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To Dust von Alice Russell

To Dust von Alice Russell

Nicht umsonst steht ihr Name über allem: die blonde Engländerin ist das unbestrittene Kraftzentrum und wirkt auf Platte weicher, differenzierter als in ihren überbordend funky Bühnenshows. Auf ihrem siebten Album, die letztjährige Latin Kooperation mit Quantic eingeschlossen, bemüht sie sich um eine Erzählung, gibt ihren Stücken ein Anliegen und stellt sich mehr denn je in die Tradition des großen Ermächtigungsouls einer Aretha Franklin oder Chaka Khan.

In Hard And Strong will sie das Menschliche gegen den Data-Overkill retten, To Dust träumt die Finanzwelt in Schutt und Asche, Citizens mahnt das Kontemplative an. Verbunden mit starken Backingvocals entstehen feierlich hymnische Momente. Aber es ist die Band, die hier den Unterschied macht. Die holt sich ihre Strukturen deutlich mehr aus dem Rock und frühen R&B und bildet mit den Soulvocals die attraktivste Verschmelzung, als würde Amy Winehouse in den Black Keys ihre Meister gefunden haben.

Auch wenn sie nicht die schmelzende Zartfühlerin ist, gelingen ihr doch ein paar schöne Balladen, die, getragen von ihrer raffiniert mit elektronischen und organischen Quellen jonglierenden Band, dieses beeindruckende Album rund machen.

Christine Heise im TIP-Magazin