Eingliederung zu CGTN?

Entwicklungen bei China Radio International

In Peking bahnt sich eventuell eine Eingliederung von China Radio International (das gerade sein russisches Programm wieder auf Mittelwelle aufgeschaltet hat) zum Auslandsfernsehen CGTN an: Das englische Programm präsentiert sich jetzt als „CGTN Radio“.

China mit Ürümqi
© Sammlung University of Texas

Erstmals gemeldet wurde die Umbenennung am 17. Dezember. Erläuterungen dieses Schrittes sind zunächst nicht bekannt.

Seit 2019 ist bei China Radio International ein unübersehbarer Rückbau im Gang. Die Hörfunksendungen einer Reihe von Sprachdiensten sind bereits eingestellt. Zurück blieben reine Onlinepräsenzen, die oft nicht allzu umfangreich ausfallen.

Das gilt auch bei der deutschen Sprache. Hier gab es im Hörfunk ab Ende 2019 nur noch ein Notangebot aus Archivmaterial. Seit September ist es nun auch damit vorbei. Zwar werden, wie bei den eingestellten CRI-Programmen generell der Fall, die geplanten Kurzwellenfrequenzen weiterhin eingeschaltet. Zur Übertragung kommt nun jedoch lediglich Musik.

Beim russischen Programm wiederum wurde ungefähr im Frühsommer bereits die Ausstrahlung auf Mittelwelle eingestellt. Nun ist es zumindest auf 1521 kHz doch wieder aufgetaucht.

Hier läuft eine Sendeanlage in Hutubi, etwa 60 km nordwestlich von Ürümqi. Dort gibt es außerdem die Frequenz 1323 kHz, die zwischen zwei Antennen mit den Abstrahlrichtungen Mongolei/Sibirien bzw. Afghanistan/Pakistan/Indien umgeschaltet werden kann. Ob auch diese Frequenz jetzt wieder in Betrieb ist, wurde bislang nicht gemeldet.

Auf 1521 kHz wurde stets ausschließlich das russische Programm in Richtung Europa abgestrahlt. Bis zur Unterbrechung des Betriebs übliche Sendezeiten waren, bezogen auf MEZ, 12.00-21.00 und 1.00-3.00 Uhr.

Die Frequenz ist dafür bekannt, schon seit langer Zeit öfters bis nach Mitteleuropa durchzukommen. Dafür sorgte auch die Auflösung der Tschechoslowakei, durch die hier schon seit 1993 keine Großsender mehr in Betrieb sind. Fast schon größter „Spielverderber“ ist seitdem ein saudischer Sender an der Küste des Roten Meeres.

In Hutubi gibt es Richtantennen sowjetischer Bauart, wie sie von China auch bei Durrës errichtet wurden und von 1968 bis 2017 in Betrieb waren. Die Anlagen in Hutubi dürften somit ganz ähnlich aussehen.

Unbekannt ist dabei, ob es – im Gegensatz zu Albanien – hier zu Modernisierungen kam. Schon deshalb bleibt es reine Spekulation, ob die Sendeleistung auf 1521 kHz sich nun auf die offiziell verzeichneten 500 kW oder, wie manchmal unterstellt (ggf. die Wirkung der aus acht Masten bestehenden Antenne unterschätzend), auf bis zu 2000 kW beläuft.

Mittelwellensender Hutubi
Die Sendeantenne 1521 kHz in Hutubi

Über Jahrzehnte ging es in Hutubi tatsächlich nur um die Mittelwelle. Soweit bekannt, kamen die Auslandssendungen auf Kurzwelle, vielleicht abgesehen von wenigen Kleinfrequenzen, lange Zeit ausschließlich aus der Osthälfte von China.

Das änderte sich erst Mitte der 90er Jahre. Seinerzeit ergänzten US-amerikanische Auftragnehmer die Mittelwellenanlage in Hutubi um einen Kurzwellenkomplex mit einem umfangreichen Antennenpark und einer Anzahl von Sendern, davon acht mit einer Leistung von 500 kW.

Für die Lieferanten blieb das eine Sackgasse. Ihre Technik wurde von einer chinesischen Firma kopiert, die damit auch Aufträge im Ausland realisierte. Umfangreiche weitere Projekte in China wiederum sicherte sich der französische Rüstungskonzern Thales, der im Jahre 2000 die frühere Firma Thomcast erworben hatte.

Nach Abwicklung der chinesischen Aufträge gab Thales das Geschäftsfeld Rundfunktechnik schon 2005 wieder auf. Eine solche Bereinigung des Portfolios vollzieht der Rüstungskonzern gerade erneut. Diesmal trifft es die Stellwerkstechnik, zu der Thales durch den Erwerb von Alcatel-SEL gekommen war.

Sowohl in Hutubi als auch bei den durch Thales realisierten Projekten ist von einer routinemäßigen Einbeziehung in die von China praktizierte Störung ausländischer Rundfunkprogramme auszugehen. Auch die Ausstrahlungen von CRI werden, egal ob mit wirklichem Programm oder nur noch mit Musik, uneingeschränkt fortgeführt.

Herausgegriffen seien davon nur die Übertragungen des nunmehrigen „CGTN Radio“, die noch durch eine große Anzahl weiterer Kurzwellenfrequenzen von anderen Standorten ergänzt werden:

10.00-11.00 Uhr: 17570 kHz (nach Europa)
11.00-12.00 Uhr: 15190 kHz (nach Südasien)
12.00-14.00 Uhr: 11650 kHz (nach Südasien)
13.00-14.00 Uhr: 13790 kHz (nach Europa)
15.00-16.00 Uhr: 6100 kHz (nach Nahost)
15.00-16.00 Uhr: 7300, 9460 kHz (nach Südasien)
15.00-16.00 Uhr: 9795 kHz (nach Europa)
16.00-17.00 Uhr: 7395 kHz (nach Südasien)
16.00-17.00 Uhr: 9720 kHz (nach Nahost)
17.00-18.00 Uhr: 7420 kHz (nach Afrika)

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.12.2021