Sender Moosbrunn - Einschränkungen beim Kurzwellenbetrieb in Österreich

Sender Moosbrunn
Drehstandantenne in Moosbrunn | Brigitte Rieser, CC

Eine erhebliche, zum 1. Januar 2023 in Kraft tretende Erhöhung des Preises, den die Kurzwellenstation Moosbrunn bei Wien für Elektroenergie zu zahlen hat, wirft ihre Schatten voraus. Bereits zum 30. Oktober kommt es zur Streichung einer Ausstrahlung des ORF und zum Rückzug anderer Programmveranstalter.

Nach der 2003 vollzogenen Einstellung von Radio Österreich International war über zwei Jahrzehnte nur noch ein Restbetrieb der Frequenz 6155 kHz am Morgen verblieben. Dabei wurde im Sommer eine Einkürzung der üblicherweise von 7.00 bis 8.20 Uhr laufenden Sendung auf 8.00 Uhr registriert.

Am 1. März hatte der ORF noch zwei zusätzliche Kurzwellensendungen hinzugenommen: Außer sonntags von 12.00 bis 13.00 Uhr auf 13730 kHz sowie außer sonnabends für 15 bis 25 Minuten ab 18.00 Uhr auf 5940 kHz. Davon verbleibt ab 30. Oktober nur noch die Sendung auf 13730 kHz. Die Ausgabe am Abend entfällt.

Die BBC beendet zu diesem Termin die Nutzung des Standorts ganz. Die besonders markante, seit Jahren kontinuierlich laufende nächtliche Ausstrahlung nach Afghanistan (im Winterhalbjahr von 1.30 bis 3.00 Uhr auf 5930 kHz) wurde neu bei Radio Vatikan in Auftrag gegeben.

Auch der Sendeplatz von Feba UK entfällt in Moosbrunn. Dieses Programm (dann um 9.00 Uhr auf unveränderter Frequenz) übernimmt die Sendestation Woofferton in England.

Von den beiden monatlichen Sendungen verbleibt nur Welle 370 vorerst in Moosbrunn. Radio Joystick kommt ab November hingegen aus Bulgarien auf der neuen Frequenz 11935 kHz.

Keine Änderungen sind zum jetzigen Zeitpunkt bei Adventist World Radio vorgesehen. Dieser Hauptkunde plant für das kommende Winterhalbjahr weiterhin eine Nutzung der Station Moosbrunn im bestehenden Umfang und mit unveränderter Sendeleistung von 300 kW.

Stand vom 21.10.2022



Für die Ausstrahlungen von Adventist World Radio über die große Drehstandantenne in Moosbrunn gilt bis zum 29. Oktober dieses Schema:

04.00-05.00 Uhr: 7290 kHz; Urdu, Panjabi
05.30-06.30 Uhr: 6120 kHz; Farsi, Türkisch
07.00-07.30 Uhr: 11870 kHz; Haussa
08.00-09.30 Uhr: 15560 kHz; Arabisch, Französisch
10.00-10.30 Uhr: 15145 kHz; Französisch
16.00-16.30 Uhr: 15440 kHz; Urdu
17.00-17.30 Uhr: 11955 kHz; Türkisch
17.30-18.00 Uhr: 15265 kHz; Panjabi
18.00-18.30 Uhr: 11800 kHz; Urdu
18.30-19.00 Uhr: 11955 kHz; Farsi
19.00-20.00 Uhr: 17570 kHz; Suaheli, Massai
20.00-21.30 Uhr: 11955 kHz; Arabisch, Haussa
21.30-22.00 Uhr: 15420 kHz; Französisch
22.00-22.30 Uhr: 9610 kHz; Dioula
22.30-23.00 Uhr: 11880 kHz; Französisch

Die BBC ist derzeit noch zweitgrößter Nutzer der Station:

02.30-04.00 Uhr: 7295 kHz; Afghanistan-Prog.
07.29-08.00 Uhr: 12095 kHz; Haussa
08.00-08.29 Uhr: 13810 kHz; Französisch

Bei den weiteren Sendeplätzen ist noch nicht geklärt, ob wie angekündigt die Sendung auf 13600 kHz nach einer „Sommerpause“ zurückgekehrt ist oder am 13. August letztmalig lief.

Radio 22 HF
17.00-18.00 Uhr: 13600 kHz; Russisch
Feba UK
10.00-10.30 Uhr: 17640 kHz; Arabisch
Bible Voice
Do 19.00-19.30, Fr 19.00-19.15,
Sa 19.30-20.30, So 19.30-21.00 Uhr:
9810 kHz (Englisch nach Nahost)
Radio DARC
So 11.00-12.00 Uhr: 6070 kHz
Welle 370
Erster So im Monat 10.00-11.00 Uhr: 6140 kHz
Radio Joystick
Erster So im Monat 12.00-13.00 Uhr: 7330 kHz
Sender Sines
Die 2011 aufgegebene Sendestation Sines im Zustand umfassender, erst nach 2000 realisierter Modernisierungen | © DW

Adventist World Radio war 1969 als Dachorganisation für internationale Hörfunksendungen gegründet worden. Deren Start im Jahre 1971 ermöglichte die Deutsche Welle mit ihren heute nicht mehr existierenden Sendestationen in Portugal und Malta.

Diese Anlagen nutzte die DW nicht nur für eigene Zwecke, sondern stellte sie als technische Dienstleistung auch Dritten zur Verfügung. Dazu gründete sie Tochterunternehmen wie „Pro-Funk Gesellschaft zur Rundfunkförderung“ und „Radio Trans-Europa“. In Malta behielt sich die dortige Regierung vor, direkt in das Geschäft mit eingebunden zu werden und auch eigene Sendeprojekte zu starten.

Erfolgreich war für AWR vor allem die Nutzung der Sendestation Sines, die von 1971 bis 1992 lief. Die 1975 gestarteten Ausstrahlungen aus Malta litten hingegen unter technischen Problemen. Den Rückzug von AWR provozierte schließlich die maltesische Regierung, als sie 1982 den Betrieb der Sender für drei Monate ganz unterband.

Eine Episode blieben Ausstrahlungen aus Andorra, die 1979 begannen. Die 1961 für 20 Jahre erteilte Lizenz von Radio Andorra wurde 1981 nicht weiter verlängert, was die zwangsweise Abschaltung der Sender nach sich zog.

Als Ersatz wich AWR nach Italien aus. 1985 ging in Forlì, südwestlich von Ravenna, ein Kleinsender in Betrieb (ein Foto davon sowie u.a. auch des Tonträgerraums in Sines siehe hier), der bis 2001 im Einsatz blieb.

Nachdem rundfunkrechtliche Investitionssicherheit bestand, sollte dieses Provisorium durch eine leistungsfähige Sendestation in Arganda, zwischen Ferrara und Ravenna, ersetzt werden. Dafür wurden Sender und Antennenzubehör aus der 1998 stillgelegten Station Schwarzenburg (Schweiz) aufgekauft.

Im Jahre 2000 gab es in Arganda noch einen „ersten Spatenstich“. Danach ließ AWR das Projekt jedoch fallen. Die bereits übernommene Technik wurde zusammen mit dem Sender und der Antenne aus Forlì zum Kauf angeboten.

Einen der Sender aus Schwarzenburg erwarben die Betreiber der Kurzwellenstation WMLK im US-Bundesstaat Pennsylvania und nahmen ihn schließlich 2016 in Betrieb. Schon ein Jahr später fiel der Sender jedoch einem Brand zum Opfer.

Das Projekt Arganda war obsolet, nachdem Kurzwellen-Sendekapazitäten in großem Umfang frei verfügbar wurden. Zunächst machte offensichtlich die russische Seite ein Angebot, das günstiger war als das der Deutschen Welle. Von 1992 bis 1996 liefen die Europaprogramme von AWR somit über die Sendeanlagen im Raum Moskau sowie in Samara und Jekaterinburg.

Ein noch günstigeres Angebot erhielt AWR dann aus der Slowakei. Dort waren um 1980 in Rimavská Sobota vier Kurzwellensender (jeweils 250 kW) aufgebaut worden, was den noch verbliebenen Bedarf für eigene Auslandssendungen wie auch für die aus Prag überstieg.

Die Ausstrahlungen von AWR aus Rimavská Sobota liefen ab 1994. Zur erneuten Ablösung im Jahre 2001 führte wieder ein günstigeres Angebot. Auslöser war diesmal die starke Verkleinerung von Radio Österreich International, die 2003 in dessen völlige Schließung mündete. Seitdem ist AWR klarer Hauptnutzer der Kurzwellenstation Moosbrunn.

Von dort kamen nun auch die deutschen Sendungen, die bereits seit 1948 produziert werden. Zu diesen Beiträgen, die auch Eingang in den öffentlich-rechtlichen Kirchenfunk fanden, bemerkte die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen im Jahre 1973, sie seien „eher rein biblisch-evangelistisch als adventistisch-sonderkirchlich“.

Die Ausstrahlung der deutschen Sendungen auf Kurzwelle ist 2007 entfallen. Zum 1. Juli 2018 wurde auch der Hörfunk-Satellitenkanal abgeschaltet.

Schwerpunkt ist heute ein 2009 gestartetes, nun als Hope TV präsentiertes Fernsehprogramm. Den Auftrag für dessen Ausstrahlung über den Satelliten Astra 1KR erhielt wiederum die Österreichische Rundfunksender GmbH.

 

Autor: Kai Ludwig