Soundcheck

Hot Chip, Sophia Blenda, Cass McCombs, Carlos Niño

Mit Andreas Müller & Gästen

Soundcheck
Soundcheck | © radioeins

Andreas Müller diskutiert gemeinsam mit Christoph Reimann, Kai Müller und Martin Böttcher über diese Alben.

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Freakout/Release von Hot Chip

Soundcheck-Wertung: 4 x Geht in Ordnung

Freakout/Release von Hot Chip
Domino

Alles wieder sehr schön, was Hot Chip da auf ihrem achten Album präsentieren: Electropop mit Indie-Attitüde, angereichert mit Disco und House. Die Tracks gewohnt solide arrangiert, meist fangen sie verhalten an und arbeiten dann, sehr zur Freude von uns Hörenden, auf ihren Höhepunkt hin. Aber all das lässt sich natürlich auch über die vergangenen Alben der Londoner Gruppe sagen.
 
Nach 22 Jahren Bandgeschichte hat sich Routine eingestellt. Und eine Art von Stillstand auf hohem Niveau. Ich bilde mir ein, das zu hören: Die Texte nicht mehr so clever wie früher, die Atmosphäre nicht mehr so frisch. Aber vielleicht geht es bei Hot Chip gar nicht mehr ums Frisch-sein, Alexis Taylor und Joe Goddard verteidigen einfach nur die Nische, die sie in bestimmten Kreisen zu Kulthelden hat werden lassen. Fair enough!
 
Martin Böttcher

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Die Neue Heiterkeit von Sophia Blenda

Soundcheck-Wertung: 2 x Hit, 2 x Geht in Ordnung

Die neue Heiterkeit von Sophia Blenda
PIAS

Was die 26-jährige Sophie Löw unter dem Künstlernamen Sophia Blenda macht, unterscheidet sich nicht sehr von ihrer Arbeit mit Culk, der Wiener Indie-Band, die zwei hochgelobte Alben herausgebracht hat. Ihr Solodebüt ist ein Langgedicht in neun Kapiteln ohne Schlagzeug und Gitarre, eine Neuinterpretation der Klavierballade im Geiste Wittgensteins, getragen von denselben sorgsam gebauten Wortfindungen. Noch verlorener, abstrakter, noch skeptischer den eigenen sprachlichen Mitteln gegenüber.
 
Es geht um die Identitätsfragen der Generation Z. Wo bleibe ich? Was bedeutet Bindung? Welche Haltung wäre angemessen angesichts autoritärer Strukturen? Einmal heißt es: „Ich bin da zwischen Heiterkeit und Gewalt.“ Was eine gute Antwort des freien Menschen auf die Probleme ist, die er nicht lösen kann. Aber nicht jede Antwort macht einen auch glücklich.
 
Kai Müller, Tagesspiegel

Soundcheck

Heartmind von Cass McCombs

Soundcheck-Wertung: 4 x Geht in Ordnung

Heartmind von Cass McCombs
Anti

Die New York Times weiß es schon lange: Cass McCombs ist einer der besten Songwriter seiner Zeit. Nur hierzulande tun wir uns notorisch schwer mit Pop-Eigenbrötlern wie ihm. Einem, der nichts auf Ruhm gibt und Interviews für die Pest hält.
 
Aber hinhören lohnt sich: In acht bittersüßen Songs versucht er, sich einen Reim auf dieses Leben zu machen, ohne den Welterklärer zu spielen. Sinnbildlich für die schöne Misere steht das Albumcover: ein halbversunkenes Paddelboot, umspielt von glitzerndem Wasser. Schiffbruch und Sonnenstrahlen.
 
Christoph Reimann, Deutschlandfunk

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Extra Presence von Carlos Niño

Soundcheck-Wertung: 2 x Hit, 2 x Niete

Extra Presence von Carlos Niño
International Anthem

Für Carlos Niño ist musizieren mehr als die Organisation von Tönen. Es geht ihm um Verbindungen mit Menschen (Freunde und Publikum) und dem Großen Ganzen: dem Universum. Der Mann aus Los Angeles hat so über die Jahre ein kaum zu fassendes Werk aus Radiosendungen, DJ-Sets, Aufnahmen und Produktionen geschaffen, das wahrlich überwältigt.
 
Seine Musik wird gespeist aus den Klängen der Natur, Hip Hop, Free Jazz und Ambient-Experimenten. Extra Presence ist eine Momentaufnahme, die den Hörenden viel abverlangt, aber zugleich unendlich viel gibt.
 
Andreas Müller, Gastgeber