NHK und Spezialsendungen

Japan auf Kurzwelle

Für das Ausland kommen aus Japan zwei Arten von Hörfunksendungen auf Kurzwelle: Zum einen der reguläre Auslandsdienst des öffentlich-rechtlichen NHK, zum anderen Spezialsendungen, die in der vagen Hoffnung abgestrahlt werden, die vor Jahrzehnten nach Nordkorea entführten Japaner zu erreichen.

Sender Yamata
Einfahrt der Sendestation Yamata mit Höhenbegrenzung durch Antennenspeiseleitungen und Firmenschild des Betreibers KDDI | © Starbacks, CC

Den Auftakt machte 2005 das Shiokaze-Projekt, zunächst mit Sendungen aus Sibirien und Taiwan. 2007 erhielt diese Initiative eine Sonderlizenz, auf deren Grundlage die Kurzwellenstation Yamata bei Tokio erstmals Sendungen außerhalb der rundfunkrechtlichen Verantwortung von NHK ausstrahlt.

Zusätzliche Zuwendungen der japanischen Regierung ermöglichen es seit 2019, zwei Frequenzen parallel einzusetzen. Mit Stand Frühjahr 2020 läuft die Ausstrahlung von 15.00 bis 16.00 Uhr (jeweils MESZ) auf 6040 und 6070 kHz sowie von 18.00 bis 19.00 Uhr auf 5920 und 5980 kHz. Neuerdings enthält sie dienstags ein Programm in englischer Sprache.

Die Regierung ihrerseits versucht, auch internationale Aufmerksamkeit für die Thematik zu finden. Neben Informationsseiten gibt es dafür einen Trickfilm:

Eigene Versuche des Regierungsstabs, die Entführungsopfer zu erreichen, begannen 2007. Diese Sendungen erscheinen unter dem Titel „Furusato no Kaze“, in koreanischsprachigen Segmenten „Ilbon-e Baran“.

Da, wie aus Deutschland bekannt, auch in Japan die Veranstaltung von Rundfunk durch den Staat verboten ist, konnten diese Sendungen von vornherein nur aus dem Ausland ausgestrahlt werden. Schließlich fand sich aber doch noch ein Schlupfloch: Eine Übernahme durch das Shiokaze-Projekt.

Somit kommen die Sendungen des Sonderstabs der Regierung nun für 30 Minuten am Tag auch aus Yamata; derzeit von 16.05 bis 16.35 Uhr auf 6165 und 7325 kHz. Das bleibt dennoch nur eine kleine Ergänzung der Sendungen aus dem Ausland.

In größerem Umfang genutzt wurde für Jahre die Kurzwellenstation in Palau, die ihren Betrieb jedoch im Oktober 2019 eingestellt hat. Als Ersatz angemietet werden seit März 2020 Sendeplätze in Taschkent; derzeit 15.00-16.00 Uhr auf 11875 kHz, 16.30-18.00 Uhr auf 11995 kHz und 18.00-18.30 Uhr auf 11910 kHz.

Die Hauptlast liegt ansonsten auf der Sendestation Tanshui in Taiwan. Aktuelle Frequenzen sind hier 15.00-15.30 Uhr 9465 und 9970 kHz, 16.30-17.00 Uhr 9450 und 9560 kHz, 17.00-18.00 Uhr 7335 und 9685 kHz, 18.00-18.30 Uhr 7335 und 9470 kHz, 18.30-19.00 Uhr nur 7335 kHz sowie 19.00-19.30 Uhr 6155 kHz.

Zentrale von NHK in Tokio (Foto anonym via Wikipedia)

NHK seinerseits lehnt eine Mitwirkung bei diesen Projekten ab. Das gilt erst recht für eine an sich naheliegende Verbreitung auf Mittelwelle. Von dieser theoretischen Möglichkeit macht NHK nicht einmal bei seinen eigenen, eigentlich erstaunlich kurzen Sendungen für Korea Gebrauch.

Deshalb mietete das Shiokaze-Projekt 2016 Sendezeit auf einem Mittelwellensender in der Mongolei. Extrem hohe Kosten (nach Angaben der Veranstalter das Achtfache des vom Betreiber der Station Yamata berechneten Preises) zwangen jedoch nach wenigen Monaten dazu, diese Ausstrahlungen wieder zu beenden.

Eigene Auslandssendungen von NHK wiederum strahlt die Kurzwellenstation Yamata in der Sommersaison 2020 wie folgt ab:

04.00-05.00 Uhr: 11790 kHz; Japanisch
05.00-07.00 Uhr: 15195, 15325, 17810 kHz; Japanisch
06.00-06.30 Uhr: 11825 kHz; Chinesisch
06.15-06.45 Uhr: 11895 kHz; Koreanisch
07.30-08.00 Uhr: 11790 kHz; Russisch
09.00-10.00 Uhr: 11825 kHz; Japanisch
09.00-11.00 Uhr: 9795 kHz; Japanisch
09.00-12.00 Uhr: 15280 kHz; Japanisch
10.00-18.00 Uhr: 9750 kHz; Japanisch
12.00-17.00 Uhr: 11815 kHz; Japanisch
13.00-13.30 Uhr: 7355 kHz; Russisch
13.00-14.30 Uhr: 6090 kHz; Koreanisch, Chinesisch
14.30-17.00 Uhr: 6190 kHz; Koreanisch, Chinesisch
17.00-19.00 Uhr: 12045 kHz; Japanisch
21.00-23.00 Uhr: 6120 kHz; Japanisch
22.00-23.00 Uhr: 9480 kHz; Japanisch
23.00-01.00 Uhr: 13680 kHz; Japanisch
23.00-02.00 Uhr: 11910 kHz; Japanisch
23.30-00.50 Uhr: 9560 kHz; Indones., Korean., Chines.
01.00-02.00 Uhr: 13650 kHz; Thai, Vietnames., Burmes.

Hinzu kommt eine recht umfangreiche Nutzung von Kurzwellenanlagen in anderen Ländern, die in vielen Fällen die Direktsendungen aus Japan völlig ersetzt hat:

Deutschland (Nauen)
05.00-07.00 Uhr: 9490 kHz; Japanisch
06.30-07.00 Uhr: 6165 kHz; Russisch
19.00-21.00 Uhr: 13690 kHz; Japanisch
Österreich
06.30-07.00 Uhr: 5975 kHz; Engl., Sa/So: 7.00-7.30
Frankreich
04.00-06.00 Uhr: 6105 kHz; Japanisch
06.30-07.00 Uhr: 11970 kHz; Engl., Sa/So: 7.00-7.30
07.30-08.00 Uhr: 11730 kHz; Französisch
08.00-08.30 Uhr: 11975 kHz; Arabisch
10.00-12.00 Uhr: 15290 kHz; Japanisch
16.30-17.00 Uhr: 13680 kHz; Farsi
19.00-21.00 Uhr: 11945 kHz; Japanisch
21.00-23.00 Uhr: 15130 kHz; Japanisch
Radio Vatikan
06.30-07.00 Uhr: 7245 kHz; Engl., Sa/So: 7.00-7.30
Abu Dhabi
13.15-13.45 Uhr: 17820 kHz; Indonesisch
15.15-15.45 Uhr: 13865 kHz; Indonesisch
16.00-16.30 Uhr: 11830 kHz; Englisch
17.15-17.45 Uhr: 11775 kHz; Urdu
Madagaskar
05.30-06.00 Uhr: 9560 kHz; Suaheli
07.30-08.00 Uhr: 13840 kHz; Französisch
16.30-17.00 Uhr: 15745 kHz; Hindi
19.30-20.00 Uhr: 13730 kHz; Suaheli
22.30-23.00 Uhr: 7425 kHz; Französisch
Usbekistan
03.00-03.20 Uhr: 9820 kHz; Hindi
06.00-06.30 Uhr: 11970 kHz; Farsi
16.00-16.30 Uhr: 9450 kHz; Englisch
17.30-18.00 Uhr: 9600 kHz; Hindi
Singapur
12.30-13.00 Uhr: 11740 kHz; Burmesisch
13.00-13.30 Uhr: 11695 kHz; Englisch
13.00-14.00 Uhr: 11740 kHz; Vietnames., Thai
14.30-15.00 Uhr: 11740 kHz; Thai
15.00-15.45 Uhr: 11685 kHz; Bengalisch
16.30-17.00 Uhr: 11740 kHz; Burmesisch
USA: World Harvest R.
06.00-06.30 Uhr: 6195 kHz; Spanisch
11.00-12.00 Uhr: 6195 kHz; Portugies., Span.
USA: Radio Miami Int.
06.00-06.30 Uhr: 5985 kHz; Spanisch

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 27.04.2020