Kurzwelle

Adventist World Radio aus Nauen

Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten strahlt bis heute umfangreiche Hörfunksendungen auf Kurzwelle aus. Seit 2007 nutzt sie dafür – in gewisser Hinsicht als Nachfolge der über zwei Jahrzehnte praktizierten Ausstrahlungen durch die Deutsche Welle – in größerem Umfang auch die Sendeanlagen in Nauen bei Berlin.

Sender Nauen
Sendestation Nauen | © Christian Schubert

In der Wintersaison ab dem 25. Oktober 2020 sind die folgenden Sendeplätze vorgesehen (Zeitangaben in MEZ):

04.00-04.30 Uhr: 7350 kHz; Tigrinisch
05.00-05.30 Uhr: 5950 kHz; Bulgarisch
05.30-06.00 Uhr: 5950 kHz; Französisch
07.00-07.30 Uhr: 9860 kHz; Französisch
08.00-09.00 Uhr: 11980 kHz; Arabisch
09.30-10.00 Uhr: 15145 kHz; Tachelhit
nur So 11.00-12.00 Uhr: 9610 kHz; Italienisch
17.00-17.30 Uhr: 9830 kHz; Bulgarisch
17.30-18.00 Uhr: 11955 kHz; Tigrinisch
17.30-18.00 Uhr: 12040 kHz; Amharisch
17.30-18.00 Uhr: 15490 kHz; Somalisch
18.30-19.00 Uhr: 11870 kHz; Oromo
20.00-21.00 Uhr: 6120 kHz; Arabisch
20.30-21.00 Uhr: 7325 kHz; Tachelhit
21.00-21.30 Uhr: 7225 kHz; Französisch
22.30-23.00 Uhr: 9800 kHz; Twi (Ghana)

Die Sendungen sind größtenteils für West- und Nordafrika bestimmt. Einzige Ausnahmen sind die Programme in Bulgarisch und Italienisch, wobei die italienische Sonntagssendung wohl kaum noch mehr ist als ein nostalgisches Relikt aus früheren Zeiten.

Sender Sines
Die 2011 aufgegebene Sendestation Sines im Zustand umfassender, erst nach 2000 realisierter Modernisierungen | © DW

Adventist World Radio war 1969 als Dachorganisation für internationale Hörfunksendungen gegründet worden. Deren Start im Jahre 1971 ermöglichte die Deutsche Welle mit ihren heute nicht mehr existierenden Sendestationen in Portugal und Malta.

Diese Anlagen nutzte die DW nicht nur für eigene Zwecke, sondern stellte sie als technische Dienstleistung auch Dritten zur Verfügung. Das geschah über Tochterunternehmen unter Firmierungen wie „Pro-Funk Gesellschaft zur Rundfunkförderung“, „Radio Trans-Europa“ und „Radio Mediterranean“.

Erfolgreich war für AWR vor allem die Nutzung der Sendestation Sines, die von 1971 bis 1992 lief. Die 1975 gestarteten Ausstrahlungen aus Malta litten hingegen unter technischen Problemen. Den Rückzug von AWR provozierte schließlich die maltesische Regierung, als sie 1982 den Betrieb der Sender für drei Monate ganz unterband.

Eine Episode blieben Ausstrahlungen aus Andorra, die 1979 begannen. Die 1961 für 20 Jahre erteilte Lizenz von Radio Andorra wurde 1981 nicht weiter verlängert, was die zwangsweise Abschaltung der Sender nach sich zog.

Als Ersatz wich AWR nach Italien aus. 1985 ging in Forlì, südwestlich von Ravenna, ein Kleinsender in Betrieb (ein Foto davon sowie u.a. auch des Tonträgerraums in Sines hier), der bis 2001 im Einsatz blieb.

Nachdem rundfunkrechtliche Investitionssicherheit bestand, sollte dieses Provisorium durch eine leistungsfähige Sendestation in Arganda, zwischen Ferrara und Ravenna, ersetzt werden. Dafür wurden Sender und Antennenzubehör aus der 1998 stillgelegten Sendestation Schwarzenburg (Schweiz) aufgekauft.

Im Jahre 2000 gab es in Arganda noch einen „ersten Spatenstich“. Danach ließ AWR das Projekt jedoch fallen. Die bereits übernommene Technik wurde zusammen mit dem Sender und der Antenne aus Forlì zum Kauf angeboten.

Einen der Sender aus Schwarzenburg erwarben die Betreiber der Kurzwellenstation WMLK im US-Bundesstaat Pennsylvania und nahmen ihn schließlich 2016 in Betrieb. Schon ein Jahr später fiel der Sender jedoch einem Brand zum Opfer.

Das Projekt Arganda war obsolet, nachdem Kurzwellen-Sendekapazitäten in großem Umfang frei verfügbar wurden. Zunächst machte offensichtlich die russische Seite ein Angebot, das günstiger war als das der Deutschen Welle. Von 1992 bis 1996 liefen die Europaprogramme von AWR somit über die Sendeanlagen im Raum Moskau sowie in Samara und Jekaterinburg.

Ein noch günstigeres Angebot erhielt AWR dann aus der Slowakei. Dort waren um 1980 in Rimavská Sobota vier Kurzwellensender (jeweils 250 kW) aufgebaut worden, was den noch verbliebenen Bedarf für eigene Auslandssendungen wie auch für die aus Prag überstieg.

Die Ausstrahlungen von AWR aus Rimavská Sobota liefen ab 1994. Zur erneuten Ablösung im Jahre 2001 führte wieder ein günstigeres Angebot. Auslöser war diesmal die starke Verkleinerung von Radio Österreich International, die 2003 in dessen völlige Schließung mündete. Seitdem ist AWR klarer Hauptnutzer der Kurzwellenstation Moosbrunn.

Von dort kamen nun auch die deutschen Sendungen, die zurück bis ins Jahr 1948 reichen. Zu den Beiträgen, die auch Eingang in den öffentlich-rechtlichen Kirchenfunk fanden, bemerkte die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen im Jahre 1973, sie seien „eher rein biblisch-evangelistisch als adventistisch-sonderkirchlich“.

Die Ausstrahlung der deutschen Sendungen auf Kurzwelle ist 2007 entfallen. Zum 1. Juli 2018 wurde auch der Hörfunk-Satellitenkanal abgeschaltet.Schwerpunkt ist nun der Fernsehkanal Hope TV. Auch hier ist wieder die Österreichische Rundfunksender GmbH mit der Ausstrahlung, diesmal über den Satelliten Astra 1KR, beauftragt.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 19.10.2020