht nur erhalten, sondern wurden sogar noch um neue Mittelwellen-Großsender ergänzt.

Dahinter standen Bestrebungen der USA, ihre Auslandssendungen für die arabische Welt wie auch für den Iran und Pakistan mit eben diesen Mittelwellen zu verstärken. Wegen der aufgerufenen Preise (für die 2019 als letzte aufgegebene Frequenz 1575 kHz: 2,4 Millionen Dollar im Jahr) hat sich die US-amerikanische Seite inzwischen jedoch wieder zurückgezogen.

Von den drei fast noch neuen, jeweils 800 kW starken Mittelwellensendern bei Abu Dhabi ist damit nur noch der auf 1170 kHz aktiv. Übertragen wird hier ein Sonderprogramm, das zum wenig bekannten Engagement der Emirate im Jemen-Krieg gehört.

Der Sender auf 1539 kHz wiederum diente zuletzt mit reduzierter Leistung einem anderen Malayalam-Programm. Dieses Pravasi Bharathi sendet, wenn überhaupt, jetzt aber allenfalls noch auf der Stadtfrequenz 810 kHz.

Nicht anders erging es einer Voice of Kerala, die zeitweise auf der früheren Hauptmittelwelle von Ras al-Chaimah, 1152 kHz, aktiv war: Sie verschwand 2019 sang- und klanglos.

Somit bleibt abzuwarten, wie dauerhaft der nun schon vierte Anlauf, ein solches Programm auf Mittelwelle zu etablieren, sein wird.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 22.08.2022