Nicht nur in Uruguay - Senderplünderung auch in Argentinien

Argentinien: Comodoro Rivadavia und Feuerland
© University of Texas

Ein in Montevideo mittlerweile notorisches Phänomen wird inzwischen auch aus Argentinien gemeldet: Die Plünderung von Mittelwellen-Sendetechnik. Hier traf es die Regionalstation von Radio Nacional in Comodoro Rivadavia.

Kupferdiebe entwendeten Erden, die für einen sicheren Betrieb der Sendeanlage erforderlich sind. Der dadurch bis zur Reparatur eingetretene Sendeausfall wog für Radio Nacional schwerer als der Sachschaden.

Stand vom 06.11.2022



Bericht vom Dezember 2021:

Die Regionalstation von Radio Nacional in Río Grande, an der Atlantikküste von Feuerland, hat für ihre Mittelwelle 640 kHz einen neuen, 100 kW starken Sender mit offiziell auf 600 km bezifferter Reichweite in Betrieb genommen.

Was sich hinter dieser Wasserstandsmeldung verbirgt, zeigt spätestens die Überschrift einer einschlägigen Meldung: Es geht um die Falklandinseln oder, wie sie vor allem in Argentinien genannt werden, die Malwinen.

Das ist nicht erst mit dieser Vervierfachung der Sendeleistung so. Schon 2013 starteten auf dieser Frequenz täglich um Mitternacht ausgestrahlte, von der Redaktion des Auslandsdienstes in Buenos Aires produzierte Sendungen in englischer Sprache.

Für sich spricht auch der Name, unter dem die Regionalstation in der Hauptstadt der südlichsten Provinz von Argentinien auftritt: LRA 10 Ushuaia e Islas Malvinas.

Dafür eignet sich deren Mittelwellensender allerdings deutlich schlechter als jener im nicht etwa kleineren, nur nicht zur Provinzhauptstadt erhobenen Río Grande an der Küste. In der Praxis läuft es deshalb, wenn es um den Versuch von Sendungen zu den Falklandinseln geht, auf LRA 24 Río Grande hinaus.

Keine technischen Einzelheiten finden sich zur nunmehrigen Verstärkung von dessen Mittelwellensender. Warum diese womöglich interessant sein könnten, zeigt ein Blick nach Buenos Aires, wo heute der bis 2013 in Berlin-Britz betriebene Mittelwellensender steht.

Radio Nacional, Buenos Aires
Funkhaus in Buenos Aires | © Abasmalko, CC

Radio Nacional in Buenos Aires seinerseits hatte bereits ab 1949 in deutscher Sprache nach Europa gesendet. Mit dem Sturz von Juan Perón verschwanden diese Sendungen 1955 noch einmal.

1958 wurde der Auslandsdienst als Radiodifusión Argentina al Exterior aber wieder aufgenommen. Über Jahrzehnte gab es an Arbeitstagen jeweils einstündige Programme in Deutsch und weiteren Fremdsprachen.

Das blieb auch nach der Machtergreifung des Militärs im Jahre 1976 so. Der Redakteur Carl Dieter Gredé setzte sich einem hohen Risiko aus, indem er bei der Moderation der Sendungen immer wieder kritische Andeutungen machte.

Als die Gefahr konkret wurde, holten Helfer unter anderem im Österreichischen Rundfunk den Redakteur aus Argentinien heraus und vermittelten ihn in eine journalistische Tätigkeit in Deutschland. Danach brach Gredé alle Kontakte zur Rundfunkszene ab. Über seinen weiteren Lebensweg ist nichts bekannt.

Somit saßen andere am Mikrofon, als die Militärjunta den Falklandkrieg anzettelte und so ihr Ende besiegelte. Danach plätscherten die Auslandssendungen aus Buenos Aires über dreieinhalb Jahrzehnte ereignisarm vor sich hin.

Eine Zäsur brachte schließlich das Jahr 2017. Die von 1947 stammende, letztmals 1977 mit einem neuen Sender ausgestattete Kurzwellenstation bei Buenos Aires konnte nicht mehr weiter betrieben werden. Damit verschwanden die nie veränderten Stammfrequenzen 11710 und 15345 kHz aus dem Äther.

Ihre Leidenschaft für den alten Verbreitungsweg des Auslandsrundfunks wollten die Verantwortlichen bei Radio Nacional dennoch nicht aufgeben. Mit Radio Miami International fanden sie einen gleichgesinnten Partner in den USA, der Ausstrahlungen über die frühere Kurzwellenstation von Family Radio in Florida arrangierte.

Nach letztem bekanntem Stand gab es hier auch Sendeplätze für eine wöchentliche Sendung in deutscher Sprache. Eindeutige aktuelle Angaben liegen dazu nicht vor.

Zur Beschränkung auf die Produktion von zeitweise nur noch einer Sendung pro Woche kam es, als die Mitwirkenden aus hinlänglich bekannten Gründen davon Abstand nahmen, das Funkhaus aufzusuchen. Inzwischen hat Radiodifusión Argentina al Exterior sein deutschsprachiges Angebot wieder ausgebaut.

 

Autor: Kai Ludwig