Überraschung

Kurzwellensender in Algerien testen

Eigentlich wollte der algerische Rundfunk schon seit 2017 mit neuer Kurzwellentechnik auf Sendung sein. Am 21. oder 22. Juli 2022 war es nun, zumindest als Betriebsversuch, tatsächlich soweit.

Algerien
Graphik: Eric Gaba, CC-BY-SA

Der Betriebsablauf hat dabei nichts mit den seit Jahren veröffentlichten Daten zu tun. Am 23. Juli liefen die Sender den Abend hindurch auf 15100 und 15340 kHz. Übertragen wurde das erste Programm.

Die nun offenbar (eine Ausstrahlung aus dem Ausland ist sehr unwahrscheinlich) tatsächlich aktivierte neue Sendetechnik ersetzt nach einem Vierteljahrhundert die alten Kurzwellenanlagen in Algier, die bereits 1997 stillgelegt wurden.

Seinen Platz fand der Ersatz nicht wieder an der Küste, sondern 500 Kilometer landeinwärts. Dort gibt es zwei praktisch identische, ursprünglich jeweils 2000 kW starke Langwellenanlagen, die im Rahmen des 2015 erteilten Auftrags um Kurzwellentechnik erweitert wurden: Jeweils ein Sender und ein Antennenpaar für hohe bzw. niedrige Frequenzen.

In Bechar sind die Kurzwellenantennen für eine Versorgung des Bereichs von Libyen bis Niger und Tschad ausgelegt. Auf dieser Station hatte sich schon im vergangenen November etwas getan: Die über drei Masten in Richtung Tindouf gerichtete Langwelle 153 kHz ist nach längerer Unterbrechung wieder in Betrieb.

In Ouargla (momentan zeigt das Satellitenbild hier noch eine Baustelle) sind die Kurzwellenantennen nach Westafrika ausgerichtet. Die Langwellenantenne strahlt hinein ins Innere des afrikanischen Kontinents. Hier gibt es bislang keine Berichte über eine Reaktivierung der ebenfalls seit längerem abgeschalteten Frequenz 198 kHz.

Diese Langwellen sind zum Teil bereits voreilig aus der Literatur gestrichen worden. Auf den nach wie vor aus Rumänien bzw. Großbritannien belegten Frequenzen konnten sie hierzulande mit ihren weg von Europa strahlenden, in der Sahara unter denkbar ungünstigen Bedingungen arbeitenden Antennen ohnehin nicht gehört werden.

Ganz anders ist das nicht nur beim nun begonnenen Betriebsversuch der neuen Kurzwellentechnik, sondern auch bei den Lang- und Mittelwellensendern an der algerischen Küste.

Einer neuen Belegung zugeführt wurden dort die Mittelwellen 891 kHz aus Algier und 531 kHz aus Fkirina bei Ain Beida, 70 Kilometer vor der Grenze zu Tunesien. Sofern sie aktiv sind, läuft hier jetzt das in Fremdsprachen gestaltete Radio Algérie Internationale.

Schon auf das Jahr 2012 zurück geht die heutige Belegung der Frequenz 549 kHz aus Sidi Bel-Abbès, landeinwärts von Oran im Westen von Algerien. Die Umschaltung sorgte seinerzeit für einige Verwirrung in Europa, denn das, was jetzt hier zu hören ist, ließ nicht gleich an einen nordafrikanischen Sender denken: Die Jugendwelle Jil FM.

Bei der traditionellen Belegung blieb es auf der Langwelle 252 kHz aus Tipaza, an der Mittelmeerküste westlich der Hauptstadt. Hier läuft in altbekannter Weise die französischsprachige Chaîne 3.

Die neue Kurzwellentechnik in Bechar und Ouargla soll die weitere Anmietung von Sendezeit beim französischen Technikdienstleister TDF einsparen. Einstweilen werden diese Übertragungen, seit einigen Jahren vorwiegend mit Radio Koran, weiter fortgesetzt:

06.00-06.59 Uhr: 6050 kHz
07.00-07.59 Uhr: 7295, 9535 kHz
08.00-08.59 Uhr: 9620 kHz
20.00-20.59 Uhr: 13815 kHz
21.00-21.59 Uhr: 11985, 12060 kHz
22.00-22.59 Uhr: 9510, 9660 kHz
23.00-23.59 Uhr: 9585 kHz
23.00-00.59 Uhr: 5930 kHz

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 23.07.2022