Drama

Sunset

Juli Jakab in Sunset
Juli Jakab in Sunset | © Ad Vitam

Für seinen Auschwitz-Film „Son of Saul“ erhielt der ungarische Regisseur Lászó Nemes 2016 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Dieses visuell eindrucksvolle Debüt versuchte das Grauen des Vernichtungslagers auf vielen Ebenen genau zu rekonstruieren, ein mutiges, aber auch problematisches Verfahren. Eine ähnliche Strategie der ästhetischen Überwältigung benutzt er in seinem neuen, mit großer Spannung erwarteten und sehr teuren Film „Sunset“.

Er führt uns in das Budapest der k. u. k. Doppelmonarchie, ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Irisz Leiter, gespielt von Juli Jakab, eine junge Frau aus der Provinz, kommt nach Budapest, um in dem Hutmacher-Geschäft zu arbeiten, das einst ihren Eltern gehörte, die dort einst umgekommen sind. In dem edlen Laden, der gerade pompös sein Jubiläum feiert, erfährt sie, dass sie einen Bruder hat. Die Suche nach dem unbekannten Mann führt sie in die Abgründe der eigenen  Familiengeschichte, aber auch der dekadenten Gesellschaft, die auf dem Vulkan tanzt.

Die Rekonstruktion des Zeitflairs ist glänzend, doch die gleitende Kamera in den nostalgischen Dekors, die Schönheit der Ausstattung und Kostüme, werden bald wichtiger als die umständliche, endlose Recherche, deren Sinn und Ziel bald in Vergessenheit geraten, die Form erschlägt den dünnen Inhalt. So verliert man das Interesse an den Figuren und ihrem Geheimnis und es stellt sich edle Langeweile ein.

Kritiker: Knut Elstermann

zwiespältig

Regie: László Nemes
Darsteller: Juli Jakab, Vlad Ivanov, Evelin Dobos
Erscheinungsjahr: 2019
Herkunftsland: Ungarn, Frankreich