Luxemburg - RTL-Langwelle 234 kHz endet am 31. Dezember

Sender Beidweiler
Langwellenantenne Beidweiler; links weit hinten der alte Sender Junglinster | © Jwh, CC

Mit Ablauf des Jahres 2022 entfällt nun auch die letzte der einst vier Langwellen, auf denen für Frankreich bestimmte Programme ausgestrahlt wurden. Immerhin macht RTL sich nicht so klammheimlich aus dem Staub, wie es Europe 1 und RMC mit der kommentarlosen Abschaltung ihrer Frequenzen taten.

Am 17. Oktober begann RTL damit, den Wegfall der Langwelle 234 kHz zu kommunizieren, auch mit ins Programm eingestreuten Hinweisen. Als die Information schon in der Vorwoche durchsickerte, wurde der entsprechende Bericht nicht mit Ausflüchten, sondern einer Bestätigung kommentiert.

Sofern es keine weitere Reduzierung gab, arbeitet der Sender Beidweiler in Luxemburg jetzt noch mit 750 kW tagsüber und 375 kW bei Dunkelheit. Seit dem Frühjahr wird er nachts ausgeschaltet, um den bereits eingetretenen Anstieg der Strompreise zu kompensieren.

Die Information über das Ende der Langwelle kam kurz nach dem Scheitern der Fusion des von RTL kontrollierten Fernsehsenders M6 mit TF1. Ein anderweitiger Verkauf der M6-Anteile ist bei RTL zumindest vorläufig vom Tisch.

Einen Tag nach dem Beginn der Informationskampagne war aus Großbritannien zu lesen, was dort für den Fall eines großflächigen Zusammenbruchs der Stromversorgung geplant ist: Eine Beruhigung der Bevölkerung über den Rundfunk, und zwar ausdrücklich auch über die Langwelle 198 kHz, welche die BBC lieber heute als morgen loswerden will.

Stand vom 21.10.2022



Die Sendeanlage Beidweiler mit ihren drei jeweils 290 Meter hohen Masten stammt aus dem Jahr 1972. Ihre ursprünglichen Sender wurden 1994 ersetzt. Seit einer nochmaligen, 2011 realisierten Modernisierung sind hier nun Senderblöcke der Bauart TRAM (Hersteller ehemals Transradio Berlin) für 1500 kW installiert.

Beidweiler ist die letzte mit französischem Programm bespielte Langwelle. Die Ausstrahlungen von RMC auf 216 kHz und des als Plattform des „polémiste d’extrême droite“ Eric Zemmour auffallenden Europe 1 auf 183 kHz endeten im März 2020 bzw. zum Ende des Jahres 2019. Letztere lief über eine Sendeanlage im Saarland, die im Oktober 2020 abgerissen wurde.

Bereits mit Ablauf des Jahres 2016 entfiel die Übertragung von France Inter auf 162 kHz. Als Folge einer einstigen Entscheidung, diese Rundfunkfrequenz für den französischen Zeitdienst mitzunutzen, wird mit der Sendeanlage beim zentralfranzösischen Allois jedoch bis heute auf Staatskosten Stille ausgestrahlt.

Sender Junglinster
Junglinster: Zwei der drei Langwellentürme, dazwischen der kleine Kreuzdipol für die Kurzwelle 6090 kHz | © allispossible.org.uk, CC-NC

Die Anlage Beidweiler hatte auf Langwelle die traditionelle, wenige Kilometer entfernte Sendestation Junglinster abgelöst. Neben einer als Reserve weiter vorgehaltenen Langwellenanlage gab es hier ab 1972 eine 500 kW starke Telefunken-Kurzwellenanlage für das deutschsprachige Radio Luxemburg.

In der DDR erfreute sich das auf 6090 kHz abgestrahlte Gute-Laune-Schlagerformat bis weit in die 80er Jahre größerer Popularität. Unverkennbar war das stets präsente Schwebungspfeifen, mit dem der nur 5 kHz tiefer sendende Bayerische Rundfunk das Signal aus Junglinster „verzierte“.

Zum Ende des Jahres 1991 entfiel diese Übertragung. Danach gab es für drei Jahre einen Parallelbetrieb mit der Langwelle 234 kHz, bis die Kurzwellenanlage Ende 1994 zunächst abgeschaltet wurde.

2003 wurde sie noch einmal aktiviert, nun für einen ambitionierten Versuch, den AM-Bändern mit digitalen Ausstrahlungen wieder zu ihrer alten Bedeutung zu verhelfen. Nachdem diese Bemühungen nur sehr verhaltene Resonanz fanden, endete 2011 der Sendebetrieb in Junglinster sang- und klanglos.

Das deutschsprachige RTL-Programm aus Luxemburg seinerseits wurde 2015 ebenfalls eingestellt. An dessen Stelle trat, auch auf den UKW-Frequenzen in Luxemburg, eine Adaption des Berliner 104.6-Formats.

Bemerkenswert offen äußerte sich dazu Programmdirektor Arno Müller in der von ihm moderierten Morgensendung: „So toll und populär RTL-Radio über viele Jahre war, mit über zehn Millionen Zuhörern: in den letzten Jahren sind es doch ein paar weniger geworden.“ Dies habe „viele verschiedene Gründe“, über die er „jetzt gar nicht lange sprechen und nachdenken“ wolle.

Die „paar weniger“ beliefen sich zuletzt auf 600.000 pro Arbeitstag, entsprechend einem Marktanteil von 0,8 Prozent. Dabei wurden immer wieder Zweifel an diesen Daten laut und in erheblichem Umfang unterlaufene Verwechslungen mit 104.6 RTL bzw. den ebenfalls unter „RTL“ laufenden UKW-Programmen aus Dresden und Halle vermutet.

Sender Marnach
Deutschland-Antenne des Senders Marnach, abgerissen 2016 | © Legrande, CC

Mit Ablauf des Jahres 2015 abgeschaltet wurde in Luxemburg die Mittelwelle 1440 kHz. Die letzten Masten des Senders bei Marnach verschwanden Anfang 2016.

Damals formulierte Chefingenieur Eugène Muller seine Beobachtung einer Tendenz bei terrestrischen Rundfunkversorgungen. Er führt zu dem sich inzwischen abzeichnenden nächsten Trend, klassische Rundfunktechniken insgesamt obsolet erscheinen zu lassen:

„Es werden nur noch die Gebiete innerhalb der Staatsgrenzen bedient. Weitreichender Overspill darüber hinaus wie auf Mittelwelle, Langwelle und teils auch UKW scheint zunehmend unerwünscht zu sein.“

Ganz im Vordergrund stand in Marnach zuletzt die Nutzung der Frequenz durch China Radio International. Ab 2013 handelte es sich um ein ausschließlich für Deutschland bestimmtes Programm im Umfang von zehn Stunden pro Tag. Einen Ersatz für die Luxemburger Mittelwelle gab es dafür ab 2016 indes nicht mehr.

Im Gegenteil wurden die deutschen Hörfunksendungen aus Peking zunächst 2019 auf ein Notprogramm beschränkt und 2021 schließlich ganz eingestellt.

 

Autor: Kai Ludwig