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radioeins lüftet das Geheimnis

Die Berliner Band, die heute fast vergessen ist: Interzone.
Der Musikmanager, den viele heute vor allem als Fotografen kennen, heißt Jim Rakete.
Das Album, das vor 40 Jahren nicht erscheinen durfte, erschien nun doch.
Es heißt „Letzte Ausfahrt“ und wurde in limitierter Auflage auf Vinyl veröffentlicht.
Darauf zu hören: Vertonte Gedichte von keinem Geringeren als Wolf Wondratschek – dem populärsten deutschen Dichter der letzten 50 Jahre.

Die Musik und die ganze Geschichte gab es am 15. März 2019 von 19 Uhr bis 21 Uhr nur auf radioeins.

Das vergessene Album von Interzone – eine Weltpremiere!

Zu Gast bei Andreas Müller im radioeins-Studio im Babylon waren:
Jim Rakete, Wolf Wondratschek und die Musiker Ralf Schmidt (Bass), Hans Wallbaum (Schlagzeug) sowie Mario Schulz (Gitarre) von Interzone.

radioeins erzählte eines der letzten Geheimnisse der Berliner Musikgeschichte! Eine Geschichte, die vor 40 Jahren in West-Berlin begann und nun zu Ende erzählt wurde – am 15. März 2019 von 19 bis 21 Uhr live auf radioeins.

Wo gab es „Letzte Ausfahrt“ zum aller ersten Mal überhaupt zu hören?
Die Weltpremiere war am 15. März 2019 von 19:00 bis 21:00 – live auf radioeins. 

Wo gibt es „Letzte Ausfahrt“ zu kaufen?
Die Platte ist exklusiv bei Dussmann erhältlich - kulturkaufhaus.de

Am Samstag, 16. März, findet um 12 Uhr die Buchpremiere "Erde und Papier" mit Wolf Wondratschek und Jim Rakete in der Buchhandlung "Geistesblüten" in Berlin-Charlottenburg statt.
 

Die komplette Sendung zum Nachhören (bis 12.04.2019):

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Rückblick

radioeins-Musikchefin Anja Caspary über die Weltpremiere von Interzone

Der Sound, der aus den Lautsprechern im Babylon-Studio drang, war rough und magisch. Eine ungefilterte, musikalische Flaschenpost aus dem Jahr 1979.

Interzone © Jim Rakete
Jim Rakete

Vergessenes Album der Berliner Band Interzone

Musikalische Flaschenpost aus dem Jahr 1979

Es ist eine Sensation: Nach 40 Jahren dürfen die ersten Demoaufnahmen der Band Interzone endlich erscheinen. Darauf zu hören: vertonte Gedichte von Wolf Wondratschek. Die Musik und die spannende Geschichte dahinter gab es am Freitag auf radioeins.
Von Alke Lorenzen.


Hier passiert etwas Besonderes – das spürten alle Anwesenden sofort, als sich am Freitagabend im kleinen radioeins-Studio im Babylon das Vinyl "Letzte Ausfahrt" auf dem Plattenteller drehte. Mit dabei: einige wenige handverlesene Journalisten. Zum ersten Mal überhaupt gab es die unveröffentlichten Songs im Radio zu hören. Eine Weltpremiere. Es ist, als ob sich auf magische Weise eine Zeitkapsel öffnet. Interzone-Entdecker Jim Rakete und der Schriftsteller Wolf Wondratschek sitzen nebeneinander auf einem Sofa. Gemeinsam mit radioeins-Moderator Andreas Müller reisen sie zurück ins Jahr 1979 und erzählen ein bis dato fast unbekanntes Kapitel der Berliner Musikgeschichte.

Rock’n’Roll auf dem Papier

Die Geschichte vom vergessenen Interzone-Album beginnt 1979 in West-Berlin. Sänger Heiner Pudelko hatte sich in den Kopf gesetzt, Texte von Wolf Wondratschek zu vertonen. Genauer genommen: Gedichte aus dem gefeierten Gedichtband "Chucks Zimmer". Ein Buch, das sich damals innerhalb weniger Monate Auflage um Auflage verkaufte und Wondratschek zum Wunderkind der deutschen Literatur machte. Ein neuer Sound in der deutschen Sprache. So hatte vorher noch kein anderer geschrieben, Rock'n'Roll auf dem Papier.

Fast zwangsläufig, dass Interzone Wondratscheks Gedichte in Songs verwandeln wollten. Die Band spielte die Demoaufnahmen Jim Rakete vor, der damals schon einen kleinen Heiligenschein als Musikmanager hatte. Rakete war begeistert und die Plattenfirma WEA Records winkte mit einem Vertrag. Was nun noch fehlte, war das Okay von Wondratschek.

Der wahrscheinlich teuerste Anruf in Jim Raketes Karriere

Jim Rakete musste die Herstellungsrechte verhandeln und tätigte den wahrscheinlich teuersten Anruf seines Lebens. Am anderen Ende der Leitung: Wondratschek in New York, auf dem Höhepunkt seiner Karriere. "Ich erreichte Wondratschek irgendwann spätabends, er wohnte im Gramercy Park Hotel", erinnert sich Jim Rakete und beschreibt dieses Telefonat, als sei es gestern gewesen. Am Ende des Gesprächs stand allerdings eine riesige Zahl: 250.000 US Dollar. Diese Summe wollte und konnte die Plattenfirma nicht aufbringen. Aus dem Album mit den Wondratschek-Texten wurde nichts und die Tapes verschwanden in den Kellern der Musiker.

Am Freitagabend stellt sich heraus: Wondratschek kann sich an die Verhandlungen von damals kaum noch erinnern. Schon gar nicht an das Telefon mit Rakete. Und dann setzte er noch einen drauf: "Ich glaube bis heute, dass Gedichte aufs Papier gehören. Die brauchen keine Rockband. Sie brauchen einen Leser." Und weiter: "Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass ich Songtexte schreibe, die darauf warten, vertont zu werden."

Das Ja kam schneller als damals das Nein

Seit dem New Yorker Telefonat zwischen Rakete und Wondratschek sind 40 Jahre vergangen, beide sind mittlerweile gute Freunde. Als die Idee im Raum stand, die alten Demos jetzt doch zu veröffentlichen, und Rakete den Dichter via Brief um die Rechte bat, kam das Ja noch schneller als damals das Nein. Rakete barg die 8-Spurbänder mit den Wondratschek-Songs in den Berliner Kellern der Musiker, ließ sie digitalisieren und remastern. Das Ganze erschien noch am Freitagabend in limitierter Auflage auf Vinyl. Die Platte heißt "Letzte Ausfahrt" – nach einem Gedichttitel von Wolf Wondratschek.

Der Sound, der aus den Lautsprechern im Babylon-Studio drang, war rough und magisch. Eine ungefilterte, musikalische Flaschenpost aus dem Jahr 1979. Feinmotorischer Rhythm and Blues und dazu die so eigenwillige, markante Stimme von Heiner Pudelko, der bereits 1995 verstorben ist, am Freitag aber ganz gegenwärtig war.

Ein historischer und ein rührender Moment

Jim Rakete umschreibt das damalige Zusammentreffen von Interzone und Wondratschek als historischen Moment: "Meiner Ansicht nach ist es eine unglaublich interessante Begebenheit, dass Rhythm and Blues und Lyrik an der Stelle eine Schnittmenge hatten. Dass zwei Sachen auf der Höhe der Zeit sind und sich gegenseitig befeuern."

Die noch lebenden Musiker von Interzone und Wolf Wondratschek begegneten sich jetzt zum ersten Mal. "Es ist ein rührender Moment", sagt Wolf Wondratschek, als das Mikrofon schon aus ist. Schlagzeuger Hans Wallbaum, Gitarrist Mario "Bibi" Schulz und Gitarrist Ralf "Trotter" Schmidt, heute immer noch leidenschaftliche Musiker, sind ebenfalls sichtlich ergriffen. Die Aufnahmen von damals haben sie tatsächlich 40 Jahre lang nicht gehört. "Keiner von uns hatte damit gerechnet, dass das noch mal auftaucht", erzählt Wallbaum.

Immer wieder an diesem Abend liest Wondratscheck die passenden Gedichte zu den Interzone-Vertonungen. Der Abend endet mit dem Song "Apartment 302" und den Zeilen: "Sie versucht, logisch zu denken, nimmt drei Tabletten zu viel, um einzuschlafen und glücklich zu sein, einfach so wie die Lieder aus dem Radio."

Ab 21 Uhr gab es die limitierte Auflage dann bei Dussmann in der Friedrichstraße zu kaufen – samt langer Schlange, Wondratschek und Rakete signierten die Platten im Windfang. Das Album in der Hand, konnten die Fans es immer noch nicht glauben. Ein kleines Wunder.
 

radioeins-Redakteurin Alke Lorenzen über Interzone:

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