USA - EWTN hat künftig einen Wettbewerber weniger

Eternal Word Television Network
Eine Kurzwellen-Vorhangantenne und die Gründerin von EWTN

Zum weitgehenden Verschwinden des internationalen Hörfunkdienstes beim Eternal Word Television Network hat sich inzwischen die zuständige Sendetechnik geäußert. Unterdessen entschieden die US-Bischöfe, einen Wettbewerber des Medienkonglomerats um EWTN zu schließen.
 

Die als Umstrukturierung verbrämte Schließung trifft nach 102 Jahren den Catholic News Service, das „Gegenstück“ zur KNA, die in deutscher Sprache ebenfalls über dieses Thema berichtet.

Damit verbleibt nur noch die heute von EWTN betriebene Catholic News Agency, die ihre Dienste kostenlos anbietet. Dazu gibt es Meinungen, die hier eine gezielte, politisch motivierte Verdrängung des CNS sehen.

Bei seinem internationalen Hörfunkdienst wiederum verzichtet EWTN seit 2018/2019 bereits auf eine Ausstrahlung des englischen Programms nach Europa und Asien. Seit Mitte März sind nun auch die Sendeplätze für Westafrika (nach MESZ 21.00-2.00 Uhr auf 15610 kHz und daran anschließend bis 11.00 Uhr auf 9385 kHz) entfallen.

Mitte April verschwand darüber hinaus die Nachtfrequenz des spanischen Programms für Lateinamerika, 5970 kHz. Dieses Programm läuft jetzt nur noch von 16.00 bis 2.00 Uhr auf 12050 kHz.

Wie es dazu hieß, sei man wegen Lieferschwierigkeiten bei Ersatzteilen derzeit nicht in der Lage, das englische Programm auszustrahlen. Sobald die benötigten Ersatzteile eintreffen, werde man die Reparaturen vornehmen und den Betrieb wieder aufnehmen.

Interessant ist diese Auskunft, weil sie der Begründung entspricht, die zum anhaltenden Ausfall eines Kurzwellensenders in Rumänien gegeben wird. Dort handelt es sich um Geräte des selben US-amerikanischen Herstellers, was unweigerlich die Frage aufwirft, ob auch bei anderen Betreibern mit solchen Ausfällen zu rechnen ist.

Auf einem anderen Blatt steht dabei allerdings die Frage, mit welcher Priorität bei EWTN und in Rumänien die Wartung der Kurzwellenanlagen noch betrieben wird.

Stand vom 26.05.2022

Seit Mitte März verschwunden:

Die Gründerin von EWTN hieß bürgerlich Rita Rizzo. 1944, im Alter von 21 Jahren, trat Rizzo in den Orden der Klarissen ein und nahm den Ordensnamen Angelica an.

1962 gründete sie in Alabama ein neues Kloster und wurde damit zu Mutter Angelica. 1971 begann sie mit Bibelstunden ihre öffentlichen Auftritte. 1978 brachte ihr der Besuch bei einem Fernsehsender in Chicago die Idee, in dieses Medium einzusteigen. Aus ersten Zulieferungen wurde 1981 das eigene Satelliten- und Kabelprogramm.

1992 begann EWTN auch mit Kurzwellenhörfunk. Der niederländische Milliardär Piet Derksen († 1996) ermöglichte es mit einer Spende von 23 Millionen Dollar, vier Sender mit einer Nennleistung von jeweils 500 kW und acht Vorhangantennen aufzubauen.

Die Anlage erhielt die Kennung WEWN und fand ihren Platz bei der Ortschaft Vandiver, knapp 20 Kilometer entfernt von der EWTN-Zentrale. Diese befindet sich ihrerseits in Irondale, einem östlichen Vorort von Birmingham, der größten Stadt des US-Bundesstaats Alabama.

Zu Zeiten des größten Ausbaustands sendete EWTN auf Kurzwelle in 26 Sprachen. Dazu gehörte von Anfang an auch Deutsch, was mit teils extremen Sendeplätzen (so 1993 erst um Mitternacht) und bestenfalls mäßiger Empfangsqualität allerdings ein aussichtsloses Unterfangen war.

Diese Versuche ersetzte EWTN ab 2000 durch Fernsehsendungen für das deutschsprachige Europa. Daraus wurde 2011 eine Dependance in Deutschland, deren Programm seit 2016 mit nordrhein-westfälischer Lizenz arbeitet.

In den USA selbst hat sich EWTN inwischen zu einer Kraft des politisch rechten Spektrums entwickelt. Eine katholische Stimme formulierte 2019 die Charakterisierung „Fox News der Religionssender“.

Der National Catholic Reporter ging auch darauf ein, wie EWTN die Verbreitung zweier reaktionärer Positionierungen vorangetrieben hat. Das war zum einen das Glaubensmanifest des dann vom Papst entlassenen Kurienkardinals Müller.

Ebenfalls von EWTN gepusht wurde ein Text des früheren Papstes Benedikt XVI., der sich inzwischen auf juristische Erklärungen zurückzieht. Sein Diskussionsbeitrag fand 2019 bereits ein negatives Echo bis zu harter Zurückweisung.

Die Beitragsserie von 2019 ging auch auf die Geldströme bei EWTN ein. Demnach erhielt die gemeinnützige GmbH in Deutschland zwischen 2016 und 2019 mehr als eine Million Dollar als Spenden von der Zentrale in den USA. Auch die deutsche EWTN-Stiftung werde von der Zentrale kontrolliert.

Beleuchtet wird außerdem, wie die Gründerin von EWTN († 2016) ab 1993 offen gegen liberale Kräfte in der römisch-katholischen Kirche opponierte.

Es gelang ihr insbesondere, Bemühungen der US-Bischöfe, einen eigenen Fernsehsender aufzubauen, zu torpedieren. Aktuell fallen aus den Reihen eben dieser Bischöfe kommende reaktionäre Ansprachen in Richtung Deutschland auf.

Als vorläufigen Höhepunkt der Debatte präsentierte der National Catholic Reporter im Spätsommer 2021, was der Papst von EWTN hält. Er äußerte seine Meinung bei einem Treffen mit Angehörigen des Jesuitenordens in der Slowakei.

Zwar nannte Franziskus dabei keinen Namen. Es steht aber außer Zweifel, wer mit den so zitierten Worten gemeint war:

„Es gibt einen großen katholischen Fernsehsender, der keine Hemmungen hat, ständig schlecht über den Papst zu reden. Persönlich verdiene ich zwar Angriffe und Beleidigungen, denn ich bin ein Sünder, aber die Kirche verdient sie nicht.
Die sind ein Werk des Teufels. Das habe ich einigen von denen auch schon gesagt.“

 

Autor: Kai Ludwig