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Digitaler Nachlass: Was wir zu Lebzeiten regeln sollten

Web, Mobile, Social Media

Sven Oswald über den digitalen Nachlass - ein wichtiges Thema: Denken sie mal drüber nach und sprechen Sie mit ihren Lieben, das spart Ärger, Zeit und Geld.

Viele kleine Personen bilden ein Schloss © imago images/Panthermedia
Viele kleine Personen bilden ein Schloss | © imago images/Panthermedia

Haben Sie Ihre Angelegenheiten geregelt, also falls Ihnen mal etwas passiert? Gerade wenn man Kinder hat, macht man sich da so seine Gedanken. Eine Sache, die dabei aber fast immer außer Acht gelassen wird, ist der Digitale Nachlass, also das, was Sie zu Lebzeiten so an Daten generiert und in den Weiten des Internets hinterlassen haben. Was passiert damit? Wenn Sie sich nicht kümmern, passiert erstmal nichts, was an verschiedenen Stellen für sehr viel Schmerz und Ärger sorgen kann.

Was wir zu Lebzeiten regeln sollten, darüber klärt radioeins-Multimediaexperte Sven Oswald auf.

Viele kleine Personen bilden ein Schloss © imago images/Panthermedia
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Kein schönes Thema, aber ein wichtiges, denn was passiert denn schlimmstenfalls, wenn das digitale Erbe nicht geregelt ist?


Da gibt es ganz viel, was Schmerz, Ärger und auch Kosten verursachen kann: Das Beginnt mit den Accounts in den Sozialen Medien, da bekommt man dann gerne Geburtstagserinnerungen von Menschen, die längst tot sind, das tut weh!

Dann geht es um vielleicht wichtige Daten von Onlinekonten bei Banken und anderen Dienstleistern, wenn da auf einmal keiner mehr Zugriff hat, kann es kompliziert werden und es endet mit Abos beispielsweise bei Streamingdiensten, da ticken die Kosten dann fleißig weiter.

Was sollte ich zu Lebzeiten tun, um meinen Hinterbliebenen nicht noch mehr Ärger zu machen?


Als erstes mal drüber nachdenken, was ich denn digital so alles tue! Bei vielen Diensten und Plattformen kann ich selbst zu Lebzeiten eine Art digitalen Nachlassverwalter bestimmen, beispielweise bei Google oder auch bei Facebook. Die bekommen dann Zugriff – teilweise in beschränktem Maße – private Chats werden dann nicht eher gezeigt.

Um meine Accounts zu löschen, sie auf Kondulenzstatus zu setzen oder ähnliches, da muss ich mich zu Lebzeiten drum kümmern, das kostet etwas Zeit spart aber eventuell monatelangen Ärger teilweise vor Gericht.

Diese Möglichkeiten gibt es ja nicht bei allen Diensten und Plattformen, was mache ich mit den anderen?


Hier habe ich verschiedene Möglichkeiten: Ich kann beispielsweise einen professionellen Onlinedienst zur Nachlassverwaltung nutzen. Hier kann ich alle Accounts und das, was damit nach meinem Tod passieren soll, hinterlegen. Dafür bezahle ich dann eine Gebühr, entweder monatlich oder einmalig. Und wenn es mich erwischt, erfahren die Betreiber automatisch davon und handeln dann so, wie ich es festgelegt habe.

Da lege ich dann aber mein Schicksal, das meiner Daten, komplett in fremde Hände, oder?


Ja, die informieren dann von mir vorher festgelegte Vertrauenspersonen, das kann ich natürlich auch selber tun, also beispielweise mit meinem Ehepartner, Mutter oder Vater einfach mal vorher über das Thema reden. Dann kann ich eine Liste anlegen mit allen Zugängen und meinen Wünschen, was damit passieren soll. Da gibt es von der Verbraucherzentrale ganz sinnvolle Musterlisten. Diese Liste kann physisch ausgedruckt irgendwo hinterlegt sein oder digital gespeichert und verschlüsselt - Problem: Wenn ich diese Liste nicht ständig aktuell halte, aber meine Passwörter hin und wieder ändere, bringt die nichts! Da könnte es helfen, zusätzlich mit einem Passwortmanager und einem Masterpasswort zu arbeiten. Das bleibt immer gleich, die einzelnen Passwörter der Dienste sind da hinter immer aktuell und ich muss dann meiner Vertrauensperson nur mitteilen, wo sie das Masterpasswort findet.