Statt aus Frankreich - Algerien mit eigenen Kurzwellensendern

Algerien mit Béchar und Ouargla
© Sammlung University of Texas

Seit 2006 nutzte der staatliche Rundfunk von Algerien die Kurzwellensender in Frankreich, um das benachbarte Nord- und Westafrika zu erreichen. Um den 20. September 2022 endeten diese Übertragungen. Ersetzt wurden sie durch neu aufgebaute eigene, vorher zwei Monate lang getestete Sendetechnik.

Ihren Platz fanden die neuen Anlagen nicht wieder an den alten Kurzwellenstandorten bei Algier, die ihren Betrieb schon 1997 zum Teil und 2003 schließlich ganz eingestellt hatten.

Die Wahl fiel stattdessen auf die beiden Langwellenstationen, die 500 Kilometer landeinwärts eingerichtet und in Mitteleuropa kaum zu hören sind, da ihre Richtantennen hinein in die Sahara strahlen. Seit längerem außer Betrieb ist dabei die Station Ouargla auf 198 kHz, während aus Béchar weiterhin auf 153 kHz gesendet wird.

Beide Stationen erhielten nun jeweils einen Kurzwellensender mit 300 kW Nennleistung und eine Antenne aus wahlweise zu nutzenden Systemen für hohe oder niedrige Frequenzen. Der Auftrag wurde bereits 2015 erteilt. Wie schon von der Modernisierung der algerischen Lang- und Mittelwellenanlagen bekannt, verzögerten sich Fertigstellung und Inbetriebnahme um Jahre.

Auf der Station Béchar (Baschar) ist die Kurzwellenantenne für eine Versorgung von Libyen, Niger und Tschad ausgelegt. Die Station Ouargla (Wargla) soll auf Kurzwelle Westafrika bedienen.

Nach dem Ende der Testphase kommt aus Ouargla wohl wieder die spezielle, zuvor aus Frankreich abgestrahlte Programmfolge, die sich auf das Koran-Programm konzentriert. Derzeit scheint der Sender, sofern er aktiv ist, von 1.00 bis 7.00 Uhr auf der Nachtfrequenz 7440 kHz und ansonsten auf 15410 kHz zu laufen.

Für den Standort Béchar deuten die bisherigen Beobachtungen hingegen weiter auf eine Übertragung des – dort auch auf 153 kHz ausgestrahlten – ersten Programms. Zuletzt wurde der Sender großflächig auf 17600 kHz angetroffen.

Auch nach dem Beginn des Regelbetriebs scheint hier weiter mit den Sendefrequenzen experimentiert zu werden. Öffentlich zugängliche Planungsdaten stellen sich als Muster ohne Wert dar.

Wenn sie laufen, sind die neuen Kurzwellensender im außerhalb des Sendegebiets liegenden Mitteleuropa wesentlich besser zu empfangen, als es bei den Ausstrahlungen aus Frankreich der Fall war. Dafür sorgt die Kombination aus den für diese Frequenzen günstigeren Standorten und der verhältnismäßig geringen Richtwirkung der Antennen kleiner Bauform.

Bei Dunkelheit bis ins deutschsprachige Europa recht gut zu hören sind auch die beiden Mittelwellen, die neuerdings das in Fremdsprachen gestaltete Radio Algérie Internationale übertragen: 891 kHz aus Algier und 531 kHz aus Fkirina bei Ain Beida, 70 Kilometer vor der Grenze zu Tunesien.

Eingeschränkt zu empfangen sind außerdem die Langwelle 252 kHz des französischen Programms sowie die Mittelwelle 549 kHz aus Sidi Bel-Abbès, landeinwärts von Oran im Westen von Algerien.

Bei letzterer gab es 2012 einige Verwirrung, da die Frequenz, seinerzeit zusammen mit 531 kHz, zu einem Programm umgeschaltet wurde, das nicht gleich an einen nordafrikanischen Sender denken ließ: Die Jugendwelle Jil FM.

 

Beitrag von Kai Ludwig mit Informationen von Ivo Ivanov; Stand vom 03.12.2022