Algerien

Stand der Dinge bei den Kurzwellensendern von TDA

Eigentlich wollte der algerische Rundfunk TDA seinen Auslandshörfunk auf Kurzwelle schon seit 2017 mit neuer, eigener Sendetechnik betreiben. Nach dem Besuch einer TDA-Managerin in Bechar kam nun zur Sprache, warum daraus bis heute nichts geworden ist.

Algerien
Graphik: Eric Gaba, CC-BY-SA

Demnach sei, nachdem der Auftrag für diese Sendetechnik 2015 erteilt wurde, mehrfach die Abnahme bereits erbrachter Leistungen verweigert worden. Nachdem die Anlagen 2017 weitgehend fertiggestellt waren, sollte es 2018 tatsächlich zur Übergabe kommen.

Auch dies wurde jedoch ohne Begründung immer wieder verschoben. Seit der letzten Nennung eines Termins im Jahre 2019 drangen keine weiteren Informationen mehr nach draußen. Die Rede war von Problemen im Bereich der Kühlung, die durch die teils sehr hohen Temperaturen in der Sahara bestehen.

Einer nicht mit Quellenangabe versehenen Wiedergabe des Besuchsberichts sind zwei Fotos beigefügt, die offensichtlich vorzeigbare Motive abbilden: Die Antenne und ein Gerätegestell der Mittelwelle 576 kHz. Diese ebenfalls in Bechar neu aufgebaute Technik ist inzwischen tatsächlich in Betrieb gegangen.

Der neue Kurzwellensender steht in einem anderen Gebäude, bei dem auch das Antennenpaar mit der Abstrahlrichtung Libyen/Niger/Tschad seinen Platz fand. In diesem Gebäude befindet sich ansonsten eine 2000 kW starke Senderanlage für die Langwelle 153 kHz. Deren Antenne besteht aus drei Masten, die in Richtung Tindouf strahlen.

Sehr ähnlich verhält es sich in Ouargla. Hier gibt es eine identische Langwellenanlage mit der Frequenz 198 kHz zur Ausstrahlung in den äußersten Süden von Algerien, die ebenfalls durch einen Kurzwellensender ergänzt werden soll. Im Satellitenbild sind dessen Antennen, hier mit der Abstrahlrichtung Westafrika, erst im Bau.

Derzeit sollen die Langwellensender sowohl in Bechar als auch in Ouargla außer Betrieb sein. Das würde zu einem weiteren Teil der Gerüchte um die Kurzwellentechnik passen: Probleme soll es auch bei der Stromversorgung geben.

An diesen Standorten würde TDA erstmals seit 1997 wieder über Sendeanlagen für die Kurzwelle verfügen. Seinerzeit wurde die entsprechende Sendetechnik in Algier stillgelegt. Aus dortigen AM-Senderräumen gibt es dieses und noch ein Foto.

An den einstigen Kurzwellenbetrieb in Algier-Bouchaoui erinnern heute nur noch die leeren Türme der Vorhangantennen. Den Standort nutzt TDA nun stattdessen für Satellitentechnik.

Kurzwellenstation Algier
Die Reste der Kurzwellenanlage Bouchaoui | © Habib Kaki, CC

Einstweilen bestreitet TDA seinen Auslandshörfunk weiter mit angemieteter Sendezeit in Frankreich. Im Sommer 2021 laufen dort die Ausstrahlungen in das Zielgebiet von Libyen bis Westafrika wie folgt:

06.00-07.00 Uhr: 6050 kHz
07.00-08.00 Uhr: 7295, 9535 kHz
08.00-09.00 Uhr: 9620 kHz
20.00-21.00 Uhr: 13815 kHz
21.00-22.00 Uhr: 11985, 12060 kHz
22.00-23.00 Uhr: 9510, 9655 kHz
23.00-24.00 Uhr: 5930, 5940 kHz
00.00-01.00 Uhr: 5930 kHz

Die Zusammenstellung des Programms zeigt klar, wo bei diesem Auslandsdienst der Schwerpunkt liegt: Der weitaus größte Teil der Sendezeit wird mit Radio Koran bespielt.

Unabhängig von dem Debakel an den 500 Kilometer landeinwärts liegenden Standorten sind vor allem im Norden von Algerien weiterhin leistungsstarke Mittel- und Langwellensender in Betrieb und bei Dunkelheit teilweise bis nach Mitteleuropa brauchbar zu empfangen.

Ebenfalls umfassend modernisiert wurden davon in den letzten Jahren die Sendeanlagen der Mittelwelle 891 kHz in Algier und der Langwelle 252 kHz bei Tipaza, an der Mittelmeerküste westlich der Hauptstadt. Auf 252 kHz läuft, oft auch außerhalb der sogenannten Wartungspausen in Irland im Vordergrund zu hören, das französischsprachige Chaîne 3.

Auf 891 kHz sowie auf der Frequenz 531 kHz aus Fkirina bei Ain Beida, 70 Kilometer von der Grenze zu Tunesien entfernt, kommt neuerdings ein Programm, das eigentlich für die Ausstrahlung auf Kurzwelle prädestiniert wäre, dort aber höchstens in minimalem Umfang einbezogen wird: Radio Algérie Internationale.

Nach der Reaktivierung dieser Frequenz in der Ukraine nur noch sehr bedingt in Mitteleuropa zu empfangen ist die Mittelwelle 549 kHz aus Sidi Bel-Abbès, landeinwärts von Oran im Westen von Algerien. Hier läuft das Jugendprogramm Jil FM.

Bis 2020 war das auch auf 531 kHz der Fall. Die Mittelwellenaufschaltung von Jil FM im Jahre 2012 hatte für einige Verwirrung unter mitteleuropäischen Radiofans gesorgt, denn dessen Musikauswahl ließ nicht sogleich an einen nordafrikanischen Sender denken.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 21.07.2021