In einem Land, das es nicht gibt - BBC verliert Senderechte in Somaliland

Somaliland
Somaliland; orange ein Grenzkonflikt mit Puntland | © Ali Zifan, CC-BY-SA

Auch in Ländern, die es nicht gibt, können internationale Rundfunkstationen ihre Senderechte verlieren. Diese Erfahrung macht die BBC gerade im früheren Britisch-Somaliland. Zugleich gibt es erste Informationen darüber, was 2023 aus BBC World wird.

Somaliland ist ein Teil jener Region des kollabierten Somalia, die bis 1960 unter britischer Kolonialherrschaft stand. Dessen Hauptstadt Hargeisa war eine Hochburg des Widerstands gegen das Regime von Siad Barre und hatte dafür 1988 mit einer Bombardierung zu büßen.

Nach dem Zusammenbruch des Regimes wollte Hargeisa nichts mehr mit dem Rest des Landes zu tun haben und sagte sich 1991 von ihm los. Somit entstand unter dem alten Namen aus der Kolonialzeit „ein Land, das es nicht gibt“.

Solche Wortschöpfungen beziehen sich darauf, wie die betreffenden Gebilde von (fast) keinem anderen Staat anerkannt werden. Der BBC wird das in Hargeisa, wo es immerhin überhaupt so etwas wie eine funktionierende Verwaltung und eine Zivilgesellschaft gibt, nun zum Verhängnis.

Begründet wurde das in Hargeisa mit einer „Reduzierung von Identität und Stolz“ des Territoriums. Die BBC habe „ihre Unabhängigkeit verloren“ und agiere gegen eine Unabhängigkeit von Somaliland. Man habe nach langen Disussionen deshalb entschieden, ihre Tätigkeit mit sofortiger Wirkung zu unterbinden.

Die BBC wurde davon zunächst nicht formell in Kenntnis gesetzt. Dafür schritten die Behörden in Hargeisa gleich zur Tat: Parallel zur Bekanntgabe des Schrittes wurden die UKW-Frequenzen abgeschaltet.

Unterdessen gab die BBC eine erste Präzisierung zur beschlossenen Zusammenlegung ihrer bislang getrennten Fernseh-Nachrichtenprogramme für das Inland und Ausland. Als Termin hierfür ist nun der kommende April geplant.

Das als „BBC News“ zu präsentierende Programm soll nicht nur in London, sondern in erheblichem Umfang auch in Singapur und Washington produziert werden. Einen Teil der beizubehaltenden Auseinanderschaltungen für Großbritannien soll die Fernsehadaption einer Hörfunksendung von 5 Live bestreiten.

Dieser Teil der anstehenden Sparmaßnahmen, an denen auch der Abgang von Boris Johnson in keinem Fall mehr etwas ändert, kostet 70 Arbeitsplätze. Über den Redaktionen schwebt nun die Frage, wen es trifft.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.07.2022