Kurzwellenhörfunk

Änderungen bei Adventist World Radio

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten strahlt bis heute umfangreiche Hörfunksendungen auf Kurzwelle aus. Zum 27. Oktober 2019 kommt es hier zu Änderungen in Details. Dazu gehört der Entfall von drei Sprachen, an deren Stelle neue Sendungen in vier anderen Sprachen treten.

Sender Nauen
Sendestation Nauen | © Christian Schubert

Abgesetzt werden die Sendungen in Kabylisch, der im Norden von Algerien verbreiteten Berbersprache, die auch zum Programmangebot von Trans World Radio gehört (Mo-Sa 23.15-23.45 Uhr MESZ / 22.15-22.45 Uhr MEZ über die RMC-Mittelwelle 1467 kHz). Sie kommen jetzt noch aus Nauen von 10.00 bis 10.30 Uhr auf 15225 kHz und von 19.30 bis 20.00 Uhr auf 11790 kHz.

Am 26. Oktober letztmals ausgestrahlt werden auch die Sendungen in Wolof, einer in Senegal gesprochenen Sprache. Auch für deren Verbreitung nutzt AWR die Kurzwellensender bei Nauen, und zwar von 21.00 bis 21.30 Uhr wiederum auf 11790 kHz.

Als dritte Sprache abgesetzt wird das in Äthiopien, Eritrea und Dschibuti verbreitete Afar. Diese Sendungen kommen derzeit noch über die Kurzwellenstation Moosbrunn bei Wien, von 16.30 bis 17.00 Uhr auf 17605 kHz.

Neu aufgenommen werden dafür ab 27. Oktober Sendungen in Kirgisisch. Sie laufen dann über die frühere, jetzt vom dortigen Staatsfunk weiterbetriebene Sendestation der Deutschen Welle in Sri Lanka. Geplanter Sendeplatz: 5.00 bis 5.30 Uhr auf 15410 kHz.

Ebenfalls neu aufgenommen werden Sendungen in Khasi, einer im Norden von Indien gesprochenen Sprache. Hierfür wird AWR seine eigene Kurzwellenstation auf der Pazifikinsel Guam einsetzen, und zwar von 14.30 bis 15.00 Uhr auf 15480 kHz.

Weiter hinzu kommen Sendungen im nigerianischen Pidgin, das, folgt man einer unbelegten Wikipedia-Behauptung, in England unter Studenten aus Nigeria als „witzig und vielleicht auch identitätsstiftend“ gilt: Über die frühere Kurzwellenstation von Radio Nederland Wereldomroep in Madagaskar, von 22.00 bis 22.30 Uhr auf 11985 kHz.

Unklar bleibt noch, worum es sich bei einer vierten Sprache handelt, die ebenfalls neu ins Angebot kommen soll. In technischen Unterlagen eingetragen ist der Code für Tala, einer der westlichen Tschadsprachen, von denen Haussa die bekannteste ist. Dazu gehört jedoch ein Sendeplatz nach Zentralasien; ab 5.30 Uhr direkt nach der kirgisischen Sendung auf 15410 kHz.

Sender Sines
Die 2011 aufgegebene Sendestation Sines im Zustand umfassender, erst nach 2000 realisierter Modernisierungen | © DW

Adventist World Radio war 1969 als Dachorganisation für internationale Hörfunksendungen gegründet worden. Deren Start im Jahre 1971 ermöglichte die Deutsche Welle mit ihren heute nicht mehr existierenden Sendestationen in Portugal und Malta.

Diese Anlagen nutzte die DW nicht nur für eigene Zwecke, sondern stellte sie als technische Dienstleistung auch Dritten zur Verfügung. Das geschah über Tochterunternehmen unter Firmierungen wie „Pro-Funk Gesellschaft zur Rundfunkförderung“, „Radio Trans-Europa“ und „Radio Mediterranean“.

Erfolgreich war für AWR vor allem die Nutzung der Sendestation Sines, die von 1971 bis 1992 lief. Die 1975 gestarteten Ausstrahlungen aus Malta litten hingegen unter technischen Problemen. Den Rückzug von AWR provozierte schließlich die maltesische Regierung, als sie 1982 den Betrieb der Sender für drei Monate ganz unterband.

Eine Episode blieben Ausstrahlungen aus Andorra, die 1979 begannen. Die 1961 für 20 Jahre erteilte Lizenz von Radio Andorra wurde 1981 nicht weiter verlängert, was die zwangsweise Abschaltung der Sender nach sich zog.

Als Ersatz wich AWR nach Italien aus. 1985 ging in Forlì, südwestlich von Ravenna, ein Kleinsender in Betrieb (ein Foto davon sowie u.a. auch des Tonträgerraums in Sines hier), der bis 2001 im Einsatz blieb.

Nachdem rundfunkrechtliche Investitionssicherheit bestand, sollte dieses Provisorium durch eine leistungsfähige Sendestation in Arganda, zwischen Ferrara und Ravenna, ersetzt werden. Dafür wurden Sender und Antennenzubehör aus der 1998 stillgelegten Sendestation Schwarzenburg (Schweiz) aufgekauft.

Im Jahre 2000 gab es in Arganda noch einen „ersten Spatenstich“. Danach ließ AWR das Projekt jedoch fallen. Die bereits übernommene Technik wurde zusammen mit dem Sender und der Antenne aus Forlì zum Kauf angeboten.

Einen der Sender aus Schwarzenburg erwarben die Betreiber der Kurzwellenstation WMLK im US-Bundesstaat Pennsylvania und nahmen ihn schließlich 2016 in Betrieb. Schon ein Jahr später fiel der Sender jedoch einem Brand zum Opfer.

Das Projekt Arganda war obsolet geworden, nachdem Kurzwellen-Sendekapazitäten in großem Umfang frei verfügbar wurden. Zunächst machte offensichtlich die russische Seite ein Angebot, das günstiger war als das der Deutschen Welle. Von 1992 bis 1996 liefen die Europaprogramme von AWR somit über die Sendeanlagen im Raum Moskau sowie in Samara und Jekaterinburg.

Ein noch günstigeres Angebot erhielt AWR dann aus der Slowakei. Dort waren um 1980 in Rimavská Sobota vier Kurzwellensender (jeweils 250 kW) aufgebaut worden, was den noch verbliebenen Bedarf für eigene Auslandssendungen wie auch für die aus Prag überstieg.

Die Ausstrahlungen von AWR aus Rimavská Sobota liefen ab 1994. Zur erneuten Ablösung im Jahre 2001 führte wieder ein günstigeres Angebot. Auslöser war diesmal die starke Verkleinerung von Radio Österreich International, die 2003 in dessen völlige Schließung mündete. Seitdem ist AWR klarer Hauptnutzer der Kurzwellenstation Moosbrunn.

Von dort kamen nun auch die deutschen Sendungen, die zurück bis ins Jahr 1948 reichen. Zu den Beiträgen, die auch Eingang in den öffentlich-rechtlichen Kirchenfunk fanden, bemerkte die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen im Jahre 1973, sie seien „eher rein biblisch-evangelistisch als adventistisch-sonderkirchlich“.

Die Ausstrahlung der deutschen Sendungen auf Kurzwelle ist 2007 entfallen. Zum 1. Juli 2018 wurde auch der Hörfunk-Satellitenkanal abgeschaltet. Schwerpunkt des heute als Hope Channel präsentierten Angebots ist nun das Fernsehen. Auch hier ist wieder die Österreichische Rundfunksender GmbH mit der Ausstrahlung, hier über den Satelliten Astra 1KR, beauftragt.

In Europa verbreitet AWR jetzt noch zwei Sprachangebote auf Kurzwelle, davon nur noch eines mit täglichen Ausstrahlungen. Die Abwicklung übernimmt die Media Broadcast, die AWR seit 2007 ebenfalls in größerem Umfang mit der Kurzwellenverbreitung seiner Programme beauftragt.

Das tägliche Angebot ist das in Bulgarisch. Im Winter kommt es nicht aus Nauen, sondern über die Sender des französischen Partners TDF, dann von 5.00 bis 5.30 Uhr auf 5975 kHz. Stets in Nauen verbleibt die Ausstrahlung am frühen Abend, von 17.00 bis 17.30 Uhr auf 9830 kHz.

Außerdem gibt es noch eine wöchentliche Sendung in Italienisch, die unverändert weitergeführt wird: Sonntags von 11.00 bis 12.00 Uhr auf 9610 kHz. Diese Sendung ist wohl kaum mehr als ein nostalgisches Relikt aus den Forlì-Tagen.

 

Autor: Kai Ludwig, mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 19.10.2019