Uruguay

Mittelwellensender in Montevideo geplündert

Zu den Ländern, die in dieser Rubrik überhaupt noch nicht vorkamen, gehört Uruguay. Für die Premiere sorgt nun ein doch recht außergewöhnlicher Zustand: Durch Kupferdiebstahl sind gleich zwei Mittelwellenstationen in Montevideo ausgefallen.

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© Sammlung University of Texas

Nachdem Emisora Ciudad deshalb schon seit Wochen nicht mehr auf Sendung ist, wurde nun auch noch der Mittelwellensender von Radio Nacional lahmgelegt.

Die Sendeanlagen in den Vororten von Montevideo seien, so heißt es in einem einschlägigen Bericht, in dieser Hinsicht generell gefährdet. Deren Bewachung gehe deshalb teils bis zu einer ständigen Bewohnung der Stationen.

Bei Emisora Ciudad sei aus wirtschaftlichen Gründen fraglich, ob die bisherigen Eigentümer den Betrieb überhaupt noch einmal aufnehmen. Über Geldmangel berichtet wird auch bei Radio Clarín, das deshalb seit dem 1. März vorerst abgeschaltet sei. Gemeint ist wohl speziell der Mittelwellensender; online wird das Programm ebenso wie das von Radio Nacional weiter angeboten.

Zumindest Radio Nacional gehörte zu der größeren Zahl von Rundfunkstationen in Uruguay, die bis in die 90er Jahre auch auf Kurzwelle aktiv waren. Wegen geringer Sendeleistungen blieb ein Empfang in Europa jedoch stets eine sportliche Herausforderung.

Radio Nacional wird auf kommerzieller Grundlage betrieben. Es sollte nicht verwechselt werden mit dem öffentlich finanzierten, vier Programme veranstaltenden Radiodifusión Nacional del Uruguay.

Radiodifusión Nacional und Televisión Nacional Uruguay entstanden 2015 mit einer Umstrukturierung. Bis dahin gehörten sie zu der 1929 ursprünglich als „Servicio Oficial de Difusión Radio Eléctrica“ gegründeten Institution.

Unter Beibehaltung seiner etablierten Kurzbezeichnung erhielt der SODRE später einen neuen Namen: „Servicio Oficial de Difusión, Representaciones y Espectáculos“. Damit abgebildet wurde die zwischenzeitliche Gründung von Orchester-, Chor- und Ballettensembles, deren Dach weiter unter dem alten Akronym auftritt.


Aus der Rundfunkgeschichte kann noch eine technische Besonderheit genannt werden: Bei der Einführung des Fernsehens entschied sich Uruguay zusammen mit Argentinien und Paraguay wegen der Stromversorgung mit 50 Hertz für die europäische Bildnorm mit 625 Zeilen.

Bei der Ausstrahlung waren die drei Länder jedoch an das amerikanische, für 525 Bildzeilen ausgelegte Kanalraster gebunden und daher gezwungen, die Bandbreite der Videosignale auf 4,2 MHz zu begrenzen.

Dadurch nützte die Farbproduktion der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien selbst nur den Leitungsübertragungen etwa in Kinos: Der PAL-Farbträger auf 4,43 MHz konnte die Filter der Sender nicht passieren. Auch SECAM IIIb hätte so nicht funktioniert.

Zum Start des regulären Farbfernsehbetriebs in Argentinien, Paraguay und Uruguay kam es deshalb erst 1980. Dafür entwickelt wurde das Sonderverfahren PAL-N mit einem Farbträger auf 3,58 MHz.

Mit PAL-M war ein anderes Sonderverfahren bereits einige Jahre zuvor in Brasilien gestartet und so auch dem 525-Zeilenfernsehen eine zweite Farbnorm beschert worden. Der Kommentar amerikanischer Bildingenieure: Damit tat „Hannover“ selbst genau das, was es in Europa geschickt als französisch-russische Abweichlerei brandmarkte.

Bei der Einführung des terrestrischen Digitalfernsehens gelang es Brasilien dann, den Standard für Südamerika zu setzen: Fast alle dortigen Länder übernahmen ISDB-TB, die brasilianische Adaption des japanischen Verfahrens.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 14.03.2021