Kaskelstraße

Streetview

Ein Schokoladeneis-Manufaktur, die gleichzeitig eine Hofbäckerei ist, ein Laden für Lastenfahrräder, eine Videothek mit Café-Charme, ein Restaurant als Treffpunkt für Tatort-Fans. Außerdem: ein Wohnhaus mit bewegter Vergangenheit und eine Remise, die früher mal ein Kuhstall und heute ein Figurentheater ist. Geschichten über besondere Orte in der Kaskelstraße...

Kaskelstraße - Streetview
Kaskelstraße - Streetview | © radioeins

Eigentlich hieß die Kaskelstraße mal Kantstraße, ihren heutigen Namen erhielt sie 1947 nach dem Berliner Kommunalpolitiker Carl John Walter Kaskel.

Schon zu DDR-Zeiten gab es hier viel Leerstand, nach der Wende drohte die Straße und der gesamte Kiez endgültig zu kippen.

1990 kamen die Hausbesetzer, dann wurde das ganze Areal zum Sanierungsgebiet erklärt, die Besetzer starteten Projekte und konnten mit staatlicher Förderung den eigenen Wohnraum instand setzen. Kreative und Künstler entdeckten die Insel zwischen den Gleisen für sich, dann kamen immer mehr Leute mit Geld. Das können sie in der Kaskelstraße in vielen liebevoll geführten Läden ausgeben.

SchokoLadenEis-Manufaktur

Sieht in der warmen Jahreszeit aus wie eine klassische Eisdiele, dann wechseln hier auch wirklich kühle Kugeln den Besitzer. Aber eigentlich war das nur eine Notlösung. Ursprünglich wollte der Betreiber nur feinstes Schokowerk verkaufen, allerdings hielten sich die Verkaufszahlen bei hochsommerlichen Temperaturen in sehr überschaubaren Grenzen. Die Lösung hieß dann Saisongeschäft, im Sommer macht die Eisdiele den meisten Umsatz, bietet im Winter dann aber doch selbst gemachte Pralinen an. Ein Backofen gehört auch zur SchokoLadenEis-Manufaktur, denn hausgemachte Brote gehören genauso zum Sortiment wie Eis. Nachmittags ab halb vier brennt hier die Luft, dann schlecken gefühlt alle Kinder des Kaskelkiezes vor dem Laden genüsslich ihr Eis.

B.L.O. Ateliers

Das Beste kommt in der Kaskelstraße buchstäblich zum Schluss. Die Straße macht einen Bogen und führt unter einem Bahndamm hindurch und dahinter steht man plötzlich in einer komplett anderen Welt.

BLO Ateliers in der Kaskelstraße © radioeins/Hoelzen
BLO Ateliers in der Kaskelstraße © radioeins/Hoelzen | © radioeins/Hoelzen

Hier, wo die Gleisanlagen den weitläufigen Bahnhofes Lichtenberg auslaufen, standen früher zwei riesige Lokschuppen, in einem dreigeschossigen Backsteingebäude übernachteten Lokführer, und der Zug von Erich Honecker stand hier in ständiger Bereitschaft zur Verfügung. Das Gelände lief früher unter der nüchternen Bezeichnung "Bahnbetrieb Berlin Lichtenberg Ost (BLO)".

2004 schlossen sich Künstler und Kreative zum Verein “Lockkunst” zusammen und schlossen einen Nutzungsvertrag mit der Deutschen Bahn ab. Seitdem sind hier dutzende Werkstätten und Ateliers entstanden, das gesamte Areal ist eine der wenigen noch im Berliner Stadtraum verbliebenen Künstlerkommunen. Bis 2024 läuft der Mietvertrag noch, wie es danach weiter geht, ist ungewiss.

Mehr Infos gibt es unter www.blo-ateliers.de.

Stuck-Laden

Wer in Berlin eine klassische Altbauwohnung renovieren will, kennt das Problem: Die Handwerker sind in der Lage, Böden und Wände wieder wunderbar in Schuss zu bringen, aber an der Decke kommen sie buchstäblich an ihre Grenzen. Denn viele Altbauten besaßen wunderschöne Stuckornamente und die modelliert auch ein geübter Handwerker nicht mal eben mit der Kelle nach.

Stuckwaren in der Kaskelstraße © radioeins/Warnow
Stuckwaren in der Kaskelstraße © radioeins/Warnow | © radioeins/Warnow

Wer eine Rosette für die Lampenhalterung sucht, ein umlaufendes Stuckmuster braucht oder flächige Verzierungen sucht, der kommt in der Kaskelstr. 30 auf seine Kosten. Der Laden von Andreas Schilke hat alles, was das Stuckrateurherz begehrt.

Videothek „Madeleine und der Seemann“

Den Laden „Madeleine und der Seemann“ gibt es seit 2009 in der Kaskelstraße. Jahrelang versorgte man die Nachbarschaft mit Filmen, 5.000 DVDs standen in den Regalen. Doch dann ist die Konkurrenz durch Streaminganbieter wie Amazon, Netflix und Co. erdrückend, Geschäftsinhaberin Anne Petersdorff will im März 2017 aufgeben. Der Gewerbemietvertrag ist bereits gekündigt.

Kaskelstraße © radioeins/Warnow
Die Schöne Straße | © radioeins/Warnow

Aber zwei Tage vor Ablauf kommt der Wunsch auf, mit neuem Konzept als Café weiter zu machen. Mit Kaffee, Kuchen und einer Softeismaschine soll der Laden jetzt weiter laufen. Dafür werden nach und nach die Video-Bestände verkauft, von den ehemals 5.000 Streifen sind noch 2.000 übrig.

Je länger, je lieber

Das "Je länger Je lieber" bietet sich an, wenn man in der Kaskelstraße urplötzlich von Spargelhunger angefallen wird. Auf der Speisekarte des Restaurants finden sich vorwiegend regionale Produkte der Saison. Eine Spargelcremesuppe mit Croutons lässt sich dann wahlweise zur Tatort-Titelmelodie oder zum Polizeiruf schlürfen, denn jeden Sonntag ist hier Krimizeit.

Auf der Rückseite des “Je länger Je Lieber” liegt ein gut besuchter Spielplatz, deren Besucher werden von Mai bis Oktober mit Kaffee, Kuchen und Wickeltisch versorgt.