Litauen

Bericht: 1557 kHz ist niederländisches Projekt

Mindestens seit der Nacht zum 5. August 2022 kommt auf der litauischen Mittelwelle 1557 kHz ein Programm in russischer Sprache, das keine Hinweise auf seine Urheber gibt und für Ratlosigkeit unter Beobachtern sorgte. Der British DX Club machte nun auf eine Veröffentlichung zu diesem Thema aufmerksam.

Radio Lenta, AM 1557 kHz
© lentaonline.com

Laut diesem Artikel handelt es sich um ein niederländisches Projekt, das ausschließlich von Spendern finanziert werde und als „Radio Prawda“ laufe.

Im Sendeprogramm sind solche Ansagen allerdings nicht zu hören. Die nicht allzu informativen Sendefolgen präsentieren sich stattdessen als „Nascha Lenta“. Darauf bezieht sich auch der Internetauftritt, der zumindest bis jetzt äußerst spartanisch ausfällt.

Der angelegte Youtube-Kanal nennt als Standort die Ukraine. Ein Beobachter warnt davor, daraus sogleich auf Zulieferungen von Lenta.ua zu schließen, denn die bislang gehörten Beiträge wirkten nicht wie ukrainisches Material.

Das beschreibt der Beobachter so: Die Sonderoperation werde nicht mit einem Wort mit fünf Buchstaben bezeichnet, sondern tatsächlich Sonderoperation genannt, und Lugansk bzw. Donezk erscheinen unter den Abkürzungen LNR und DNR, ohne auch nur „sogenannte“ voranzustellen.

Der Artikel von Radiovisie.eu konzentriert sich auf die Sendetechnik. Das erstmals in der Nacht zum 5. August, also schon vor dem angegebenen Zeitpunkt, beobachtete Signal erzeugt demnach ein gebrauchter Sender mit 50 kW.

Mit diesem Gerät sollen in den Niederlanden bis 2011 die Frequenz 1395 kHz und später, bis zu ihrer Abschaltung am 3. Januar 2019, die Frequenz 1008 kHz betrieben worden sein. Das liefert nachträglich noch die Angabe der hier jeweils zuletzt eingesetzten Sendeleistung, die in beiden Fällen seinerzeit niemand geben wollte.

Dieser Sender sei nun in Litauen installiert worden. Dafür habe sich auch „eine neue Antennenplanung“ erforderlich gemacht.

Genannt wird dazu der auch in den Lizenzunterlagen geführte Standort Sitkunai. Ein gesondert verteiltes Foto deutet auf den Aufbau des Senders in einem eigens aufgestellten Leichtbau und damit eine Lösung, wie sie auch in der letzten Phase des Betriebs der ostdeutschen Mittelwellenstandorte verbreitet war.

Auf jeden Fall nicht wieder genutzt werden die Gebäude der Station, aus denen die auf 1386 kHz aktiven Programmveranstalter 2017 herausgeworfen wurden. Aus unbekannten Gründen kam es seinerzeit nicht zu einer unabhängigen Weiternutzung der Antenne. Stattdessen wurde mit US-amerikanischen Ressourcen ein anderer Standort erschlossen.

 

Autor: Kai Ludwig; zuletzt aktualisiert am 11.08.2022