Ausstellung

„… irgendwer hat immer fotografiert …“

Private Fotografie in Ostdeutschland 1980–2000

Unbekannte*r Fotograf*in, Pausenversorgung, 1986 © Archiv Maria Notbohm
© Archiv Maria Notbohm

Sie füllen Wohnzimmerschränke und Schubladen: private Fotoalben und lose Einzelbilder, die uns vergangene Gesichter überliefern und ihre Geschichten erzählen. Wie viel und was zeigen diese Fotografien von einer Gesellschaft und ihrem Alltag? Und wie werden historische Veränderungen, private Schicksale oder politische Entscheidungen sichtbar?


Der Untergang der DDR war eine Zäsur, die das Leben der Menschen in Ostdeutschland tiefgreifend veränderte. Mit der Wende verschoben sich berufliche Perspektiven und soziale Zusammenhänge. In privaten Fotoalben ist dieser Bruch als historisches Ereignis jedoch weitgehend unsichtbar. Fotografiert wurden vielmehr immer wieder ähnliche Motive: Feste, Urlaubsreisen, Familie und Freund*innen. Die gesellschaftlichen Veränderungen werden erst in unterschiedlichen Details erkennbar: So ändert sich bei der einen Person das sommerliche Reiseziel, bei anderen das Wohnzimmermobiliar und bei dritten wurde nicht mehr in Schwarz-weiß, sondern in Farbe fotografiert.


Die Ausstellung nähert sich der privaten Fotografie mit unterschiedlichen Mitteln und aus verschiedenen Perspektiven an: Neben Fotoalben, die in ihrer unterschiedlichen Gestaltung, mit Text und eingeklebten Erinnerungsstücken auf private Erzähl- und Erinnerungspraktiken verweisen, berichten Zeitzeug*innen in Videos von ihrem privaten Umgang mit Fotografien. Die zwei Ausstellungsräume, Lounge der Ausstellungshalle und Projektraum der Stiftung, werden von einem Band von hunderten kleinen, einzeln gehängten Aufnahmen vieler Autor*innen durchzogen.Die Forschungsausstellung »„… irgendwer hat immer fotografiert …“« ist das Ergebnis des seit 2020 laufenden Interviewprojekts Biografie und Geschichte. In mehr als 50 Albengesprächen berichten ihre Besitzer*innen, welche Rolle die private Fotografie für sie vor, während und nach dem Untergang der DDR spielte.

20.11.2021 – 20.02.2022

Sa– So | 11–19 Uhr

Eintritt | 9,- Euro, ermäßigt 4,- Euro

Veranstaltungsort:
Stiftung Reinbeckhallen - Sammlung für Gegenwartskunst
Reinbeckstr. 11
12459 Berlin

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