Vertigo Days von The Notwist © Morr Music
Morr Music
The Notwist © Johannes Maria Haslinger
Johannes Maria Haslinger

Der Soundcheck Award für das "Beste Album des Jahres 2021" wird der Weilheimer Band The Notwist verliehen.

Nach Ansicht der Jury von Tagesspiegel und radioeins spannt das im Januar erschienene „Vertigo Days“ einen weiten Bogen durch den „innovativen Teil der deutschen Popgeschichte“ – von Kunstlied und Krautrock über Elektro-Pop und freier Musik bis Techno. Es sei auf gute Art „deutsch“: spröde, romantisch, experimentell, weltabgewandt und hellsichtig, voller Melodien und grandioser Beats. Es hält der komplizierten deutschen Mentalität zwischen Technik und Innerlichkeit einen Spiegel vor.

Damit setzen sich The Notwist in letzter Instanz gegen St. Vincents „Daddy’s Home“ durch, mit dem sich die 39-jährige US-Musikerin Annie Clark ungewöhnlich intim einer schmerzhaften Episode ihrer Familie zuwendet, außerdem gegen „Nine“, dass nur 99 Tage verfügbare traumatische Werk des anonymen britischen Rap-Kollektivs Sault. Schließlich stand auch Makaya McCraven wieder auf der Shortlist des Preises, nachdem er den Soundcheck Award vergangenes Jahr gewonnen hatte. Sein Album „Decifering The Message“, eine Auftragsarbeit für das Blue Note Label, ist eine weitere Neuinterpretation des klassischen Jazz-Codes.

Nach einer mehrjährigen Schaffenspause zogen sich die drei Multiinstrumentalisten von The Notwist, die Brüder Markus und Micha Acher sowie ihr Kompagnon Cico Beck, bereits 2018 ins Studio zurück. Zwei Jahre tüftelten sie an dem Material und fingen mit allem „ganz von vorne“ an, wie sie sagen. Gäste wie die Japanerin Saya oder die Brasilianerin Juanna Molina steuerten eigene Gesangsparts bei.

Obwohl The Notwist dem entrückten, melancholischen Futurismus treu bleiben, der schon das stilbildende Meisterwerk „Neon Golden“ von 2002 prägte, schwingt diesmal eine Ernüchterung über die digitale Gegenwart mit. So erzählt das 50-minütige Album vom Verlust sozialer Nähe, von Untergangsängsten, die durch Träume wandern, von der Sehnsucht nach echten Gefühlen, wirklichen Begegnungen, aber auch immer wieder von der Liebe, die einen Menschen weniger allein sein lässt. Dass die 14 Songs von „Vertigo Days“ als Ganzes einen hypnotischen Sog erzeugen, wie nur große Alben es tun, hat die Jury überzeugt.

Der Soundcheck Award wird zum 13. Mal verliehen. Er wird in Form eines grafischen Kunstwerks aus der Feder des Illustrators und Künstlers Otto Steininger überreicht. Zu früheren Gewinnern zählen Kanye West, Neil Young, James Blake, Anna Calvi und Lana del Rey. An deutschsprachige Bands wurde der Award bislang nur zweimal verliehen, nämlich an Tocotronic (2015 für ihr rotes Album) und an Bilderbuch (2017 für „Magic Life“).

Vertigo Days von The Notwist
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Soundcheck - Vertigo Days von The Notwist

Im vergangenen Sommer sendeten The Notwist mit The Ship EP neue Lebenszeichen. Und plötzlich war die Sehnsucht wieder groß. Denn wie nur wenige deutsche Bands sind die Weilheimer immer wieder neue Ideen zur Pop-Musik zu verwirklichen. Manchmal ist das Ergebnis nichts weniger als sensationell. Vertigo Days, das erste Album seit sechs Jahren ist genau das. Ein hypnotischer Trip, mitunter an die großen Zeiten von CAN erinnernd, in jeder Sekunde frisch und packend. The Notwist haben wieder mal eine perfekt The Notwist Platte geschaffen.
Andreas Müller, Gastgeber

Soundcheck Award
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Das musikalische Quartett - Soundcheck Award 2021 - die Shortlist

Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie blieb den meisten Musikern wieder nichts anderes übrig, als die spielfreie Zeit möglichst produktiv im Studio zu verbringen.

Und wieder erschienen auch 2021 eine Reihe herausragender, inspirierender Alben, die im musikalischen Quartett von Tagesspiegel und radioeins durchweg als Hit bewertet wurden.

Podcast Soundcheck
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Das musikalische Quartett - Soundcheck

Jeden Freitag zwischen 21 und 23 Uhr empfängt Andreas Müller im Wechsel mit Torsten Groß drei Musik-Journalist*innen auf radioeins. Vier Alben, die am Freitag neu erscheinen werden ausführlich besprochen. Produktionen großer Stars werden genauso einer gnadenlos kritischen Überprüfung unterzogen wie die Alben junger und völlig unbekannter Bands. Am Ende steht das Urteil. Aus drei Kategorien müssen die Kritiker*innen auswählen und damit bekennen, was sie von der Platte halten: ist die CD ein Hit? Eine Niete? Oder heißt es – die geht in Ordnung?! Die Meinungen der Soundchecker*innen sind hemmungslos subjektiv, euphorisch und polemisch – also immer voller Begeisterung für die Musik. Wenn Sie finden, das Quartett liegt völlig richtig oder auch total daneben, dann melden Sie sich...