Von niederländischen Betreibern - Weiteres Mittelwellenprojekt aus Litauen geplant

Situnai, 666 kHz: Radio Signal, Stiching (sic) Next Level Initiatives
© rtk.lt

Seit August 2022 ist ein niederländisches Radioprojekt in russischer Sprache aus Litauen auf Mittelwelle aktiv. Im neuen Jahr soll noch ein weißrussisches Schwesterprogramm hinzukommen.

Dafür zugeteilt wurde, mit Schreibfehler bei der Nennung des Programmveranstalters im originalen Dokument, die Frequenz 666 kHz.

Das ist die einstige Hauptmittelwelle des ersten Hörfunkprogramms aus Vilnius. Ihre Abschaltung im Jahre 2009 markierte das Ende der AM-Sendungen von Rundfunkanstalten im Baltikum insgesamt. In Estland und Lettland wurde dieser Schritt bereits 1998/1999 vollzogen.

Genannt hat die litauische Rundfunkkommission auch den Namen des Programms, das die Stichting Next Level Initiatives im kommenden Jahr auf 666 kHz starten will: Radio Signal.

Nach eigener Darstellung finanziert sich diese niederländische Stiftung „ausschließlich aus privaten und philanthropischen institutionellen Spenden“. Man akzeptiere grundsätzlich keine staatlichen Finanzierungen. Weitere Angaben über sich veröffentlicht die Stiftung nicht.

Eine Zustimmung zur Veranstaltung von Rundfunk ließ sich die Stiftung durch die Medienkommission der Niederlande geben. Die litauische Frequenzzuteilung bezieht sich darauf, sie läuft deshalb auf den Sendernetzbetreiber LRTC (Lietuvos radijo ir televizijos centras).

Dieser stellt seinem niederländischen Partner die Sendestation in Sitkunai bei Kaunas zur Verfügung. Das sorgte unter Beobachtern für nicht geringes Erstaunen, hatte doch LRTC die früheren Nutzer bis 2017 rausgeworfen und das Objekt schon bei noch laufendem Betrieb in eine Ruine verwandelt.

Auch das vom ersten postsowjetischen Kommunikationsminister initiierte, von den USA unterstützte Sendeprojekt 1386 kHz blieb nicht verschont. Es konnte nur gerettet werden, indem auf der weiterhin aktiven Station Viešintos, wo es noch eine nutzbare Mittelwellenantenne gab, ein gebrauchter Sender des American Forces Network aus Deutschland installiert wurde.

Sluschai Radio Lenta na AM 1557, polutschai 1557 rublei!
© nashalenta.news

Die unverhofften erneuten Sendungen aus Sitkunai begannen im August 2022 auf 1557 kHz. Seitdem wird die Frequenz üblicherweise für einige Stunden am Abend eingeschaltet.

Das übertragene Programm meldet sich als „Radio Lenta“, auch in der Variante „Nascha Lenta“. Nach dem Start präsentierte man für kurze Zeit einen Youtube-Kanal mit der Standortangabe „Ukraine“ – und bescherte den Beobachtern nun Erheiterung, denn das konnte ganz offensichtlich nicht stimmen.

Seltsam ist schon die Verwendung der eingeführten Marke Lenta. Dies ist eine russische, 1999 gegründete Onlinezeitung, von der sich 2014 das aus Riga betriebene Projekt Medusa abgespaltet hat. Eine Verbindung zu den Sendungen auf 1557 kHz ist nicht erkennbar.

Es sieht tatsächlich nach einem Projekt der niederländischen „Szene“ aus, wenn man sich das hier (siehe Abbildung) anschaut – völlig unüblich für seriöse Informationsprogramme, aber dafür im Privatfunk unentbehrlich:

„Hören Sie Radio Lenta und gewinnen Sie jeden Tag 1557 Rubel!“

Während diese Fragen unbeantwortet bleiben, sind in wiederum typischer Weise alle Details zur in Sitkunai auf 1557 kHz betriebenen Technik zu haben.

In einem Container installiert und an eine der noch vorhandenen Antennen angeschlossen ist demnach jener Sender eines kanadischen Herstellers, der bis zum Beginn des Jahres 2019 in Zeewolde (Flevoland) auf 1008 kHz aktiv war.

Für die zusätzliche Frequenz dürfte nochmals in die Hinterlassenschaften des niederländischen Mittelwellenrundfunks gegriffen werden. Zu dessen Chronik gibt es nun ganz nebenbei auch noch eine Angabe, die seinerzeit niemand machen wollte, nämlich die in der letzten Betriebsphase auf 1008 kHz eingesetzte Sendeleistung: Es waren also 50 kW.

 

Beitrag von Kai Ludwig; Stand vom 10.09.2023