Dengê Welat - Sender Grigoriopol wohl wieder auf Kurzwelle

Sender Grigoriopol
Mittelwellen-Senderhaus der Station Grigoriopol | © Leo Cultuclu

Auf der Sendestation Grigoriopol in Pridnestrowje, dem an die Ukraine grenzenden Teil von Moldawien, scheinen nicht nur die Einschränkungen des Mittelwellenbetriebs aufgehoben zu sein. Inzwischen ist die Station wohl sogar wieder auf Kurzwelle aktiv – mit einem Kunden, der zurückkehrte, weil sein neuer Auftragnehmer nicht liefern konnte.

Gemeint ist die Dengê Welat, der Hörfunkableger des kurdischen Stêrk TV. Im April war die Kurzwellenausstrahlung dieses Programms nach Bulgarien umgezogen. Angesichts einer deutlichen Absenkung der Sendeleistung (von 300 auf 50 kW) kann dabei von einem entsprechend günstigeren Preis ausgegangen werden.

Vom 7. Dezember an waren jedoch alle Ausstrahlungen aus der Sendestation Kostinbrod bei Sofia unterbrochen. Beschrieben wurde der Grund als „technisches Problems bei der Stromversorgung“.

Die Betreiber dieser Sendestation organisierten keine Ersatzschaltungen. Selbst zur Tat schritt deshalb die BBC: Zumindest zwei betroffene Sendeplätze ihrer Programme in Farsi (17.00-18.00 Uhr auf 5875 kHz) und Französisch (19.00-19.30 Uhr auf 11660 kHz) wurden auf der Kurzwellenstation Woofferton in England aufgeschaltet.

Das ist offenbar auch nicht sofort wieder rückgängig gemacht worden, als am 16. Dezember andere Ausstrahlungen wieder aus Kostinbrod kamen. Ebenso verhält es sich bei der Dengê Welat, die ab dem 13. Dezember wieder auf ihr altes Arrangement zurückgriff.

Dies zeigt sich am Frequenzeinsatz. Es handelt sich tagsüber wieder mal um 11530, mal um 11540 kHz. Dieses Wechselspiel dient dazu, zumindest zeitweise der Störsendung auszuweichen, die seit mittlerweile drei Jahren aus der Türkei gegen den „Feind“ gerichtet wird. Die bulgarischen Betreiber hatten solche Abwehrmaßnahmen erst garnicht versucht.

Gegen 17.00 Uhr erfolgt dann eine Umschaltung auf die Nachtfrequenz 7460 kHz. Das dauert etwa fünf Minuten, typisch für eine Senderanlage älterer Bauart, bei der dazu einige manuelle Eingriffe erforderlich sind. Auch weitere Details deuten auf eine erneute Ausstrahlung aus Grigoriopol.

Dort war im November zunächst der Sendebetrieb auf Mittelwelle durch Maßnahmen der Lastverteilung eingeschränkt. Die Bombardierung von Anlagenteilen des Energienetzes in der Ukraine führte dann in Pridnestrowje zum flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung.

Inzwischen dürften die Ausstrahlungen auf 999, 1413 und 1548 kHz wieder planmäßig laufen. Auch die russische Sendung von Trans World Radio wird erneut von 19.30 bis 20.30 Uhr auf 621 kHz übertragen.

Auf die letztgenannte Frequenz zurückgekehrt sein sollte somit auch Radio PMR aus Tiraspol, für das hier die Sendezeit an Arbeitstagen von 14.00 bis 17.18 Uhr reserviert ist. Dabei wird bis 17.00 Uhr das Zweitprogramm, Radio 1 pljus, zur Bündelung der Wortbeiträge mit dem von aktueller Popmusik geprägten Hauptprogramm zusammengeschaltet. Ansonsten läuft hier ein Nostalgieformat mit sowjetischen Schlagern.

 

Beitrag von Kai Ludwig; Stand vom 16.12.2022