Seit anderthalb Jahrzehnten

Sendungen für entführte Japaner in Nordkorea

Seit mittlerweile anderthalb Jahrzehnten gibt es zwei Folgen von Sendungen, die nur in einer vagen Hoffnung ausgestrahlt werden, noch jemanden aus ihrer Zielgruppe zu erreichen: Die vor Jahrzehnten nach Nordkorea entführten Japaner.

Sender Yamata
Einfahrt der Sendestation Yamata mit Höhenbegrenzung durch Antennenspeiseleitungen und Firmenschild des Betreibers KDDI | © Starbacks, CC

Den Auftakt gemacht hatte hier 2005 das zivilgesellschaftliche Shiokaze-Projekt mit Sendungen über Kurzwellenanlagen in Sibirien und Taiwan.

2007 erhielt Shiokaze eine Sonderlizenz, die Ausstrahlungen aus Japan selbst ermöglichte. Damit begannen auf der Kurzwellenstation Yamata erstmals überhaupt Sendungen, die nicht in der rundfunkrechtlichen Verantwortung von NHK laufen.

Sendezeiten von Shiokaze sind nach MESZ 15.00-16.00 und 18.00-19.00 Uhr, nach MEZ entsprechend 14.00-15.00 bzw. 17.00-18.00 Uhr. Eine ergänzende Finanzierung der japanischen Regierung ermöglicht es seit 2019, zwei Sender zugleich einschalten zu lassen.

Derzeit läuft der erste Sendeblock auf 5935 und 6040 kHz, der zweite auf 5955 und 5985 kHz. Um eine Störung der Sendungen durch Nordkorea zu erschweren, werden die Frequenzen öfters geändert. Sonderlich geschickt ist deren Planung dabei nicht.

Die japanische Regierung ihrerseits hat für dieses Thema einen Sonderstab gebildet, der versucht, auch internationale Aufmerksamkeit zu finden. Dafür gibt es Informationsseiten und einen Trickfilm:

2007 begann der Sonderstab mit eigenen Sendungen für die Entführungsopfer. Sie erscheinen unter dem Titel „Furusato no Kaze“, in koreanischsprachigen Segmenten „Ilbon-e Baran“.

Wie in Deutschland ist auch in Japan eine Veranstaltung von Rundfunk durch staatliche Stellen unzulässig. Für Ausstrahlungen aus Yamata bedient sich der Sonderstab deshalb des Konstrukts, seine Sendungen über Shiokaze laufen zu lassen.

Diese Übertragungen beschränken sich jedoch auf 30 Minuten am Tag; derzeit von 16.05 bis 16.35 Uhr auf 5980 und 6090 kHz. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf der Anmietung von Sendezeit im Ausland, bei der von Anfang an keine rechtlichen Probleme gesehen wurden.

Teilweise auch in Europa hörbar werden können die Ausstrahlungen aus Usbekistan, mit denen der vom Sonderstab beauftragte Technikdienstleister Encompass jetzt die seit 2019 nicht mehr verfügbaren Sender in Palau ersetzt:

15.00-15.57 Uhr: 11875 kHz
16.30-17.00 Uhr: 11995 kHz
17.00-18.30 Uhr: 7335 kHz
19.30-20.30 Uhr: 5845 kHz

Ansonsten bedient man sich der Kurzwellensender in Taiwan:

15.00-15.30 Uhr: 9940 kHz
15.00-15.57 Uhr: 9455 kHz
15.30-15.57 Uhr: 9705 kHz
16.30-17.00 Uhr: 9450, 9705 kHz
17.00-18.00 Uhr: 9685 kHz
17.00-19.30 Uhr: 6110 kHz
18.00-18.30 Uhr: 9470 kHz

Die Angaben beziehen sich wiederum auf das Sommerhalbjahr 2021. Mit der Rückkehr zur Mitteleuropäischen Zeit ergeben sich erneut jeweils eine Stunde frühere Zeiten, wobei auch mit Frequenzänderungen zu rechnen ist.

Der japanische Rundfunk NHK lehnt eine Beteiligung an diesen Projekten ab. Auch seine eigenen koreanischen Sendungen überträgt er nur auf Kurzwelle (derzeit 0.09-0.30 Uhr auf 9560 kHz, 6.15-6.45 Uhr auf 11895 kHz, 13.00-13.30 und 14.00-14.30 Uhr auf 6090 kHz sowie 15.00-15.30 und 16.00-16.30 Uhr auf 6190 kHz).

Völlig unzugänglich bleiben die 500 kW starken Mittelwellensender von NHK, die sich aus rein technischer Sicht dafür eignen würden, Nordkorea zu erreichen.

In der Gegenrichtung geschieht das tatsächlich in dieser Weise: Aus Nordkorea wird ein täglich neunstündiges Programm in japanischer Sprache außer auf Kurzwelle auch über einen Mittelwellensender in Chongjin abgestrahlt.

Dieses Programm aus Pjöngjang gibt es schon seit vielen Jahren. Man ist sich in Japan recht sicher, in den Sendungen die Stimmen entführter Landsleute erkannt zu haben.

2016 versuchte Shiokaze es dann doch mit der Mittelwelle: Encompass konnte Sendezeit in der Mongolei anbieten. Extrem hohe Kosten (Shiokaze sprach vom Achtfachen des Preises der Kurzwellen-Sendezeit in Yamata) zwangen jedoch nach wenigen Monaten dazu, diese Ausstrahlungen wieder zu beenden.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 20.06.2021