Drei Arten von Sendern

Japan auf Kurzwelle

Bis heute sind in Japan drei verschiedene Arten von Hörfunksendern auf Kurzwelle aktiv. Mit einer davon würde im Jahre 2022 wohl kaum noch jemand rechnen.

Sender Yamata
Einfahrt der Sendestation Yamata mit Höhenbegrenzung durch Antennenspeiseleitungen und Firmenschild des Betreibers KDDI | © Starbacks, CC

Zunächst ist da die öffentliche Rundfunkgesellschaft NHK mit ihrem Radio Japan, dessen traditioneller Name inzwischen hinter die jüngere Fernsehmarke NHK World zurücktritt.

2021/2022 hatte NHK in zwei Wellen die Nutzung von Kurzwellensendern im Ausland größtenteils beendet. Dabei war das Vorgehen anscheinend an feste Budgetvorgaben geknüpft, an denen selbst ein Krieg nichts ändern kann.

Besondere Blüten trieb deshalb die Reaktion auf die eingetretene Lage: Ein Teil der bislang stets 30 Minuten langen Fremdsprachensendungen wurde auf 21 Minuten gekürzt, an die Stelle der „normalen“ russischen Sendungen trat eine seltsame Mischung aus Beiträgen in Russisch und Englisch.

Die seit 1941 aktive Sendestation Yamata, nördlich von Tokio, steht bei dem verbliebenen Restbetrieb nun ganz im Vordergrund. Ihre heutigen Ausrüstungen stammen aus den 80er Jahren.

Dabei handelte es sich noch um eine Mischung von Sendern mit 100 und 300 kW Leistung. Im vergangenen Jahrzehnt fiel eine Entscheidung, die höhere Leistungsebene zum generellen Standard zu machen. Dafür erhielt die Station nochmals einige neue Sender, die erstmals nicht in Japan selbst angefertigt, sondern aus Europa importiert wurden.

Im Sommer 2022 kommen aus Yamata noch die folgenden NHK-Programme (Zeitangaben in MESZ):

04.00-05.00 Uhr: 11790 kHz; Japanisch
04.00-06.00 Uhr: 12025, 15195, 17810 kHz; Japanisch
05.30-05.51 Uhr: 17560 kHz; Russisch/Englisch
06.00-06.30 Uhr: 11895 kHz; Chinesisch
07.00-07.30 Uhr: 11870 kHz; Koreanisch
07.30-07.51 Uhr: 11790 kHz; Russisch/Englisch
09.00-10.00 Uhr: 11825 kHz; Japanisch
09.00-11.00 Uhr: 9615 kHz; Japanisch
09.00-12.00 Uhr: 15280 kHz; Japanisch
10.00-16.00 Uhr: 9750 kHz; Japanisch
12.00-18.00 Uhr: 11815 kHz; Japan. Burmes., Engl.
12.30-12.51 Uhr: 7355 kHz; Russisch/Englisch
13.00-14.30 Uhr: 13835 kHz; Koreanisch, Chinesisch
14.30-17.00 Uhr: 6190 kHz; Koreanisch, Chinesisch
15.00-16.00 Uhr: 9470 kHz; Japanisch
17.00-17.51 Uhr: 11655 kHz; Bengalisch, Hindi
17.00-19.00 Uhr: 7375 kHz; Japanisch
18.00-18.21 Uhr: 9440 kHz; Urdu
18.00-19.00 Uhr: 9650 kHz; Japanisch
19.00-01.00 Uhr: 11800 kHz; Japanisch
21.00-23.00 Uhr: 11625 kHz; Japanisch
22.00-23.00 Uhr: 9480 kHz; Japanisch
23.00-02.00 Uhr: 11910 kHz; Japanisch
00.09-00.50 Uhr: 9560 kHz; Koreanisch, Chinesisch
01.00-02.00 Uhr: 13650 kHz; Thailändisch, Vietnamesisch
02.00-03.00 Uhr: 13600 kHz; Indonesisch, Burmesisch

Aus der Station Yamata kommt auch die zweite Art von Kurzwellenhörfunk: Sendungen, die nur in einer vagen Hoffnung ausgestrahlt werden, noch jemanden der vor Jahrzehnten nach Nordkorea entführten Japaner zu erreichen.

Den Anfang machte 2005 das zivilgesellschaftliche Shiokaze-Projekt, zunächst mit Übertragungen aus dem Ausland. 2007 gingen die japanischen Behörden einen außergewöhnlichen Schritt: Das Projekt erhielt eine Sonderlizenz, die eine Nutzung der Station Yamata ermöglichte.

Bis dahin war das ausschließlich NHK vorbehalten. Auch die Programme ausländischer Partner, die ab den 80er Jahren zeitweise aus Yamata übertragen wurden, liefen in der rundfunkrechtlichen Verantwortung von NHK.

Die Behörden hofften, bei Direktausstrahlungen aus Japan gegen eine Störung der Shiokaze-Sendungen durch Nordkorea wirksam über die Internationale Fernmeldeunion vorgehen zu können. Das war allerdings eine deutliche Überschätzung der Möglichkeiten und auch der Handlungsbereitschaft dieses UN-Organs.

Als einzige, nicht sonderlich wirksame Gegenmaßnahme blieb somit, die Frequenzen immer wieder zu ändern, wobei die getroffenen Wahlen oft auch nicht sonderlich geschickt sind. Von den folgenden Angaben über die Shiokaze-Ausstrahlungen dürften deshalb schon bald nur noch die Sendezeiten zutreffen:

15.00-16.00 Uhr: 6040, 6165 kHz
18.00-19.00 Uhr: 5935, 6090 kHz

Parallel zur Ausstellung der Sonderlizenz begann der in dieser Angelegenheit von der japanischen Regierung eingesetzte Sonderstab auch mit eigenen Rundfunksendungen.

Dabei konnten wiederum nur Sendeanlagen im Ausland genutzt werden, da in Japan so, wie auch aus Deutschland bekannt, die Veranstaltung von Rundfunk durch staatliche Stellen generell unzulässig ist:

15.00-15.30 Uhr: 9940 kHz (Taiwan), 11875 kHz (Usbekistan)
15.00-15.57 Uhr: 9455 kHz (Taiwan)
15.30-15.57 Uhr: 9705 kHz (Taiwan)
16.30-17.00 Uhr: 9705 kHz (Taiwan), 11955 kHz (Usbekistan)
16.30-18.00 Uhr: 9685 kHz (Taiwan)
17.00-18.30 Uhr: 7335 kHz (Usbekistan)
17.00-19.30 Uhr: 6110 kHz (Taiwan)
18.00-18.30 Uhr: 9470 kHz (Taiwan)
19.30-20.30 Uhr: 5845 kHz (Usbekistan)

Nachträglich verfiel man allerdings auf den Trick, auch als Programmproduzent aufzutreten, der Shiokaze nur zuliefert. Auf dieser Grundlage gibt es eine zusätzliche Yamata-Sendung von 16.05 bis 16.35 Uhr auf 5920 und 7295 kHz.

Die Sendungen des Sonderstabs erscheinen mit zwei verschiedenen Namen: In japanischer Sprache als „Furusato no Kaze“, in koreanischsprachigen Segmenten als „Ilbon-e Baran“ (auch japanisch als „Nippon no Kaze“ wiedergegeben).

Gelegentlich gibt es auch noch Sondersendungen, so die nächste am 16. Juni von 14.00 bis 16.00 Uhr, mit japanischer Sprachfassung auf 13725 kHz (aus Tadschikistan) und koreanischer Fassung auf 17820 kHz (aus Abu Dhabi).

Wohl kaum noch rechnen würde man in Japan heute mit einem Privatsender auf Kurzwelle, zumal fast alle kommerziellen Veranstalter inzwischen beschlossen haben, sich bis 2028 von der Mittelwelle zurückzuziehen.

Dennoch ist eine solche Station seit 1954 exklusiv auf Kurzwelle aktiv: Radio Nikkei, früher bekannt als Radio Tampa oder Nihon. Es veranstaltet zwei Programme: Ein Vollprogramm und eines mit dem – schon im heutigen Namen zum Ausdruck kommenden – Schwerpunkt Börseninformationen.

Heute bezieht sich die Exklusivität natürlich nur noch auf die terrestrische Verbreitung. Folglich wurde die Nutzung der Kurzwelle bislang zwar nicht eingestellt, seit 2018 aber doch schon erheblich reduziert.

Die Hauptsendeanlage (siehe auch weitere Fotos) von Radio Nikkei befindet sich seit 1969 bei der Ortschaft Nagara, am Shizu-See auf der Halbinsel Boso, der östlichen Seite der Bucht von Tokio. Dort sind jetzt noch zwei Sender mit 50 kW, eventuell auch noch ein dritter Sender mit 10 kW in Betrieb.

Ausgestrahlt wird das Hauptprogramm auf 6055 kHz, und zwar von Montag bis Freitag von 0.15 bis 17.00 oder 17.30 Uhr, am Wochenende nur von 1.40 bis 12.00 oder 12.30 Uhr. Das Börsenprogramm kommt auf 6115 kHz von Montag bis Freitag von 1.29 bis 12.00 Uhr, am Wochenende von 1.59 bis 10.00 Uhr.

Der Sender mit 10 kW bediente die Frequenz 3945 kHz des Börsenprogramms. Sie hatte die Einschränkungen von 2018 zunächst überlebt, war aber schon nur noch an den Abenden (Ortszeit) der Arbeitstage von etwa 11.00 bis 15.00 Uhr in Betrieb. Nach jüngsten Angaben soll diese Nachtfrequenz nun ganz entfallen sein.

Radio Nikkei, 3945 kHz
Die Antenne der jetzt wohl nicht mehr genutzten Frequenz 3945 kHz; die mit eingetragenen Frequenzen im 31-Meterband sind bereits 2018 entfallen | © Radio Nikkei

Bis heute behalten hat Radio Nikkei außerdem die Frequenz 3925 kHz. Den früheren Betrieb mit 50 kW gibt es hier seit 2018 allerdings auch nicht mehr.

Verblieben ist nur noch der frühere Gleichwellensender auf Hokkaido. Bis 1996 stand er in Sapporo (Standort unmittelbar westlich des Flughafens Okadama, dort sind inzwischen keine Spuren mehr auszumachen), dann wurde die Sendetechnik zum Ostzipfel von Hokkaido, auf die Halbinsel Nemuro, umgesetzt.

Dieser 10 kW starke Sender überträgt auf 3925 kHz das Hauptprogramm von Radio Nikkei nach jüngsten Angaben von Montag bis Freitag von 0.15 bis 1.00 und von 9.50 bis 17.00 oder 17.30 Uhr, sonnabends von 9.50 bis 12.30 und sonntags von 9.50 bis 12.00 Uhr.

Da es in Japan keine Sommerzeit gibt, ergeben sich aus mitteleuropäischer Sicht ab 30. Oktober wieder jeweils eine Stunde frühere Sendezeiten. Dann beginnt auch die Saison, in der an sportliche Versuche eines Direktempfangs gedacht werden könnte.

In Betracht kommen die ersten Stunden der Sendezeit. Unter der Woche könnte man es mit den Sendern des Hauptprogramms auch unmittelbar vor deren täglicher Ausschaltung versuchen (wenn es bis dahin keine weiteren Änderungen gibt, nach MEZ dann von Montag bis Donnerstag um 16.00 und freitags um 16.30 Uhr).

Voraussetzung ist neben einer leistungsfähigen Empfangsanlage mit Außenantenne natürlich das Freisein der Frequenzen von anderen Sendern. Auf 3925 kHz kann davon schon seit den 90er Jahren ausgegangen werden. Bei den Frequenzen im 49-Meterband bleibt es abzuwarten, ist allerdings längst nicht mehr so undenkbar wie in früheren Zeiten.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 05.06.2022