Zur Refinanzierung von Russisch

Die 21-Minuten-Sendungen von NHK

NHK World hatte kurzfristig seine Entscheidung revidiert, die Übertragung einer russischen Sendung aus Nauen abzubestellen, und sogar weitere Sendeplätze in Japan selbst eingerichtet. Zusätzliche Mittel gibt es dafür aber offensichtlich nicht, wie eine unkonventionelle Kompensationsmaßnahme zeigt.

Kurzwellensender Nauen
Sendeanlagen bei Nauen (Foto anonym via Wikipedia)

Eine Anzahl der in der Regel 30 Minuten langen Sendungen wurde auf 21 Minuten gekürzt. Das betrifft auch die Nauen-Frequenz 6165 kHz, die nun nur noch von 6.30 bis 6.51 Uhr eingeschaltet ist.

Ebenso verfahren wird bei den Russisch-Sendungen aus Japan selbst, die seit dem 9. März um eine zusätzliche Ausstrahlung erweitert sind. Für jeweils 21 Minuten gesendet wird hier nun ab 5.30 Uhr auf 17560 kHz, ab 7.30 Uhr auf 11790 kHz und ab 12.30 Uhr auf 7355 kHz.

Zu diesen 21-Minuten-Sendungen gibt es noch eine Angabe: Demnach beschränken sich die russischsprachigen Beiträge auf Arbeitstage und werden am Wochenende durch englisches Material ersetzt.

Auf 21 Minuten gekürzt sind jetzt außerdem vier der noch verbliebenen Ausstrahlungen aus Frankreich (damit nun: Französisch 7.30-7.51 Uhr auf 11730 und 13840 kHz sowie 22.30-22.51 Uhr auf 7425 kHz, Arabisch 8.00-8.21 Uhr auf 11730 kHz, Farsi 16.30-16.51 Uhr auf 13680 kHz) und eine weitere Direktsendung aus Japan (Urdu nun 18.00-18.21 Uhr auf 9440 kHz).

Unangetastet blieben die großflächigen Sendeplätze, die für ein Programm in japanischer Sprache in Frankreich gebucht sind: 4.00-6.00 Uhr auf 6105 kHz, 5.00-7.00 Uhr auf 9490 kHz, 10.00-12.00 Uhr auf 15290 kHz, 19.00-21.00 Uhr auf 9780 und 11945 kHz sowie 21.00-23.00 Uhr auf 15130 kHz.

Ebenfalls unangetastet blieb die für Westafrika bestimmte englische Morgensendung aus Frankreich, auf 7355 kHz an Arbeitstagen von 6.30 bis 7.00 Uhr, am Wochenende von 7.00 bis 7.30 Uhr. Vor einem Jahr hatte NHK bereits deren parallele Ausstrahlung aus Österreich abgekündigt und damit seinen Ausstieg aus dem Kurzwellenrundfunk in Europa vollendet.

Alle anderen hierher gerichteten Übertragungen sind schon im vorletzten Jahrzehnt entfallen. Die deutsche Sprachredaktion wurde dabei ganz aufgelöst.

Seinen schrittweisen Rückzug aus diesem Verbreitungsweg handhabt NHK als blockweise Abkündigung ganzer Senderstandorte. Im März 2021 betraf das auch die Sender in Singapur. Außerdem wurde ein Angebot, nach der Schließung von World Harvest Radio die Sender von Radio Martí zu nutzen, nicht mehr wahrgenommen.

Zum 27. März 2022 entfielen nun die vier Sendestunden für Japanisch in Nauen. Komplett verlassen hat NHK die Standorte Abu Dhabi, Madagaskar und Usbekistan mit jeweils rund zweieinhalb Sendestunden sowie Radio Vatikan und die Sendestation in Florida, wo jeweils eine halbstündige Ausstrahlung lief.

Zwei halbstündige russische Sendungen von NHK liefen seit Jahren auch über einen Mittelwellensender in Litauen. Zu dessen Bespielung im Sommerhalbjahr 2022 liegt noch keine Übersicht vor.

Stand vom 28.03.2022



Seit dem 7. März wird auch das Fernsehprogramm NHK World Japan nicht mehr in die russischen Kabelnetze eingespeist. Als Alternative empfiehlt NHK die Onlineverbreitung, bei der in Tokio anscheinend nicht mit irgendwelchen künftigen Schwierigkeiten beim Zugriff aus Russland gerechnet wird.

Ernsthaft empfohlen wird auch der Satellitenempfang, für den es allerdings, wie NHK selbst einräumt, einer Antenne von mindestens 1,80 Meter bedarf. Als 2017 die Ausstrahlungen von NHK aus Nauen begannen, war es dort erforderlich, eine große professionelle Antenne für das C-Band aufzubauen.

 

Autor: Kai Ludwig